Im Spätsommer 2013 habe man festgestellt, dass vermehrt Diebesbanden aus Osteuropa unterwegs seien, sagt Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei. Diese kommen vor allem aus Rumänien und verüben mit Vorliebe Einbrüche, aber auch Trick- und Taschendiebstähle. «Aufgrund dieser Zunahme haben wir beschlossen, eine spezielle Ermittlungsgruppe für rumänische Kriminaltouristen einzurichten», erklärt Pfister. «Dafür haben wir keine neuen Stellen geschaffen, sondern Ermittler aus den drei Regionenzentren in Brugg, Baden und Buchs nach Aarau geholt.» So könne man Synergien nutzen und effizienter arbeiten, zumal die Kriminaltechnik auch in Aarau angesiedelt sei. Die Massnahme zeigt Erfolg: «Derzeit sitzen dank der Arbeit der Ermittlungsgruppe über 20 beschuldigte Personen in Untersuchungshaft – mehrheitlich wegen Einbrüchen oder Buntmetalldiebstählen», sagt Pfister. 13 Verfahren mit mehr als 35 Beschuldigten wurden bereits an die Staatsanwaltschaft überwiesen und sind abgeschlossen, 9 laufen derzeit.

Mehrheitlich fallen die Delikte in die Kategorie Einbruchdiebstahl, hinzu kommen einige Fahrzeugentwendungen sowie Ladendiebstähle und Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz. Pfister: «Der Deliktbetrag beläuft sich auf über eine halbe Million Franken.» Manchmal beträfen die Fälle auch Jugendliche um die 15 Jahre. Die meisten Beschuldigten wohnen offiziell in einem osteuropäischen Land oder im grenznahen Ausland, sagt der Kapo-Medienchef. «Sie haben ihre Wohnsitze nicht selten in bekannten grossen Roma-Camps im Elsass oder in Rumänien.» Die Häufung von Einbrüchen durch Kriminaltouristen habe nicht etwa mit der dunklen Jahreszeit zu tun: «Sie schlagen immer wieder auch am Tag zu.» Dass bestimmte Delikte während einiger Zeit vermehrt vorkommen, sei normal: Anfang 2012 habe man beispielsweise eine hohe Anzahl Autoaufbrüche durch Nordafrikaner verzeichnet, so Pfister.

Zur Einleitung der aufwendigen Ermittlungen und Befragungen könne die Kantonspolizei die festgenommenen mutmasslichen Kriminaltouristen 24 Stunden in Gewahrsam nehmen. Danach stünden der Staatsanwaltschaft weitere 24 Stunden zur Verfügung, bevor ein Zwangsmassnahmengericht über die Anordnung einer Untersuchungshaft entscheiden müsse, erklärt Pfister. «Der grössere Teil der Festgenommenen wird nach einem Tag wieder entlassen – entweder, weil wir sie nicht konkret mit einem Delikt in Verbindung bringen können, oder weil die Staatsanwaltschaft einen entsprechenden Strafbefehl erlässt.» Den mutmasslichen Tätern etwas nachzuweisen, sei allerdings sehr schwierig. «Sie geben ein Delikt nur zu, wenn man sie in flagranti erwischt oder Diebesgut in ihrem Auto gefunden hat», so Pfister. Zudem seien sie in wechselnden Formationen unterwegs, gut vernetzt und nie um ein Alibi verlegen: «Man deckt sich gegenseitig», sagt der Kapo-Medienchef.

Seit die Polizei mit Auto- und Personenkontrollen zu unterschiedlichen Tageszeiten intensiver nach Kriminaltouristen fahnde, komme es vor, dass ihr dieselben Leute mehrmals ins Netz gehen. «Meistens halten wir aber bislang unbekannte Personen an.» Dennoch habe man mittlerweile Verunsicherung unter den Kriminaltouristen schaffen können. «Es spricht sich herum, dass vermehrt kontrolliert wird. Wir hoffen, damit potenzielle Täter abschrecken zu können», sagt Pfister.