Kriminalität
50 bis 70 Einbrüche pro Woche allein im Kanton Aargau

Im Kanton Aargau häufen sich in letzter Zeit Einbruch- und Einschleichdiebstähle. Die Dreistheit der Einbrecher könnte damit zu tun haben, dass die Bevölkerung im Sommer nachlässiger wird und das Wetter gut ist.

Adrian Hunziker
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Jede Aargauerin und jeder Aargauer kann sich glücklich schätzen, wenn sie oder er kürzlich nicht Opfer eines Einbruchs geworden ist. Fast täglich schrecken Nachrichten über Einbruch- und Einschleichdiebstähle die Bevölkerung auf. Und die Einbrecher werden immer dreister: Sie dringen auch in Häuser ein, wenn jemand zu Hause ist. So wie am Samstagabend, als ein ägyptischer Asylbewerber in Schafisheim in eine Wohnung spazierte, in der eine Frau und ihre 12-jährige Tochter schliefen.

Die Dreistheit der Einbrecher könnte damit zu tun haben, dass die Bevölkerung im Sommer nachlässiger wird und das Wetter gut ist. «Aktuell können beispielsweise Kriminaltouristen aufgrund der hohen Temperaturen viel länger draussen ausharren als im Winter. Wenn die Hausbewohner noch Fenster und Türen geöffnet lassen, ist das eine Einladung für Einbrecher», sagt Roland Pfister, Infochef der Aargauer Kantonspolizei. Hinzu kommt, dass im Sommer viele Leute in den Ferien weilen und ihr Haus unbeobachtet ist. Das vereinfacht die Arbeit der Langfinger.

Schwankungen einberechnen

Diese Fakten erklären unter anderem die steigende Deliktanzahl in letzter Zeit. Laut Pfister hat die Kapo in den letzten zwei Monaten durchschnittlich zwischen 50 und 70 Einbruch- und Einschleichdiebstähle pro Woche im ganzen Kantonsgebiet zu verzeichnen: «Natürlich muss man dabei Schwankungen einberechnen. Es hat im ersten Halbjahr 2012 auch Wochen mit weniger Einbrüchen gegeben.» Das hänge von verschiedenen Komponenten ab, so Pfister.

Interpellation und Postulat von FDP-Grossrat Franz Nebel

Die az berichtete Ende Mai: «Es kam im Aargau in den ersten vier Monaten 2012 zu 580 Fahrzeugaufbrüchen - ein grosser Teil geht auf das Konto nordafrikanischer Asylbewerber.» FDP-Grossrat Franz Nebel reichte folglich eine Interpellation ein und forderte Massnahmen von der Regierung. Kurze Zeit später folgte ein Postulat der FDP-Fraktion, das schärfer formuliert wurde. Die FDP fordert darin unter anderem eine Task-Force, deren Ziel es sein muss, «eine Verstärkung der polizeilichen Präsenz an den für die Bevölkerung gefährlichen Orten zu organisieren.» (ahu)

«Wenn zum Beispiel Fensterbohrer regelmässig am Werk sind, erhöht sich die Anzahl der Delikte. Wenn aber Einzeltäter unterwegs sind, so wie am vergangenen Samstag in Schafisheim, dann gehen die Zahlen wieder zurück.» Pfister kann noch keine genauen Zahlen nennen, doch seine Prognose für 2012 ist nicht extrem: «Derzeit liegen die Zahlen ein wenig über dem Schnitt, aber nicht massiv.» Denn 2011 verzeichnete die Polizei noch 2405 Einbruch- und Einschleichdiebstähle, 2010 waren es 2356.

Die Regierung sucht Lösungen

Da es in den letzten Monaten ausserdem zu einer massiven Zunahme von Autoeinbrüchen kam – welche häufig von Asylsuchenden begangen wurden –, forderte FDP-Grossrat Franz Nebel von der Regierung eine Reaktion (siehe Box). «Ich habe bisher noch nichts gehört, ob sich die Regierung bereits für etwaige Vorkehrungen entschieden hat. Doch wenn bis zum nächsten Dienstag nichts passiert, machen wir nochmals Druck», sagt Nebel. Denn dieses Problem anzupacken, sei dringlich.