Debatte

30 Grad im Schulhaus: Klimaanlagen auch bei Minergie-Bauten erlaubt

Das neue Gönhard-Schulhaus in Aarau von aussen, hier noch im Schatten.

Das neue Gönhard-Schulhaus in Aarau von aussen, hier noch im Schatten.

Die hohen Temperaturen im Gönhard-Schulhaus in Aarau werden immer noch heiss diskutiert.

In den meisten Regionen haben die Sommerferien begonnen, die erste Hitzewelle ist vorbei. Dennoch läuft die hitzige Diskussion über die Temperaturen im Gönhard-Schulhaus in Aarau weiter. Ausgelöst hatte die Debatte SP-Präsidentin Gabriela Suter, die in einem Tweet von «brutaler Hitze» und 30 Grad im Klassenzimmer um 10 Uhr berichtet hatte (die AZ berichtete).

Suter betont auf Anfrage, sie wolle weder Holzbau-Schulhäuser noch den Minergie-Standard kritisieren. «Aber beim relativ teuren Gönhard-Schulhaus hat man offenbar nicht genug über die nötige Kühlung nachgedacht», sagt sie.

Nun schaltet sich die Organisation Minergie Schweiz in die Diskussion ein. Geschäftsführer Andreas Meyer teilt der AZ mit: Ideal für sommerlichen Wärmeschutz seien Bauten mit viel Speichermasse, guter Möglichkeit zur Nachtauskühlung, beweglichem, meist automatisiertem Wärmeschutz und möglichst wenigen Fenstern. «Perfekt ist es, wenn die Möglichkeit besteht, das Gebäude aktiv zu kühlen.»

Das kann mit einer Erdsonde passieren, aber auch Klimaanlagen sind bei Minergie erlaubt: «Man muss die Energie in die Gesamtbilanz einrechnen und sie kompensieren: zum Beispiel mit mehr Energieeffizienz im Winter, oder einer grösseren Photovoltaik-Anlage», sagt Meyer. Die Minergie-Vorgaben verlangten , dass es im Gebäude an maximal 100 Stunden pro Jahr über 26,5 Grad heiss wird. «Bei konventionellen Bauten sind es 400 Stunden, was ziemlich viel ist.»

Gerade in Hitzeperioden müsse man akzeptieren, dass sich ein Gebäude erwärme. Die Bedienung der Storen, die Auskühlung in der Nacht, der sparsame Gebrauch von Geräten mit Abwärme und auf das Minimum reduziertes Lüften am Tag seien essenziell.

Meyer sagt, der Erfolg von Minergie beruhe vor allem darauf, Umweltschutz mit Komfort zu verbinden. Das sei möglich, auch im Sommer, hält er fest. «Aber es wird nicht einfacher, wenn wir gleichzeitig das Klima schützen wollen, also weniger Energie brauchen, und dem Klimawandel mit mehr Hitzetagen ausgesetzt sind.» Kein anderer Baustandard nehme das Thema Komfort, vor allem auch in Sachen Luft und Überhitzung, auch nur annähernd so ernst wie Minergie, sagt der Minergie-Experte.

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