Logistik

25 000 Chauffeure fehlen: Wegen Stau wird der Job immer unattraktiver

Wegen Stau zu spät zum Znacht: Weil der Verkehr immer mehr stockt, gilt Berufsfahrer immer weniger als attraktiver Job.

Wegen Stau zu spät zum Znacht: Weil der Verkehr immer mehr stockt, gilt Berufsfahrer immer weniger als attraktiver Job.

In Dottikon eröffnete der Nutzfahrzeugverband Astag das «Kompetenzzentrum Mittelland». Sein Ziel: Junge und Quereinsteiger für den in Verruf geratenen Beruf des Chauffeurs begeistern.

Zwar begann die Eröffnung nicht nach Drehbuch, aber dafür perfekt passend zum Thema: mit 10 Minuten Verspätung. «Ich möchte euch begrüssen, auch wenn noch nicht alle hier sind», sagte Reto Jaussi, Direktor Astag Schweiz, und lieferte gleich die Begründung ab: «Auf der A1 gab’s einen Unfall, einige stehen noch im Stau.»

Immer häufiger im Stau stehen auch die Aktivmitglieder des Berufsverbandes der Berufsfahrer. Deshalb verliere der Job des Chauffeurs «immer mehr an Attraktivität», stellte Vizedirektor André Kirchhofer fest.

Mit dem neuen «Kompetenzzentrum Mittelland» im ehemaligen Kesselhaus der ehemaligen Bally-Schuhfabrik in Dottikon will der Branchenverband der Berufsfahrer dieser Entwicklung Gegensteuer geben.

Vermieter der Übungswerkstatt und Schulungsräume ist ein alter Bekannter: Hanspeter Setz, einst erfolgreicher Transportunternehmer, heute erfolgreicher Pensionär mit eigenem Fahrzeugmuseum nebenan.

Weil der Fachkräftemangel den Transportunternehmern wirklich Sorgen macht, wurde deshalb an der Eröffnung nicht nur angestossen, sondern auch diskutiert. Auf einem alten Anhänger, der als Bühne diente.

Adrian Amstutz, Astag-Zentralpräsident und Berner SVP-Nationalrat, sagte: «Wenn wir die Aus- und Weiterbildung vernachlässigen, kommt das wie ein Boomerang zurück.»

Was die Branche brauche, seien motivierte Junge, «die lernen, was sie auch brauchen können.» Was man nicht brauche, seien «Professoren hinter dem Stüürrädli». Adrian Herzog, Ausbildungsleiter Astag Aargau, zeigte sich selbstkritisch: «In der Schweiz ist unser Berufsalltag einfach zu hektisch. Mit dem Resultat, dass wir den Lernenden keine Zeit mehr geben.»

Sich diese Zeit wieder zu nehmen, sei die grösste Herausforderung. Laut André Kirchhofer fehlen derzeit bis zu 25 000 Chauffeure in der Schweiz. Walter Häfeli, Geschäftsführer der Transporteurs Häfeli-Brügger AG in Klingnau, erklärte, man versuche, die fehlenden Leute aus dem Ausland zu holen.

«Aber der Ausgleich mit Grenzgängern ist nur beschränkt möglich.» Zudem habe der Beruf ein Imageproblem: «Früher waren wir Versorger, heute werden wir als Umweltverschmutzer verurteilt.» Adrian Herzog, Dreier AG, resümierte: «Wir müssen schauen, dass wir Leute ausbilden, die auf und neben der Strasse ein Vorbild sind.»

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