Mit neun Franken pro Tag und weiteren 20 Franken pro Monat für Kleider den Alltag bewältigen – seit Anfang Jahr ist dies Realität für die Asylsuchenden im Aargau. Pfarrer Stefan Moll aus Baden versuchte zusammen mit seiner Frau Christine einen Monat lang, mit demselben Betrag auszukommen. Sein Fazit: Man müsse zwar nicht verhungern. Human sei es aber nicht, weil man mit dem Restgeld kaum am sozialen Leben teilnehmen könne.

Die Kürzung des Beitrags für Asylsuchende findet Stefan Moll «geizig», sagt er im «TalkTäglich». Mit Nationalrat und SVP-Aargau-Präsident Thomas Burgherr diskutiert er in der «TeleM1»-Sendung über Sinn und Unsinn dieser Sparmassnahme. Moll erklärt: «Damit spart der Kanton 1.80 Franken pro Aargauer. Das finde ich schäbig.»

Pfarrer Moll ist überzeugt: «Teurer sparen kann man nicht!»

Es sei wichtig, dass die Flüchtlinge Deutsch lernen. «Es gibt im Kanton Aargau ein riesiges Angebot von Freiwilligen, die Deutsch- und Matheunterricht anbieten.» Davon könnte der Kanton profitieren. Aber sobald jemand im Dorf nebenan wohne, fehle ihm das Geld, daran teilnehmen zu können. «Teurer sparen kann man nicht!»

Er ist davon überzeugt, dass diese finanzielle Abschreckung nichts bringt. «Wer mit einem Ruderboot über das Mittelmeer kommt, den kümmert das Verfahren in der Schweiz nicht allzu sehr.»

Burgherr kontert: «Das ist ein Mehrheitsbeschluss»

Burgherr wehrt sich gegen die Unterstellung, der Kanton sei geizig. «Das ist ein Mehrheitsbeschluss, hinter dem die Regierung und die Parteien SVP, CVP und FDP stehen.» Man müsse an allen Orten sparen. Für Burgherr ist aber klar: «Asylentscheide müssen schneller fallen.» Hier sind sich der SVP-Politiker und der Pfarrer einig.

Burgherr kommt auf die Gemeinde Aarburg zu sprechen, wo über 200 Eritreer wohnen. «Das ist ein riesen Problem für diese Gemeinde – die geht bald Konkurs.» Denn über 90 Prozent der Asylsuchenden würden Sozialhilfe beziehen. «Aarburg zahlt 6 Millionen Franken Sozialhilfe – und hat etwa 17 Millionen Steuergelder im Jahr», führt Burgherr aus.

«Mir ist wichtig, dass es den Menschen gut geht», sagt der Nationalrat. «Aber wir können nicht die ganze Welt retten.» Er plädiert für mehr Entwicklungshilfe vor Ort, dort, wo es etwas bringe. Zudem würde er lieber 5000 bis 6000 Syrer aufnehmen, die er als «echte Flüchtlinge» bezeichnet, und dafür 40‘000 Eritreer nach Hause schicken, damit sie ihr Land wieder aufbauen könnten. Gemäss Bundesamt für Statistik lebten Ende 2016 insgesamt 35'162 Eritreer (davon 32'888 als ständige Wohnbevölkerung) in der Schweiz. Im Kanton Aargau waren es 2983 Eritreer, davon 2812 als ständige Wohnbevölkerung. Während 2016 noch 4758 Eritreer ein Asylgesuch in der Schweiz stellten, waren es 2017 noch 3138 (Stand jeweils Ende November). (sga)

Sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» in voller Länge:

9 Franken für Asylbewerber - Reicht das?

9 Franken für Asylbewerber – reicht das?

Asylbewerber erhalten neu noch 8 Franken pro Tag. Hinzu kommen ein Franken pro Tag als Taschengeld und ein Kleidergeld von 20 Franken pro Monat.