Die Römer sind für ihre ausgeprägte Badekultur bekannt. Die Körperpflege hatte einen hohen Stellenwert, vor allem die Reichen waren regelmässig zu Gast in Thermen. Bei Bauarbeiten in den 1960er Jahren stiess man in Sisseln im Fricktal auf

eine römische Raststätte (lat. mansio oder statio) aus der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert nach Christus. Dort fand man auch Überreste eines Badetrakts und eine äusserst seltene, mit Mosaiken verzierte Wanne. Besichtigen kann man die Stelle nicht mehr, denn kurz nach der Entdeckung wurde die Fundstelle überbaut. Jetzt steht die antike mansio aber wieder im Mittelpunkt, denn Archäologen haben in Münchwilen eine römische Wasserleitung, die wohl in Sisseln endete.

Leitung bereits aktenkundig

Luisa Galioto ist Bereichsleiterin Ausgrabungen bei der Kantonsarchäologie. Sie war bei der Aushebung in Münchwilen vor Ort. «Bei Bauarbeiten der Wohnsiedlung ‹Dell› sind wir auf eine Wasserleitung aus der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert nach Christus gestossen», sagt sie. «Wir konnten 30 Meter der antiken Wasserleitung vorsichtig von der einen Meter dicken Schicht befreien.»

Darunter kam ein Kanal zum Vorschein, der in einem Steinbett eingelassen ist. Die Leistenziegel wurden mit feinem Ziegelschrotmörtel abgedichtet und zusammengefugt. Um den Kanal abzudecken wurden Hohlziegel verwendet. Darüber hat man an manchen Stellen groben Kieselmörtel aufgetragen, der zusätzlichen Schutz garantierte.

Ganz unerwartet sei der Fund nicht, sagt die Archäologin. «Schon seit 1897 wird von einer römischen Wasserleitung in Münchwilen berichtet und seit 1916 wissen wir, dass es zwei gibt. Eine kleinere und eine grössere, die parallel zueinander verlaufen.»

In den 1990er- Jahren wurde die Wasserleitung das letzte Mal aktenkundig: Zwei freiwillige Bodenforscher hatten die Leitung bei Bauarbeiten gesichtet. «Daher konnten sie den weiteren Verlauf des antiken Bauwerks ziemlich präzise angeben», sagt Archäologin Galioto.

Leitung kommt ins Inventar

Die Umgebung um Münchwilen war also schon als Fundstelle bekannt, weshalb die Kantonsarchäologie beim Baugesuch des «Dell»-Quartiers hellhörig wurde.

Erst letzte Woche entdeckten die Archäologen das 30 Meter lange Fragment der Wasserleitung. Eine weitere Woche bleibt, um die antiken Überreste komplett freizulegen, zu dokumentieren und abzubauen. Der Zeitplan sei «sportlich, aber machbar», erklärt Galioto.

Momentan sei das Team damit beschäftigt, die Leitung abzubauen – also zu transportieren und in den Lagerbestand der Kantonsarchäologie aufzunehmen. Eine aufwendige Arbeit: «Die Ziegel sind mit feinen Rissen versehen. Damit sie nicht zerbersten, müssen sie vorsichtig geborgen werden.» Die erhaltenen Teile wolle man eingehend untersuchen, sagt Galioto. «Wir wollen herausfinden, ob das Quellwasser frei im Kanal lief oder die Konstruktion als Schutz für eine Teuchel- oder Druckleitung diente.»

Aufschlüsse darüber könne man möglicherweise aus den Ablagerungen gewinnen, so die Archäologin. Auch erste Auffälligkeiten wurden entdeckt: «In viele Deckziegel sind schon während der Nutzungszeit grössere Löcher geschlagen worden. Eventuell für Unterhaltsarbeiten, um die eingesickerte Sedimente zu entfernen.»

Luxuriöse Raststation

Luisa Galioto schätzt, dass die Wasserleitung mindestens 1,4 Kilometer lang war. Sie geht davon aus, dass die Leitung Quellwasser von den Hängen des Tafeljuras oberhalb von Münchwilen transportierte – bis hinunter zum Sisslerfeld in die römische Raststation.

Galioto erklärt, was man sich unter einer solchen Station vorstellen kann: «Raststationen standen in regelmässigen Abständen entlang der wichtigsten Verkehrswege und verfügten auch über Badeanlagen für die Reisenden.» Die römische Raststätte im Sisslerfeld war wohl besonders luxuriös – Indiz dafür ist die seltene Badewanne.

Nächste Woche wird die Arbeit an der Ausgrabungsstelle beendet und der Baubetrieb wieder aufgenommen. Am 25. April um 17.30 Uhr haben Interessierte aber noch einmal die Möglichkeit, den Fund zu besichtigen.

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