Kriminaltouristen
35 Einbrecher im Aargau in U-Haft – Polizei setzt Sonderkommission ein

Polizei und Staatsanwaltschaft haben viel Arbeit mit ausländischen Einbrechern. Die Polizei muss einiges dafür tun, dass der Einbruchrekord vom letzten Jahr nicht übertroffen wird. Nach einer Verhaftung beginnt oft ein Wettlauf mit der Zeit.

Aline Wüst
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Ein Einbrecher dringt in ein Haus ein. (Symbolbild)

Ein Einbrecher dringt in ein Haus ein. (Symbolbild)

Dan Race - Fotolia

Ein Renault mit rumänischem Kennzeichen, vier Rumänen darin und im Kofferraum ein Werkzeugkasten. Das reicht, um von der Polizei verhaftet zu werden. Denn die Polizei weiss aus Erfahrung: Da deutet viel darauf hin, dass es sich bei diesen Männern um Kriminaltouristen handelt.

Und Kriminaltouristen machen Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft aktuell viel Arbeit. Über 100 Einbrüche werden zurzeit im Aargau pro Woche registriert. Das sind sogar auf dem sonst schon hohen Niveau nochmals aussergewöhnlich viele Einbrüche. Die Mehrheit davon geht auf das Konto von Osteuropäern.

Tipps: So Schützen Sie sich gegen Einbruchdiebstähle

Eingebrochen wird am Tag und in der Nacht. Die Kantonspolizei Aargau hat einige Tipps, um sich vor Einbrechern zu schützen: Das Haus soll nicht schon von weitem verlassen aussehen - Zeitschaltuhren helfen, denn Licht signalisiert Anwesenheit. Keine Schlüssel verstecken. Den Hausschlüssel lieber einer Vertrauensperson direkt geben, als ihn unter den Blumentopf zu legen. Wer zu Hause ist, soll nicht alle Türen offenlassen, um Einschleichdiebstähle zu verhindern.

Es sollte nur wenig Bargeld und Schmuck zu Hause aufbewahrt werden. Wertsachen besser im Tresor oder in einem Kundenschliessfach auf der Bank aufbewahren. Fremde Personen im Quartier sollen angesprochen und verdächtige Wahrnehmungen der Polizei gemeldet werden. (AZ)

Dass kriminelle Absichten hinter dem Besuch in der Schweiz stecken, bestätigten auch erste Abklärungen bei den vier Rumänen im Renault, die am Dienstagabend in Aarburg festgenommen wurden. Mindestens einer davon ist wegen Vermögensdelikten bereits bei der Polizei registriert. Nun wird abgeklärt, ob noch weitere Einbrüche auf das Konto des Rumänen-Quartetts gehen.

Wettlauf gegen die Zeit

Insgesamt 35 Kriminaltouristen sind derzeit in Untersuchungshaft. Wären alle an einem Ort, würde das die Bezirksgefängnisse Baden und Bremgarten komplett füllen. Die Kantonspolizei hat nun reagiert und eine Sonderkommission eingesetzt.

Eine Gruppe Polizisten also, die sich ausschliesslich mit Kriminaltouristen befasst. Denn: Wird eine Person verdächtigt, muss die Polizei innert 24 Stunden Tatverbindungen herstellen können, sonst muss sie die Personen freilassen.

«Einbruchswerkzeug im Auto reicht nicht, um jemanden länger in Haft zu nehmen», sagt Roland Pfister, Info-Chef der Kantonspolizei Aargau. Gibt es Hinweise auf ein Delikt, übernimmt die Staatsanwaltschaft. Erhärten sich die Beweise, stellt sie einen Antrag ans Zwangsmassnahmegericht um Verlängerung der Untersuchungshaft. Dieses hat dann nochmals 48 Stunden Zeit, um zu entscheiden, ob dem stattgegeben wird.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Es komme vor, dass ein Verdächtiger freigelassen werden müsse und nach zwei Wochen zeigen die DNA-Analysen, dass er in anderen Kantonen bereits eingebrochen ist, sagt Pfister.

Eingebrochen werde übrigens wahllos – am Tag und in der Nacht und auch, wenn die Bewohner zu Hause sind, sagt Pfister. «Es braucht deshalb grosse Anstrengungen vonseiten der Polizei, um zu verhindern, dass die hohe Anzahl Einbrüche vom letzten Jahr nicht übertroffen wird.»

Erklärungsansätze, warum der Kriminaltourismus zunimmt, hat Jonas Weber. Er hat den Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Bern inne. Ein Grund sei in der Öffnung der Grenzen in Europa zu suchen. Aber der Strafrechtsprofessor sieht auch ein menschliches Drama hinter den Einbrüchen.

Das Wohlstandsgefälle zwischen osteuropäischen Ländern und der Schweiz sei extrem. Angenommen wir lebten in Armut, wäre es doch durchaus denkbar, dass es einigen von uns in den Sinn kommen würde, in einem reichen Land zu stehlen, sagt Weber. «Wir wissen nicht, ob wir in dieser Situation die besseren Menschen wären.»

Welche Tipps haben Sie gegen Einbrecher? Diskutieren Sie mit und geben Sie die Tipps via Kommentar ab.

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