Aarau
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule

Rund 4000 Personen haben in Aarau am Dienstag gegen die von der Aargauer Regierung vorgeschlagenen Einsparungen bei der Volksschule demonstriert. Das Sparen auf dem Buckel der Kinder sei unverantwortlich, so die Lehrer.

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Lehrer-Demo am Dienstag vor dem Grossratsgebäude in Aarau.
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«Stopp der SPARschweinerei» – wütendes Ballon-Riesen-Sparschwein an der Demo in Aarau. vpod ist derSchweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste.
Ungefähr 4000 Lehrer demonstrierten: So auch Redner Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauischen Lehrerverbands.
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauischen Lehrerverbands.
Erwartet werden rund 4000 Demonstranten, es wird eng für die Lehrer.
Erwartet werden rund 4000 Demonstranten, also mehr als an der letzten Lehrerdemo vor zehn Jahren.
Erwartet werden rund 4000 Demonstranten, also mehr als an der letzten Lehrerdemo vor zehn Jahren.
Bildung, Bildung und nochmals Bildung.
Erwartet werden rund 4000 Demonstranten, also mehr als an der letzten Lehrerdemo vor zehn Jahren.
«Bildung statt Beton»
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
In Aarau versammelt - wird es die grösste Lehrerdemo im Aargau?
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
Ungefähr 4000 Lehrer demonstrierten: So auch Redner Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauischen Lehrerverbands.
4000 Lehrer demonstrieren gegen die Einsparungen bei der Volksschule
Die Lehrer liessen sich was einfallen.jpg

Lehrer-Demo am Dienstag vor dem Grossratsgebäude in Aarau.

Anne-Käthi Kremer

«Das Sparen auf dem Buckel der Kinder ist unverantwortlich!» So die Meinung der rund 4000 Lehrpersonen, die am Dienstag in Aarau gegen die von der Aargauer Regierung vorgeschlagenen Einsparungen bei der Volksschule demonstrierten. Das Sparen auf dem Buckel der Kinder sei unverantwortlich, hiess es.

Zur Kundgebung hatten der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband (alv) sowie Schulleitungen, Schulpflegen, Elternorganisationen und Parteien aufgerufen. Die Demonstration stand unter dem Motto: "Kein Abbau bei der Bildung".

Die seit Wochen geplante Kundgebung fand um das Gebäude des Grossen Rates statt. Das Parlament hielt entgegen dem Sitzungsplan jedoch keine Sitzung ab, weil es nicht genug verhandlungsreife Geschäfte gab. Dies sei den Organisatoren der Demonstration rechtzeitig mitgeteilt worden, hiess es beim Parlamentsdienst auf Anfrage.

Nach Schätzung von alv-Präsident Niklaus Stöckli waren an die 4000 Personen zur Kundgebung nach Aarau gereist. Viele kamen mit kleineren und grösseren Transparenten. Auf einem stand wörtlich "Nichd An Ter bildung schbahren". Auf einem anderen fällte Ferdinand Hodlers Holzfäller ein Schul-Verkehrsschild um.

Die Demonstration richtete sich gegen das Sparpaket, das einen einschneidenden Abbau beim Bildungsangebot vorsieht. Die Unterstützungsangebote für die Schwächeren und die Begabtenförderung müssten trotz Spardrucks erhalten bleiben, lautete eine Forderung.

"Sparen zu Lasten der Bildung ist teuer"

Sparen zu Lasten der Bildung komme teuer zu stehen, denn Bildung spare Geld, sagte alv-Präsident Stöckli in seiner Ansprache. Gebildete Leute seien gesünder und weniger kriminell. Schüler, Eltern und Wirtschaft würden die Sparmassnahmen bei der Bildung zu spüren bekommen, warnte Franco Corsiglia, der Vorsitzende der Aargauer Schulpflegepräsidenten.

Das Sparpaket der Regierung sieht unter anderem vor, die Mindestgrösse für eine Klasse der Primarschule von 12 auf 15 Schüler zu erhöhen. Die Berufs- und Werkjahre sollen gestrichen werden.

Die Regierung will zudem die Angebote "Deutsch als Zweitsprache" und Logopädie reduzieren. Die Zahl der Wahlfächer und Wochenstunden sollen verringert werden, etwa bei Angebot Italienisch.

Einschulungsklassen werden beibehalten

Der Regierungsrat liess einen umstrittenen Sparvorschlag jedoch fallen. Die zwei Jahre dauernden Einschulungsklassen an den Primarschulen bleiben erhalten. Die Kosten von 5,3 Millionen Franken sollen anderswo eingespart werden.

Das Parlament wird Anfang Juli über 35 Sparvorschläge entscheiden. Über 150 Massnahmen kann der Regierungsrat in eigener Kompetenz entscheiden. Zwischen 2015 und 2017 sollen pro Jahr bis zu 122 Millionen Franken eingespart werden.

Nur dosierte Aufmüpfigkeit – Kommentar von Hans Fahrländer

«Durch Demonstrationen erzwingen wir Aufmerksamkeit für unsere Argumente, die wir für die besseren halten.» Der Satz stammt von Jürgen Habermas. Doch die Organisatoren der Lehrer-, Schulleiter-, Schulpfleger- und Eltern-Versammlung haben das aufmüpfige Wort «Demonstration» möglichst vermieden. Lieber sprachen sie von einem «Fest der Bildung», man wolle «mit Begeisterung» für ein intaktes Bildungsangebot einstehen. Und man wolle niemanden ärgern, weder die Eltern, wenn Schulstunden ausfallen, noch die Autofahrer im Feierabendverkehr. Kein Umzug, nur eine Zusammenkunft, keine Aufläufe auf der Bahnhofstrasse, bitte hinten herum anmarschieren.

Das alles wirkt sympathisch. Doch es ruft auch nach der Frage: Wirkt so eine Veranstaltung? Bei wem wirkt sie? Was bewirkt sie? Wer hörte den «Demonstranten» zu? Nur Gesinnungsgenossen? Ursprünglich setzte man den Anlass auf den Schluss einer Grossrats-Sitzung. Man konnte ja im Januar nicht wissen, dass das Parlament den ganzen Frühling hindurch fast nie tagt. Damit fehlte quasi der Ansprechpartner, der über einen Teil der Sparmassnahmen abstimmen muss. Das war einfach Pech.

Habermas ist bekanntlich kein Aargauer. Die Kundgebung war wohl ein an den Kanton angepasster Anlass. Die Lehrer wissen, dass der Aargau seine aufmüpfigen Tage hinter sich hat. Wer hier etwas erreichen will, bleibt lieber beim diskreten Trommelwirbel, ein allzu aufdringlicher könnte kontraproduktiv sein. Doch mit der gewählten sympathischen Form stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit eindringlich. Der Anlass in Aarau kommt über eine symbolische Geste wohl nicht hinaus.

hans.fahrländer@azmedien.ch