Merkwürdig ist bei dieser Diskussion auf dem Onlineportal der Aargauer Zeitung ein milder Ausdruck, denn die einhelligen Kommentare stinken nach einer handfesten Manipulation. Dazu die Fakten: Nach wochenlanger Aufregung im Fricktal über den geplanten Umzug der Swissgrid von Laufenburg nach Aarau fand im 1. Dezember die Gemeindeversammlung in Laufenburg statt. Online und die Aargauer Zeitung berichteten über den Auftritt von CEO Pierre-Alain Graf. Der Vorsitzende der Swissgrid-Geschäftsleitung hatte in Laufenburg zwar freundlich, aber unmissverständlich klargestellt, am Entscheid sei nicht mehr zu rütteln. Der Umzug der nationalen Netzgesellschaft erfolge aber nicht vor 2016, weil in Aarau zuerst ein Neubau in Bahnhofnähe erstellt werden müsse.

Swissgrid-Chef erhält 22 gutgesinnte Kommentare auf AZ-Online

Swissgrid-Chef erhält 22 gutgesinnte Kommentare auf AZ-Online

Die Begeisterung darob hielt sich in Grenzen, weil das Fricktal damit 400 Arbeitsplätze verliert, wobei ein Teil der Mitarbeitenden von auswärts kommen. Der Laufenburger Stadtammann Rudolf Lüscher verlangte deshalb eine Kompensation der wegfallenden Steuergelder.

Lauter identische Kommentare

Was danach auf Online der Aargauer Zeitung ablief, ist mehr als mysteriös: 22 Personen lobten den Auftritt von Pierre-Alain Graf und schrieben ihn einhellig in den Himmel, kein einziges negatives Votum kam dazu. «Pierre-Alain Graf hat meine Anerkennung. Seine Aufgabe ist in der Tat nicht einfach. Er meistert sie aber hervorragend», schrieb eine Maria Keller. Das international tätige Unternehmen passe ohnehin nicht mehr vollumfänglich ins ländlich geprägte Laufenburg, doppelte ein Markus Ott nach. «Pierre-Alain Graf hinterlässt einen sympathischen Eindruck, er zeigt ein hohes Einfühlungsvermögen», betont eine Susanne Hett. Er sei sich seiner sozialen Verantwortung stets auch bewusst, versichert eine Lea Udry. Der Lobgesang auf den Swissgrid-Chef liesse sich fortsetzen, immer mit anderen Worten, aber dem gleichen Inhalt, 22-mal.

Auftrag für ein Monotoring

Hier kommt die NZZ ins Spiel, die über die seltsame Häufung berichtet hat. Denn der NZZ bot ein anonymer Anrufer an, für ungefähr 2000 Franken könne er die Hintergründe aufdecken, aber die Zeitung müsse einen Geheimhaltungsvertrag unterzeichnen. Die Redaktion lehnte ab, stellte aber selber Recherchen an und bemerkte die ominöse Häufung. Zwangsläufig kommt die Swissgrid in den Verdacht, sie habe dem Image ihres Chefs nachhelfen wollen.

Das dementiert Thomas Hegglin, Leiter der Medienabteilung von Swissgrid in Frick, gegenüber der Aargauer Zeitung in aller Form. «Aber selbstverständlich ist uns auch aufgefallen, das etwas mit diesen 22 positiven Kommentaren nicht stimmen kann.» Beim Vergleich der Namen sei er zum Schluss gekommen, dass von den 400 Swissgrid-Mitarbeitenden niemand mitgemacht habe. «Ich kenne keinen der Unterzeichner», betont Hegglin.

Weil die Swissgrid wissen wolle, was über sie geschrieben und online diskutiert werde, habe sie eine Firma für ein Monitoring beauftragt. Ähnlich wie beim Argus der Presse sammle eine solche Firma die Veröffentlichungen im Social-Media-Bereich. «Wir können nicht alles selber überblicken, wollen aber wissen, was über unser Unternehmen geschrieben wird», begründet Hegglin den Auftrag. Diesen habe man als Testlauf für drei Monate vergeben, aber Ende Jahr die Übung abgebrochen, «weil die Leistung nicht stimmte».

Das Unternehmen habe versichert, keine solchen Kommentare verfasst zu haben, «das liegt uns schriftlich vor». Für die reine Überwachung und Auswertung sei jetzt neu die Goldbach Media beauftragt worden, die selbstverständlich keine Kommentare verfassen dürfe.

Strategie für die Zukunft

«Wir sind daran, eine Strategie für die Zukunft zu verfassen», sagt Thomas Hegglin zu den Lehren aus der Chef-Lobhudeli. Den Mitarbeitern werde es strikte verboten, an solchen Kampagnen oder Manipulationen mitzumachen. Im Rahmen der freien Meinungsäusserung könnten sie ihre Ansicht weiterhin vertreten, aber dabei wäre es wohl sinnvoll, sich als Mitarbeiter der Swissgrid erkennbar zu geben. Als nationales Unternehmen im schwierigen Umfeld der Starkstrom-Leitungen «sind wir auf eine hohe Glaubwürdigkeit angewiesen», betont er. Das Rätsel um die mysteriösen Kommentare bleibt ungelöst, weil die Mitwirkenden mit einem Fantasienamen unterzeichnen können.