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50 Mal mehr Hühner als Menschen in Beinwil: So viele Nutztiere leben in Ihrer Gemeinde

Im Aargau leben 1,25 Millionen Nutztiere. Davon sind rund 80 Prozent Hühner.

Im Aargau leben 1,25 Millionen Nutztiere. Davon sind rund 80 Prozent Hühner.

Nirgends im Aargau gackern mehr Hühner als im oberen Freiamt. In manchen Gemeinden übersteigt die Zahl der Nutztiere die Einwohnerzahl bei weitem.

Rinder, Schweine, Hühner: In der Schweiz leben fast 15,5 Millionen Nutztiere. Die Tier-Hochburg im Aargau ist das obere Freiamt. Die fünf Aargauer Gemeinden mit den meisten Nutztieren liegen alle in dieser Region. Spitzenreiter ist Sins: Über 84'000 Tiere verzeichnete das Bundesamt für Statistik letztes Jahr in der Gemeinde, darunter fast 70'000 Hühner. Im schweizweiten Vergleich – den die Luzerner Gemeinde Beromünster anführt – liegt Sins an zehnter Stelle.

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Daten: Bundesamt für Statistik/Kanton AG, Visualisierung: Mark Walther

In 92 Gemeinden übersteigt die Zahl der Tiere jene der Bevölkerung, in 118 ist es umgekehrt. Am grössten ist die Differenz in Beinwil (Freiamt): Dort teilen sich 1175 Einwohnerinnen und Einwohner die Gemeinde mit 63'000 Schweinen, Rindern und Hühnern. Auf jede Person kommen 54 Tiere. Alleine der Hühnerbestand ist fast 50 Mal grösser als die Bevölkerung.

"Man nimmt die grossen Tierbestände im Dorf nicht wirklich wahr", sagt Gemeindeammann Albert Betschart. Die 49 Betriebe sind alle etwas ausserhalb angesiedelt. Die Beliebtheit der Tierhaltung in der Region führt er auf die hügelige Umgebung zurück, die nicht für den Ackerbau prädestiniert ist. Klagen aus der Bevölkerung über Geruchsbelästigungen gebe es nicht. "Wir sind uns bewusst, dass wir hier in einer ländlichen Gegend mit Landwirtschaft wohnen", sagt Betschart. Ausserdem nähmen die Bauern Rücksicht, etwa indem sie samstags praktisch nie güllten.

Am anderen Ende der Rangliste befindet sich Kaiserstuhl. Der Ort mit 428 Einwohnern ist der einzige ohne Nutztiere im Aargau. In der Gemeinde mit ihrem historischen Stadtrecht gibt es keine Landwirtschafts-Betriebe. Nur vereinzelt trifft man Tiere. "Auf einer Wiese hat es ein paar Ziegen, manchmal auch Hühner und Gänse", sagt Stadtammann Ruedi Weiss.

Die Zahl der tierischen Einwohner in den Gemeinden ist eigentlich grösser, als die Statistik es vermuten lässt. Denn in den Ställen wechseln die Belegschaften während eines Jahres mehrmals. Ein Schwein lebt fünf Monate, ein Rind drei bis fünf Monate, ein Masthuhn fünf bis sechs Wochen. Beim Geflügel lässt sich ein Stall also acht bis neun Mal pro Jahr mit neuen Küken füllen.

170'000 Fische sind verschwunden

In der Nutztiererhebung des Bundes finden sich auch einige Statistik-Perlen. Dazu gehört zum Beispiel die Gemeinde Römerswil. Im schweizweiten Vergleich lag der Ort im Luzerner Seetal jahrelang auf den vordersten Plätzen. Das verdankte er über 170'000 Tieren in der Kategorie "übrige". 2019 schrumpfte dieser schweizweit einzigartig hohe Wert auf nur noch gut 1500 Tiere. Was war passiert?

Die Zahl geht auf eine Fischzucht im Dorf zurück. Die Spielhofer Fisch AG hält dort eine enorme Masse an Fischen, produziert unter anderem für die Migros. Auf Nachfrage der AZ heisst es beim Betrieb, die Zahl sei falsch. Man produziere eher mehr als weniger. Die Lösung liefert schliesslich das Bundesamt für Statistik: "Wir haben während unseres Qualitätskontrollprozesses beschlossen, Fisch aus dieser Kategorie herauszunehmen, weil Fisch nicht zur Landwirtschaft gehört."

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