Sportwochenende
5000 Sportler im Einsatz: Warum der Gigathlon in den Aargau kommt

Zum ersten Mal findet ein Gigathlon in nur einem Kanton statt. 5000 Gigathleten legen in fünf Disziplinen am Samstag und Sonntag 406 Kilometer und 7100 Höhenmeter zurück. Den Grossanlass in den Aargau geholt haben zwei umtriebige Sportfans.

Mario Fuchs
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Wie 2012 in Altreu steigen die Gigathleten auch heuer wieder in die Aare. Sie legen total 406 Kilometer und 7100 Höhenmeter zurück. Erstmals konzentriert in nur einem Kanton, einzig die Skater machen einen Abstecher ins Solothurnische.

Wie 2012 in Altreu steigen die Gigathleten auch heuer wieder in die Aare. Sie legen total 406 Kilometer und 7100 Höhenmeter zurück. Erstmals konzentriert in nur einem Kanton, einzig die Skater machen einen Abstecher ins Solothurnische.

Keystone

Nicht nur der Name deutet an, dass etwas Grosses auf den Aargau zukommt – auch der Blick auf die Zahlen: 5000 Teilnehmende legen in fünf Disziplinen 406 Kilometer mit 7100 Höhenmetern zurück.

Sie werden von 1600 Volunteers betreut, in 17 SBB-Extrazügen transportiert, essen 29 Tonnen Lebensmittel und trinken 26 000 Liter.

2013 gab es zuletzt einen Gigathlon in der Schweiz. Zehn Jahre lang hatte Swiss Olympic den grössten Multisport-Anlass im Land organisiert – eine Erfolgsgeschichte. 2013 änderte der Verband seine Strategie: Man wolle sich künftig auf die olympische Arbeit konzentrieren. Der Erfinder des Gigathlon-Konzepts und Inhaber der Marke, der Zürcher Peter Wirz, nahm die Rechte gerne wieder zurück.

Liveticker auf www.aargauerzeitung.ch!

Biken, Schwimmen, Inlineskaten, Velofahren, Laufen – die Aargauer Zeitung berichtet vom Freitagabend bis Sonntagabend mit einem Liveticker über den einmaligen Gigathlon im Aargau! Bleiben Sie dran!

Die gleiche Idee zur gleichen Zeit

Das war der Zeitpunkt, als der Aargau ins Spiel kam – genauer: Bruno Hubschmid aus Schinznach-Dorf, ehemals Radprofi, später 15 Jahre lang Vizedirektor der Tour de Suisse und heute Inhaber einer eigenen Sport-Eventagentur.

Er erinnert sich: «Peter Wirz kam auf mich zu und sagte, der Gigathlon müsse weiterleben, aber die Kiste sei zu gross für ihn allein.» Hubschmid sagte sofort zu. Im Kopf schon damals ein Gedanke: Wäre der Aargau vielleicht ein Gigathlon-Kanton?

Die gleiche Idee zur gleichen Zeit hatte auch ein anderer Aargauer Sportfan: Christian Koch aus Küttigen, beim Kanton Leiter der Sektion Sport und Präsident der regierungsrätlichen Sportkommission.

Koch und Hubschmid trafen sich jeweils im Panathlon-Club, sprachen dabei mehrmals über ihre Gigathlon-Ideen. Und bemerkten: 2015 steht das Gedenkjahr 1415 an.

«Da waren wir uns einig: Das wär doch was!», erzählt Bruno Hubschmid. Mit Wirz gründete er die Invents.ch AG für eine professionelle Organisation. Zusammen mit dem Kanton und mit finanzieller Unterstützung des Swisslos-Sportfonds Aargau wurde ein Konzept erarbeitet. Gesamtbudget: 3 Mio. Franken.

Unterwegs Geschichte entdecken

Schnell war klar: Der Aargau hält mehr als bloss herausfordernde und idyllische Routen für Läufer, Schwimmer, Skater, Rennvelofahrer und Biker bereit. Er bietet auch eine eindrückliche Geschichte, etwa jene des Schicksalsjahrs 1415, als die Eidgenossen einmarschierten.

