Aarau

250 Jahre Heinrich Zschokke: Der Jubiläumsfilm ist lanciert

Die Zschokke-Nachfahren kamen teilweise von weither nach Aarau. Einige reisten sogar aus den USA an.

Die Zschokke-Nachfahren kamen teilweise von weither nach Aarau. Einige reisten sogar aus den USA an.

Am grossen Zschokke-Tag trafen sich in Aarau 200 Nachkommen des bedeutenden Schriftstellers und Politikers zum Austausch und zu einem hochkarätigen Programm.

Nein, Heinrich Zschokke ist nicht Huldrych Zwingli, über den im Jubiläumsjahr der Reformation ein Film entstanden ist, der die Massen anzog. Aber für die Entstehung des modernen Aargau und der modernen Schweiz ist der gebürtige Magdeburger von eminenter Bedeutung.

Deshalb soll auch ein Film über ihn die Kinos kommen. Anlass ist sein 250. Geburtstag im Jahr 2021. Initianten und Garanten für eine professionelle Produktion sind zwei Nachfahren: der in Berlin lebende Schriftsteller Matthias Zschokke und der in Zürich domizilierte Filmemacher Adrian Zschokke.

Nachfahren sind von weit her zum Treffen angereist

Das Drehbuch ist fertig, erste Subventionsgesuche sind platziert – und erste Szenen sind gedreht. Entstanden sind sie an einem Zschokke-Tag am ersten Adventssonntag in Aarau. Solche Treffen waren bis in die 70er-Jahre regelmässige Tradition. Nun kam es zu einem glänzenden Revival.

Adrian und Matthias riefen, und rund 200 Personen – direkte Nachfahren, Angetraute und Gäste – kamen und versammelten sich im Kultur- und Kongresshaus. Angereist waren sie zum Teil von weit her: aus Italien, Frankreich und den USA.

Die gut gelaunte Schar fungierte einerseits als Komparsen für erste Filmszenen, anderseits erlebte sie, als Honorar sozusagen, ein hochstehendes Programm mit literarischen, wissenschaftlichen und musikalischen Elementen.

Zschokke hatte mehr Leser als Goethe

Heinrich Zschokke war einerseits Schriftsteller, ein äusserst populärer überdies. Seine Werke, entstanden ungefähr parallel zum Hochamt der deutschen Klassik, wurden in fast alle europäischen Sprachen übersetzt (unter anderem Bulgarisch, Slowenisch, Lettisch, Finnisch, Russisch und Rätoromanisch). Seine Leserschaft war, wie der Bremer Professor und Zschokke-Forscher Holger Böning in Aarau betonte, nachweislich grösser als jene Goethes.

Zschokke war anderseits Regierungskommissär der Helvetik, Aargauer Politiker, Katalysator des liberalen Aufbruchs, der Bürgerrechte und der Bürgerbildung. Diesen Rollen widmeten sich Zschokke-Biograf Werner Ort, Professor Jakob Tanner von der Universität Zürich, die Innerschweizer Historikerin Brigitt Flüeler und Thomas Pfisterer, ehemaliger Aargauer Regierungsrat und Ständerat und Initiant der Heinrich-Zschokke-Gesellschaft.

Der Fricktaler Schauspieler Kaspar Lüscher rezitierte, als Zschokke verkleidet, einen fiktiven Brief Heinrichs an seine Mutter. Nachfahren lasen in vier Sprachen kurze Texte des Schriftstellers vor.

Weniger bekannt war bisher, dass Zschokke auch komponierte. Entstanden sind unter anderem eine Reihe von Liedern – ihre Texte sind im heutigen Verständnis etwas schwülstig, ihre Melodien aber ansprechend bis ansteckend begeisternd.

Und so kam es, dass der Zschokke-Tag nicht allzu wortlastig wurde: Die bekannte Schweizer Opern- und Konzertsängerin Yvonne Naef und der junge Frauenchor VocaLadies unter Simone Fischer sorgten für eine teils fulminante, teils berührende Aufführung. Die meisten der Notenblätter lagerten bisher unentdeckt in den Archiven – die sonntägliche Schar erlebte also echte Welt-Uraufführungen.

Viele Nachfahren blieben am Sonntag noch lange beisammen und frischten Erinnerungen auf. Matthias und Adrian Zschokke zeigten sich hochzufrieden mit dem Anlass. «Nun hoffen wir, dass unser Projekt auch bei den Geldgebern auf so grosse Begeisterung stösst», meinte Adrian. Der erfahrene Filmemacher weiss, wovon er spricht: Das Budget des Films beträgt 1,7 Mio. Franken – nicht nur der Dreh, auch die Geldsuche wird zu einem grossen Stück Arbeit.

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