Liebe auf Umwegen
40 Jahre bis sie zusammen waren: «Er war der mit dem Schoggistängeli»

Zum Fest der Liebe passt nur eine Liebesgeschichte: Die Primarschulgspändli Claudia von Tobel und Roger Kaeser brauchten zwei Anläufe, um sich zu verlieben – und 40 Jahre um einander das Jawort zu geben.

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Eine Liebesgeschichte zu Weihnachten: Claudia von Tobel und Roger Kaeser fanden sich nach 40 Jahren wieder.

Eine Liebesgeschichte zu Weihnachten: Claudia von Tobel und Roger Kaeser fanden sich nach 40 Jahren wieder.

Chris Iseli

Manchmal braucht eine Liebesgeschichte etwas länger. Besonders, wenn sie bis in die Primarschulzeit zurückreicht. «Mädchen plärren nur», war Roger damals überzeugt. Und Claudia, seine Klassenkameradin in der Primarschule Riehen, fand: «Jungs sind doof.» Sie hatte genügend Freundinnen, das bezeugt ihr Poesiealbum. Nur ein einziger Junge durfte sich darin verewigen, und das auch nur, weil er am gleichen Tag Geburtstag hat wie sie, am 21. März. Hätte ihnen damals jemand gesagt, dass sie 40 Jahre später genau an diesem Datum heiraten würden, «wir hätten gefragt, ob sie eigentlich spinnen», lacht das Paar herzlich.

Denkt Claudia heute zurück, weiss sie neben dem Geburtstag nur noch: «Er war der mit dem Schoggistängeli.» Roger hatte ihr Poesiealbum nämlich zu spät zurückgegeben, darum legte er ein Schoggistängeli dazu. Was sie nicht wusste: «Meine Eltern waren geschieden, mein Bruder und ich lebten ein Jahr im Heim, bevor uns unser Vater zu sich holte. Da bekamen wir selten Schoggi. Für mich war das Schoggistängeli ein grosses Geschenk für Claudia, ich hatte nur ein paar zum Geburtstag bekommen», erinnert sich Roger. Claudia, die in einer gut situierten Mittelstandsfamilie aufwuchs, mochte Schokolade nicht einmal besonders.

Von den Finanzen zum Sozialen

Nach der Primar gingen beide ihrer Wege. Claudia heiratete einen Polizisten und bekam drei Kinder. Ihre Lehre als Bankkauffrau schloss sie zwar ab, studierte später aber soziale Arbeit und ist noch heute beim Sozialdienst Füllinsdorf und nebenamtliche Fachrichterin am Gericht Rheinfelden. Nach ihrer Scheidung hatte sie eine zwölfjährige Beziehung und war anschliessend glücklich als alleinstehende Mutter von erwachsenen Kindern. «Ich suchte gar nichts Neues», erinnert sie sich.

Roger hatte es bis in die Direktion einer grossen Schweizer Versicherung geschafft. Doch genau wie seine heutige Frau machte er einen Wandel Richtung Soziales durch. «Ich hielt es nicht mehr aus, wie wir mit dem Personal umgehen mussten, also habe ich gekündigt.» Heute arbeitet er bei einer AHV-Ausgleichskasse. 22 Jahre lang lebte er mit seiner Partnerin zusammen, die um vieles älter war als er. «Sie wurde langsam dement, und ich habe sie umsorgt, das war für mich selbstverständlich.» Doch seine Partnerin fand, er solle sich eine neue Frau suchen, denn sie hatte erkannt, dass ihre Beziehung keine Zukunft haben würde. Er suchte nicht aktiv. Doch dann kam Claudia.

Er erinnerte sich nicht an sie

«Eine Freundin hatte mich 2011 gefragt, ob ich ihr bei der Adresssuche für ein Klassentreffen helfen könnte», erzählt Claudia. Eigentlich erinnerte sie sich nur noch vage an einen Jungen mit demselben Geburtstag wie sie. «So fand ich ihn dann über ein Forum, das genau für solche Klassenkameradensuchen angelegt worden war. «Ich schrieb ihm, und er fragte, ob wir uns mal treffen wollten. Doch ich sagte, das gehe erst im Juli, ich hätte viel zu tun. Damals war es Januar», lacht Claudia.

Und Roger fügt hinzu: «Ehrlich gesagt habe ich sie damals verwechselt, in der Primar gab es drei, die immer die besten Noten hatten. Das waren Claudia, ich und ein anderes Mädchen. Und ich dachte erst, das sei sie.» Doch selbst als er wusste, wer ihn erwartete, stellte er sie sich ganz anders vor: «Ich dachte, eine Sozialarbeiterin komme mit dem Fahrrad, sei Vegetarierin und alternativ angezogen. Aber das stimmte überhaupt nicht. Sie liebt das Autofahren und isst gern Fleisch. Das hat mir gefallen.» Und auch ihr gefiel der Mann, der aus sozialen Gründen einen neuen Job angenommen hatte, bei dem er viel weniger verdiente als zuvor.