«Und wir sind immer auf der Suche nach spannenden Geschichten», sagt Projektleiter Corsin Caluori. So führt die Rennstrecke unter dem Motto «discover history» (entdecke Geschichte) zu allen bedeutsamen Schlössern, Burgen, Klöstern, Städten.

Alle elf Bezirke werden durchquert. Zuschauer können ihren Ausflug mit einem Besuch der Gedenkaktivitäten verbinden.

In den fünf Wechselzonen in Aarau, Wildegg, Windisch, Lenzburg und Seengen kann die spezielle Atmosphäre laut Caluori am besten erlebt werden. Lokale OKs haben Rahmenprogramme zusammengestellt (siehe Box unten).

Sogenannter Zentralort ist Aarau. Im Schachen übernachtet der Grossteil der Gigathleten in 1600 Zelten. Viele gönnen sich aber für bessere Regeneration eine (kurze) Nacht im Hotel.

Der Startschuss fällt am Freitag im Schachen: Die 236 Single-Athleten, die im Gegensatz zu den 848 Teams den Gigathlon allein absolvieren, starten kurz nach der Eröffnungsfeier um 18 Uhr zum Prolog.

Die Teams beginnen ihren Wettkampf am Samstagmorgen mit einem Massenstart der Biker.

Gleichenorts endet der Gigathlon am Sonntagabend. Und die 5000 Sportlerinnen und Sportler werden stolz sein, bei etwas Grossem dabei gewesen zu sein.

Wechselzonen: Die Schlossregion ist gerüstet

Drei der fünf Wechselzonen befinden sich in der geschichtsträchtigen Schlossregion Lenzburg, Wildegg und Hallwyl. Das ist beim Gigathlon-Motto «Discover History» nicht weiter verwunderlich. An allen drei Orten ist man parat für die Athleten und hofft auf zahlreiches Fanpublikum.
Lenzburg bietet beste Voraussetzungen für einen lebhaften und fröhlichen Festbetrieb. Die Stadt befindet sich an diesem Wochenende sowieso in bester Festlaune. Am Freitag ist Jugendfest. Und wie es der Brauch so will, trifft sich «ganz Lenzburg am Sonntag nochmals auf der Schützenmatte» und vergnügt sich im Luna-Park und in der Festwirtschaft. Dort, mit Blick aufs Schloss, wird auch die Gigathlon-Wechselzone eingerichtet. Koordinator Thomas Hofstetter vom Bauamt hofft, dass das Publikum aus dem aktuellen Anlass noch zahlreicher auf die Schützenmatte strömen wird und dort die Läufer, welche die finale Strecke zurück nach Aarau unter die Füsse nehmen, lautstark unterstützt. Festbetrieb und Luna-Park sind von 11 bis 20 Uhr geöffnet.
Die Wechselzone Schloss Hallwyl ist auf dem Parkplatz auf der gegenüberliegenden Strassenseite eingerichtet. Wer die Athleten hier in Empfang nehmen will, muss am Sonntag frühzeitig aus den Federn. Ab 5.30 Uhr und bis kurz nach Mittag wird vom Rad ins kühle Nass des Hallwilersees gewechselt und wieder zurück aufs Rad. An der Kaffeebar gibt es in dieser Zeit Kaffee und Gipfeli. Mehr ist nicht geplant. «Das ist ein grosses Erlebnis für uns und Spektakel genug», findet die zuständige Gemeinderätin Regula Hechler.
In Wildegg ist man schon am Samstag bereit für den Empfang von Sportlern und Fans. Und weil die Athleten von Aarau her auf der Aare schwimmend nach Wildegg kommen und die Inliner von den Läufern auf dem Schloss abgelöst werden, wurden bei der Jura Cement Fabrik (JCF) und auf dem Schloss Wildegg je eine Wechselzone eingerichtet. «In der JCF-Zone serviert der Trägerverein Volière Schloss ab 8.40 Uhr Kaffee, Gipfeli und Suppe. Auf der «Wildegg» gibt es beim Jodlerclub Schlossbrünneli ab 9.40 Uhr Grilladen», weiss Gemeindeammann Hans-Jürg Reinhart. (str)

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