Die strahlende Abendsonne stand noch über der Kirche auf dem Suhrenkopf. Die stehenden Autos im Feierabendverkehr vor dem Möbelhaus Pfister in Suhr glänzten in ihrem Licht um die Wette. Auf dem Parkplatz war kaum mehr ein Feld frei.

Hunderte Kinder strömten trotz des prachtvollen Frühlingswetters mit ihren Eltern durch die Eingangstüre und nahmen das Möbelhaus in Besitz. Aber nicht um zu shoppen.

Am Mittwoch wurden die Sieger und Siegerinnen der «Kissenschlacht 2014» gekürt.

Eine Schlacht, die mit Worten geführt wurde und - vorerst - friedlich verlief.

Alle zwei Jahre organisieren das Aargauer Literaturhaus in Lenzburg und Pfister Suhr den Geschichtenwettbewerb für Kinder.

830 Kinder haben dieses Jahr teilgenommen und eine Geschichte zum Thema «Ein unerwarteter Besuch» geschrieben.

Die Jury - Pfister-Sprcherin Sylvie Merlo, AZ-Autor Jörg Meier, Patrick Vogt von Radio Argovia und Bettinas Spoerri, Leiterin des Aargauer Literaturhauses - hat die besten Erzählungen prämiert.

«Wieder und wieder haben wir die Geschichten gelesen», sagte Bettina Spoerri, «es war enorm schwierig, daraus nur zehn auszuwählen.»

Ehrliche Kindergeschichten

Warmer Duft von Hotdogs und Popkorn strömte um 18 Uhr der durch das Geschäft. Fast 900 Kinder und Eltern hatten sich im vierten Stock des Pfister Suhr eingefunden.

Die Jugendmöbel-Abteilung erfüllte ein fröhliches Gewusel und Geplapper. An Stellenwänden hing eine Auswahl an laminierten Originalen, so vielfältig wie deren Inhalt.

Mal waren sie mit Computer, mal von Hand geschrieben, mal bunt, mal mit einer passenden Zeichnung dazu. Die Geschichten waren berührend, witzig, nachdenklich, komisch und manchmal traurig; von dezent mit gewaltig, aber stets offenherzig ehrlich.

Jubelnd und kreischend sassen die Schulkinder schliesslich auf Kissen und Sitzsäcken als Moderator und Juror Patrick Vogt sie vor der Preisverleihung zu einem Schreiwettkampf mit ihren Eltern anheizte.

Danach wurden jeweils die fünf besten Schreiberlinge der beiden Alterskategorien unter grossen Beifall auf der kleinen Bühne ausgezeichnet.

Schauspielerin Valérie Cuénod las die prämierten Geschichten vor und liess alle Zuhörer in die Fantasiewelten eintauchen. Die Kinderband «S'Foifer&Weggli-Trionettli» sorgte davor und dazwischen mit Liedern für musikalische Abwechslung und Lockerungsübungen.

Zum Schluss fliegen die Fetzen

Enttäuschte oder gelangweilte Gesichter waren kaum zu sehen. Je länger der Anlass dauerte desto zappeliger und unruhiger wurden die jungen Gäste.

Kaum war die letzte Geschichte vorgelesen schauten zwei Buben sich herausfordernd an: «Und jetzt Kissenschlacht!» Als Moderator Patrick Vogt ein letztes Mal die Kinderband vor dem traditionellen Ende ankündigte, übernehmen die Kinder das Ruder. Sie schnappten sich ihre Kissen, schlugen, drückten und warfen.

Einige griffen gar zu den grossen und schweren Sitzsäcken. Lachen und freudiges Quietschen erfüllte das Möbelhaus: Nun strahlten alle Gesichter. Die Band war dagegen chancenlos: Sie spielte, wie in Filmen, nur noch die Hintergrundmusik für die wilde Szenerie.