«Doch ich wollte keinen Mann, der eine Freundin hat. Ich wollte nicht verletzt werden. Obwohl ich ihn sehr gern mochte. Das schrieb ich ihm in einem Mail.» Er schrieb zurück, dass es ihm genauso gehe. Claudia wollte seine Antwort gerade per Telefon ihrer Tochter vorlesen, als ein Auto auf den Parkplatz vor ihrer Wohnung fuhr. «Er kam her und ist nie wieder gegangen», berichtet Claudia glücklich. Es war der 4. August 2012. Alles passte perfekt. «Wir haben so vieles gemeinsam», sagt Claudia. Schon zwei Monate später war das Paar verlobt, und am 21. März 2013 gaben sich die beiden ehemaligen Primarschulgspändli das Ja-Wort.

«Unglaublich kitschig»

«Ich weiss, es ist unglaublich kitschig, und ich bin eigentlich alles andere als kitschig. Aber genau so wars», fasst Claudia in ihrer überschwänglichen Art zusammen. Heute wohnt das Paar in Kaiseraugst und kümmert sich gern um Claudias Enkeltochter. Ihre Geschichte hat sie vor Monaten in einen SRF-Blog geschrieben, wo romantische Liebesgeschichten gesucht wurden. «Ich war überrumpelt, als mich Moderatorin Monika Schärer kontaktierte und fragte, ob sie unsere Geschichte in eine Dok-Reihe aufnehmen dürfe.» Claudia freute sich. Zuerst musste sie das aber ihrem Mann erklären, dessen Freunde ihm davon abrieten. «Doch weil das Vorgespräch mit der Moderatorin so gut lief und wir Vertrauen hatten, dass der Film gut würde, habe ich mitgemacht. Und ich bereue es überhaupt nicht, es ist sehr schön geworden», sagt Roger.

Die zweiteilige Dok «Liebe auf Umwegen» läuft am 28. und 29. Dezember 2015, 21 Uhr, auf SRF 1. Claudias und Rogers Geschichte kommt im zweiten Teil.

Wenn niemand zum Feiern da ist

Für Menschen, die niemanden haben, mit dem sie das Fest der Liebe feiern können, haben die katholischen und reformierten Landeskirchen eine spezielle Einladung parat.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, des Zusammenseins und der Familie. Das macht aber nicht alle froh, denn einige haben weder Familie noch andere liebe Menschen, mit denen sie die eigentlich doch schöne Zeit feiern können. «Bei weitem nicht alle Leute freuen sich auf das Fest, weil Beziehungen zerbrochen sind, sie jemanden verloren haben oder sie ganz einfach allein sind», heisst es in einem Bericht der reformierten Landeskirche. Deshalb laden sowohl reformierte als auch katholische Kirchgemeinden im Aargau seit vielen Jahren am oder um den Heiligabend zu offenen Weihnachtsfeiern ein. Die meisten Feiern werden sogar gemeinsam von reformierten und katholischen Gemeinden organisiert und richten sich an alle, die kommen möchten.

Viele Feiern für alle

Die Liste ist unvollständig, doch hier einige der Feiern, zu denen die Kirchgemeinden alle, die möchten, dazu einladen, gemeinsam mit ihnen Weihnachten zu feiern:

• In Frick gibt es am 24.12. um 18.30 Uhr eine offene ökumenische Weihnachtsfeier für Einzelne, Paare und Familien, die Heiligabend nicht allein sein möchten. Dazu gehören ein Festessen, musikalische Beiträge, Lesungen auch der Weihnachtsgeschichte und ein kleines Geschenk.

• In Kölliken findet um 18 Uhr im Kirchgemeindehaus Arche eine Feier mit Essen, Spielen für Kinder und einem Weihnachtsquiz statt.

n Im reformierten Kirchgemeindehaus Baden gibt es traditionell am 24.12. um 18.30 Uhr eine Weihnachtsfeier für Einsame, Randständige und alle, die kommen möchten. Zudem laden Kirchgemeinde und andere Organisationen am 26.12. um 17 Uhr die Asylsuchenden in der Asylunterkunft im Gops des Kantonsspitals Baden zu einer Weihnachtsfeier ein, die auch für die Bevölkerung offen ist.

n In Menziken findet am 24.12. um 19 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus eine Weihnachtsfeier statt, zu der die Gäste auf Wunsch sogar zu Hause abgeholt werden.

• In Zurzach laden die beiden Kirchgemeinden mit der Wirtefamilie am 24.12. zu einer offenen Weihnachtsfeier in das Restaurant Krone ein.

• In Niederrohrdorf gibt es am 24.12. um 18 Uhr im katholischen Gemeindezentrum eine ökumenische Weihnachtsfeier.

Pfarrerin lädt zu sich ein

Die reformierte Pfarrerin Corinne Dobler macht sich unter dem Titel «Weihnachtsleid» im Internetblog der reformierten Landeskirche (blog.ref-ag.ch) Gedanken, wie denn «Getrennte und Zurückgelassene» das Familienfest feiern könnten, und lädt via Doodle gleich zu sich nach Hause nach Bremgarten zu einer Feier am Heiligabend ein. Und wer möchte, kann die Pfarrerin anschliessend zum Gottesdienst begleiten, den sie in der Heiligen Nacht feiert – wie es in Hunderten anderen Kirchen auch in dieser Nacht geschieht, die so anders ist als alle anderen Nächte. (az)

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