Zofingen
6000 Leute, ein Überraschungsgast und Tauben beim Vorbeimarsch

Unter den Zuschauern der Militärparade war als Überraschungsgast auch Verteidigungsminister Ueli Maurer. Der Vorbeimarsch war der Abschluss der Volltruppenübung Conex 15 der Territorialregion 2. Er wurde mit einer Schweigeminute eingeleitet.

Kurt Blum
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Der fast 30 Minuten dauernde Auftritt der Patrouille Suisse gehörte zu den Höhepunkten des Defilees in Zofingen
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Der gebürtige Kölliker Peter Minder ist heute Sprecher von Bundesrat Ueli Maurer und moderierte das Defilee.
Militärparade in Zofingen
Auf dem Niklaus-Thut-Platz nutzten viele Kinder die Möglichkeit, auf den Militärfahrzeugen herumzuturnen und sie aus der Nähe zu begutachten.
Kaum bemerkt: Die Juso bemalte in einer nächtlichen Aktion die General-Guisan-Strasse mit Friedenstauben.
Das Militärspiel musizierte in Abwechslung mit der Stadtmusik Zofingen während mehr als zweieinhalb Stunden auf gewohnt hohem Niveau.
Viele ehemalige Angehörige der Schweizer Armee ziehen auch nach der Aktivzeit in ihrer Freizeit gerne Militäruniformen oder Teile davon an.
Ranghohe Militärs aus China, Mexiko, Deutschland, Korea und weiteren Nationen verfolgten die Leistungsshow der Schweizer Armee in Zofingen.
5000 Angehörige der Armee, 500 Fahrzeuge, Hubschrauber und die Patrouille Suisse nahmen am Defilee teil.
Zufrieden mit ihrem Heimauftritt: Die beiden regionalen Kommandanten Stefan Giezendanner (links) und Reto Graber.
Die Führung der Schweizer Armee war anwesend: v.l. Bundesrat Ueli Maurer, Divisionär Andreas A. Bölsterli und Armeechef André Blattmann.

Der fast 30 Minuten dauernde Auftritt der Patrouille Suisse gehörte zu den Höhepunkten des Defilees in Zofingen

Zofinger Tagblatt

Die Überraschung war perfekt: Kurz bevor sich gestern Nachmittag bei idealem Herbstwetter das Defilee der Territorialregion 2 auf der Zofinger General-Guisan-Strasse in Bewegung setzte, traf ein Überraschungsgast ein: Bundesrat Ueli Maurer wollte sich mit seiner Anwesenheit bei allen Angehörigen der Armee, welche an der Volltruppenübung Conex 15 teilgenommen haben, persönlich bedanken.

Der Vorbeimarsch von 5000 Uniformierten und das Vorbeirollen von 500 Fahrzeugen war in keiner Art und Weise eine militärische Machtdemonstration – sondern es war ein umfassendes Zeigen der personellen und der materiellen Mittel, welche der Armee zugunsten der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Vorab in einem Verteidigungsfall, aber auch zur Unterstützung der zivilen Behörden beispielsweise bei einer Katastrophe.

Das Defilee hinterliess bei den 6000 Zuschauerinnen und Zuschauern aus allen Alterskategorien einen nachhaltigen Eindruck, so die modernen technischen Hilfsmittel, welche der Armee zur Verfügung stehen.

Abschluss von Conex 15

Der Vorbeimarsch war der Abschluss der Volltruppenübung Conex 15 der Territorialregion 2. Zu dieser gehören die Kantone Aargau, Baselland, Basel-Stadt, Solothurn, Luzern, Nidwalden und Obwalden. Abgenommen wurde das Defilee von Divisionär Andreas A. Bölsterli. Unter den Ehrengästen war der Chef der Armee, Korpskommandant André Blattmann, auszumachen, dazu zahlreiche Delegierte von kantonalen Behörden, darunter die Aargauer Militärdirektorin Susanne Hochuli.

Sehr ergreifend war ein Moment zu Beginn der Parade. Mit Worten, einer Schweigeminute und dem Lied «Ich hatt’ einen Kameraden», intoniert vom Spiel der Rekrutenschule 16-2/15, wurde des Soldaten gedacht, der bei einem Unfall auf der Frohburg ums Leben gekommenen war. Das folgende Defilee wurde begleitet vom erwähnten RS-Spiel, von der Stadtmusik und dem Tambourenverein Zofingen.

Angeführt wurde der Vorbeimarsch vom Kommandanten der Ter Reg 2 und seinem Fahnendetachement sowie einer Ehrenformation und der Kommandantenstaffel, dann folgten das Infanteriebataillon 20, das Schützenbataillon 14, das Führungsunterstützungsbataillon 22, das Geniebataillon 6, das Katastrophenhilfebataillon 2, das Detachement Hundeführerkompanie 14 und das Militärpolizeibataillon 2.

Faszinierend war der Auftritt der 1964 gegründeten Patrouille Suisse, der Jet-Kunstflugstaffel der Luftwaffe. Sie demonstrierte, dass sie zu Recht als Visitenkarte der Schweizer Armee im In- und im Ausland gilt. Auch gestern in Zofingen zeigte sie die Präzision und die Einsatzbereitschaft der Luftwaffe.

Kaum bemerkte Juso-Aktion: Friedenstauben gegen die Militärparade

In der Nacht auf Freitag haben Friedensaktivisten der Juso Aargau und der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) die General-Guisan-Strasse in Zofingen vor dem Truppenvorbeimarsch mit Friedenstauben übersät. Mit der Aktion wolle man darauf aufmerksam machen, dass die Übung Conex 15 «der Flüchtlingsabwehr dient und die Armee somit mitverantwortlich für Tausende Tote werden würde».

Für die Aktivisten ist klar, dass das erprobte Szenario dem Grenzschutz und der Abweisung von Flüchtlingen dienen soll. Die Armee habe im Gegensatz zur Gesamtgesellschaft «die Welle der Solidarität, welche nach den Tragödien der letzten Monate aufgekommen ist», nicht zur Kenntnis genommen. Mit den weissen, mit Kreidespray aufgesprühten Friedenstauben in Zofingen soll symbolisch dargestellt werden, «dass zivile Friedensförderung mehr bringt als Soldaten an der Grenze».

Mia Kicki Gujer, Präsidentin der Juso Aargau, erklärt zur Aktion: «Ausser Menschlichkeit und Solidarität hat niemand etwas an der Grenze zu suchen, vor allem nicht die Armee – darum wehren wir uns mit allen Mitteln gegen die Militärübung Conex 15 und setzen uns für eine friedlichere Welt ein.» der Medienkonferenz vor dem Start von Conex 15 hiess es, die Übung werde seit einigen Jahren vorbereitet. Demnach wurde das Szenario bereits 2012 verabschiedet. Es handelt von einer bedrohten Schweiz in einem fiktiven Europa der Zukunft; die Bedrohung ist aber nicht militärischer Art, sondern es sind die Folgen einer Wirtschaftskrise. Es geht um Verknappung, Schwarzhandel, Sabotage – und um grössere Flüchtlingsströme.

Divisionär Andreas Bölsterli, der die Übung Conex 15 leitet, stellte an der Medienorientierung in Zofingen damals klar: «Das Szenario ist nicht Inhalt der kommenden Übungstage. Vielmehr üben wir die Unterstützung von zivilen Einrichtungen mit zivilen Partnern in einem zivilen Umfeld.» (fh)