Abstimmung

350 Tiere: So hat sich der Biber im Aargau ausgebreitet – Jagdgesetz-Gegner wittern Gefahr für die Nager

Heute leben rund 350 Biber im Aargau.

Heute leben rund 350 Biber im Aargau.

Das neue Jagdgesetz gefährde den Biber, monieren Gegner. Die Befürworter sagen, niemand wolle den Biber abschiessen, ohne dass er Probleme gemacht hat. Im Aargau hat der Biber deutlich mehr Reviere inne als noch beim vorletzten Monitoring.

Der Aargau ist ein Biber-Kanton. Rund 350 Biber dürften aktuell in Aargauern Gewässern leben. Am 27. September wird in der Schweiz über das Jagdgesetz abgestimmt. Die Angst seitens Organisationen wie Pro Natura Aargau ist gross. Ihre Befürchtung: Der Bundesrat hat bei einem Ja freie Hand, Tiere, die Konflikte verursachen können, auf die Liste der «regulierbaren Arten» zu setzen. Neben dem Wolf betrifft dies auch den Luchs, Graureiher oder eben den Biber. Er könnte also «auf Vorrat» abgeschossen werden.

«Hintertürpolitik» und «uraltes Gesetz»

Er könnte also «auf Vorrat» abgeschossen werden. Das missfällt Matthias Betsche, Präsident von Pro Natura Aargau. Er sagt: «Hier hat man aus abstimmungs-taktischen Gründen eine Hintertürpolitik betrieben.» Indem der Wolf nun bei der Abstimmung im Vordergrund steht, gehe vergessen, dass der Biber bei einem Ja auch abschussgefährdet ist und auf die Liste der regulierbaren Arten gesetzt werden kann. Nur ein Nein zum Abschussgesetz könne verhindern, dass neu jedes Jahr die Jungtiere einer Biberfamilie auf Vorrat abgeschossen werden könnten, ohne dass sie je Schäden angerichtet hätten. Denn genau dies würde das neue Gesetz möglich machen. Alles andere sei Augenwischerei.  

Das sei Angstmacherei, sagt hingegen Christoph Hagenbuch, SVP-Grossrat aus Oberlunkhofen. Den Biber einfach abschiessen, auch wenn er Probleme mache, könne man auch mit dem neuen Jagdgesetz nicht. Bisher sei ihm auch kein Fall von Biberabschüssen bekannt. Es gehe vor allem darum, dass ein Gesetz aus dem Jahre 1983 an die heutige Zeit angepasst werde.

Genau dieses Gesetz, das im Parlament einstimmig angenommen wurde, findet Matthias Betsche gut. Hier stünden die Interessen von Schutz und Jagd noch in einer Balance. Bei sogenannten «Problembibern» müsse aktuell eine Auseinandersetzung erfolgen und es wird von Fall zu Fall entschieden. Das sei mit dem neuen Gesetz nicht mehr der Fall, da neu Abschüsse auf Vorrat möglich würden - also Abschüsse von geschützten Tierarten unabhängig davon, ob nun ein Problem besteht oder nicht. Die Verbesserungen bei der Entschädigung von Biberschäden würden so oder so von allen befürwortet - für die Einführung solcher neuen Entschädigungsregeln brauche es kein Abschussgesetz.

Eine solche Abwägung will auch Grossrat Hagenbuch weiterhin machen. Es könne aber nicht sein, dass ein einzelner Biber die Existenz einer ganzen Familie bedrohen kann, wenn er grossen Schaden anrichtet. Das neue Jagdgesetz erlaube trotzdem keine Abschüsse von Bibern. Immerhin werden mit dem neuen Jagdgesetz auch Schäden von Bibern an Infrastrukturen wie beispielsweise Wegen von Privaten und Gemeinden vergütet. Das sei ein Fortschritt gegenüber der heutigen Regelung.

Bestand ähnlich – Gebiete vergrössert

Der Kanton führt alle fünf Jahre ein Monitoring durch und zählt die Tiere und ihre Reviere. Das letzte Monitoring fand 2018 statt und verzeichnete 113 Reviere. Das ist eine signifikante Steigerung gegenüber dem vorherigen Ergebnis von 2013. Damals waren es noch 77 Reviere.

Auch der Bestand der Biber stieg gegenüber 2013 beträchtlich an: von 275 auf rund 350. Weiter fällt auf: Die Biber fühlen sich seit einigen Jahren vor allem in Seitengewässern wohl. So zum Beispiel in einem Seitenbach der Bünz. Christian Tesini, Fachspezialist Wald beim Kanton Aargau, sagt, dass der Biberbestand in den beiden Jahren seit dem letzten Monitoring nicht markant gestiegen sei, sich die Gebiete jedoch vergrössert haben.

Die Entwicklung der Biberbestände im Aargau:

Der Biber ist in allen grossen Aargauer Flüssen vertreten. Als «Spitzenreiter» darf die Aare bezeichnet werden. Im Jahr 2018 weist sie 22 Reviere aus – mit 7 Einzelbibern oder Paaren sowie 15 Familien. Im Jahr 2008 waren es zwar noch 9 Einzelbiber- oder Paarreviere und 18 Familienreviere, die registriert worden sind. Doch: Die von Christian Tesini angesprochene Verlagerung in Seitengewässer wie die Wyna oder die Bünz ist unverkennbar. Auch im kleinen Sengelbach gibt es eine Biberfamilie. Und das inmitten eines Wohngebietes in der Telli in Aarau, wie das nachfolgende Video zeigt.

Biber in der Telli

Biber in der Telli

Hier haben die Biber im Aargau ihre Reviere:

Legende: grün = Familie (durchschnittlich 4,5 Biber), rot = Einzelbiber / Paare

Legende: grün = Familie (durchschnittlich 4,5 Biber), rot = Einzelbiber / Paare

  

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