Lehrstellen
40 Prozent offene Lehrstellen: Keiner will Sanitärinstallateur werden

Wer nach den Sommerferien Sanitärinstallateur oder Heizungsmonteur werden will, hat gute Chancen, noch eine Lehrstelle zu finden. 42 Prozent aller Lehrstellen für die Branche der Gebäudetechniker sind noch immer offen, so viele wie noch nie.

Fabian Muster
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Sanitärbranche hat Nachwuchssorgen

Sanitärbranche hat Nachwuchssorgen

Keystone

Diese Zahlen gehen aus dem kantonalen Lehrstellennachweis Lena hervor. Noch nie hat eine Branche einen so hohen Wert erreicht in den letzten vier Jahren.

Damit wird der Lehrlingsmangel auch im Aargau akuter. Dieses Jahr ist die Zahl der offenen Lehrstellen über alle Branchen auf ein neues Hoch gestiegen. Waren 2008 am Stichtag Mitte Juni noch 11 Prozent aller Lehrstellen zu vergeben, so sind es dieses Jahr bereits 22 Prozent. Das ist eine Verdoppelung innerhalb von fünf Jahren.

Imagekampagne ist geplant

«Das beschäftigt uns sehr», sagt Renate Kaufmann, Verbandssekretärin des Aargauischen Haustechnikverbandes, zum Lehrlingsmangel in der eigenen Branche. Man sei bemüht, die Lehrestellen bekannter zu machen. Mit verschiedenen Massnahmen versucht der Verband seit zwei Jahren, sich besser zu positionieren: Die Berufe werden in den Schulklassen vorgestellt oder in Radio, TV und Internet beworben.

Im Herbst plant der Schweizerische Verband Suissetec zudem eine Imagekampagne mit einem gemeinsamen visuellen Auftritt der Gebäudetechnik-Branche. «Unsere Berufe werden künftig noch viel stärker gefragt sein. Wir setzen die Energiewende an vorderster Front um», zählt Suissetec-Pressesprecher Benjamin Mühlemann einen Vorteil auf.

Auch der Bau hat Mühe

In der Baubranche ist die Quote der offenen Lehrstellen am zweithöchsten. Knapp 37 Prozent sind noch nicht besetzt. Auch hier will der Aargauer Baumeisterverband Massnahmen übernehmen, die auf nationaler Ebene ergriffen werden. Mit Werbung soll auf die guten Weiterbildungsmöglichkeiten oder den im Vergleich zu anderen Berufen hohen Einstiegslohn nach der Lehre verwiesen werden.

Doch die Verbände führen die geringere Nachfrage ihrer Lehrstellen nebst dem Run aufs Gymnasium auch auf ein rigoroseres Qualitätsmanagement zurück, das sie in den letzten Jahren eingeführt haben. Bei den Gebäudetechnikern gibt es seit einigen Jahren einen freiwilligen Eignungstest. Laut Verbandssekretärin Kaufmann haben bis zu 50 Prozent der Teilnehmer nur ungenügende Ergebnisse.
Vor allem Lesen und Rechnen bereiten ihnen grosse Probleme. «Wir überlassen es dann den Firmen, ob sie die betreffenden Bewerber einstellen oder nicht», sagt Kaufmann. Pressesprecher Mühlemann

bestätigt, dass die Hürde für die Lehrlinge gestiegen sei. Es komme schon mal vor, dass eine Lehrstelle unbesetzt bleibt, weil die Bewerber schulisch zu den Schwächeren gehörten.
Das erhöhte Qualitätsbewusstsein wirkt sich auch beim Bau aus. Laut Geschäftsführer Gerhard Moser vom Aargauer Baumeisterverband gab es selten so eine tiefe Durchfallquote bei den Lehrabschlussprüfungen wie dieses Jahr: 5,5 Prozent. Es sei auch schon mal das Dreifache gewesen.

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