Die naheliegenden Lösungen sind die besten – was banal klingt, ist bei der Suche nach Standorten für Aushubdeponien im Aargau entscheidend. Denn die Menge an Material, die bei Baustellen entsteht und deponiert werden muss, ist beträchtlich. «Im Jahr 2015 wurden im Aargau knapp drei Millionen Kubikmeter Aushub abgelagert», sagt Peter Kuhn, Leiter der Sektion Abfälle und Altlasten beim Kanton. Um diese Zahl greifbar zu machen, hilft ein bildlicher Vergleich: ein Lastwagen wie auf dem Bild oben kann zwölf Kubikmeter Aushub transportieren. Um das ausgehobene Material von den Baustellen zu den Deponien zu bringen, waren letztes Jahr also 250'000 Lastwagenfahrten notwendig. So wird rasch klar, dass regionale Lösungen nötig sind, wie Kuhn sagt. «Ziel ist es, möglichst wenige Kilometer mit dem Aushubmaterial zurückzulegen.»

Doch weshalb müssen überhaupt Deponien für sauberen Aushub angelegt werden? Schliesslich gibt es ja Kiesgruben und Steinbrüche, die nach der Nutzung wieder aufgefüllt werden müssen. Kuhn erklärt: «Grundsätzlich fehlt auch langfristig etwas Kapazität bei der Wiederauffüllung von Abbaustellen, weil zunehmend bei Bauvorhaben auch Recyclingkies und nicht nur Primärkies verwendet wird.» Es wird also weniger Kies abgebaut, die Gruben sind kleiner und bieten weniger Platz, um dort Aushub abzulagern.

Deponien ergänzen Kiesgruben

Derzeit sind laut Kuhn noch rund 16 Millionen Kubikmeter Kiesabbau bewilligt. Dies würde für den Aushub reichen, der innerhalb von gut fünf Jahren anfällt. «Es kommen aber immer wieder neue Bewilligungen dazu», hält der Sektionsleiter fest. Allerdings dauert es eine gewisse Zeit, bis der Kies wirklich abgebaut wird. Daher werde es unumgänglich sein, «einen Teil des Aushubs in eigens realisierten Deponien zu entsorgen», erläutert Kuhn.

Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt aus dem Jahr 2011. «Das kurzfristig verfügbare Volumen ist sehr klein, es besteht kaum Pufferkapazität, die aktuelle Lage bezüglich Entsorgung von Aushub- und Ausbruchmaterial dürfte relativ angespannt sein», heisst es darin zur Situation im Aargau. Dieser Befund stimmt laut Peter Kuhn generell immer noch. Allerdings sei die Situation regional sehr unterschiedlich. «In einzelnen Regionen des Kantons sind kurz- und mittelfristig ausreichend Kapazitäten vorhanden, in anderen fehlen diese, was dann zwangsläufig zu längeren Transportdistanzen führt.» Doch auch bei kurzen Transportwegen gibt es Opposition gegen solche Pläne. So lehnte die Bevölkerung an der Urne eine Deponie im Wäberhölzli in Rheinfelden ab und auch gegen einen möglichen Standort in Bözen regt sich Widerstand. Die IG Attraktiver Standort Bözberg-West kritisierte, wenn die Deponie im Gebiet Förlig realisiert werden sollte, würde dies 15 bis 20 Jahre lang «Immissionen und Verkehr in den Raum Bözen bringen und die Landschaftsqualität belasten».

Aargau importiert Aushubmaterial

«Oft ist die Begeisterung für eine Deponie bei den Direktbeteiligten nicht gross», weiss Kuhn, «aber die Aufgabe bleibt: Es müssen regionale Lösungen gefunden werden.» Dabei müsse der Blick auch über die Kantonsgrenze hinausgehen, sagt der Entsorgungsexperte. Derzeit ist es aber so, dass sich die Aushubmenge im Aargau durch Importe aus Nachbarkantonen noch erhöht. Rund 800'000 Kubikmeter stammten im letzten Jahr von auswärtigen Baustellen, nur rund 350'000 Kubikmeter Aushub aus dem Aargau wurden ausserkantonal entsorgt. «Im Jahr 2015 ergab sich also ein Importüberschuss von 450'000 Kubikmetern», rechnet Kuhn vor. Liesse sich dieser Import nicht verbieten, damit im Aargau keine weiteren, bei der Bevölkerung unbeliebten, Aushubdeponien erstellt werden müssten? «Der Entscheid, welches Material in der Deponie abgelagert wird, liegt beim Betreiber», hält Kuhn fest. Bei der Wiederauffüllung von Materialabbaustellen – also Kiesgruben und Steinbrüchen – mache der Kanton zumindest bisher keine Vorgaben zur Herkunft. «Bei den Aushubdeponien wie zum Beispiel in Beinwil im Freiamt haben wir hingegen Mengeneinschränkungen
bezüglich ausserkantonaler Anlieferungen gemacht», sagt der Sektionsleiter.

Information als Erfolgsfaktor

Dass es bei den zwei Deponien Feld (schon aufgefüllt) und Weid-Banacker (in Betrieb) in Beinwil kaum Widerstand gab, erklärt Kuhn so: «Offensichtlich gelang es den regional tätigen Unternehmen mit der Unterstützung des zuständigen Regionalplanungsverbandes, die nötige Akzeptanz zu schaffen.» Grundsätzlich sei jedoch in jeder Region aus persönlicher Betroffenheit von Anwohnern immer Widerstand möglich. «Eine frühzeitige und transparente Öffentlichkeitsarbeit ist sicher ein Erfolgsfaktor für die Realisierung», betont Kuhn. Dies gilt auch für die umstrittenen Pläne in Bözen. «Im Zusammenhang mit diesem Projekt und weiteren Standorten im Fricktal soll in den nächsten Monaten eine öffentliche Anhörung für einen möglichen Richtplaneintrag durchgeführt werden», blickt Kuhn voraus.