Gericht

21 000 Franken für 50 km/h zu schnell – Raser bekommt es zu spüren

Das Gericht in Bad Zurzach. (Symbolbild)

Das Gericht in Bad Zurzach. (Symbolbild)

134 km/h auf dem Tacho, 0,24 Promille Alkohol im Blut. Branko hatte es übertrieben, als er auf der 80er-Strecke von Zurzach nach Laufenburg unterwegs war. Jetzt korrigiert der Einzelrichter die von der Staatsanwältin falsch berechnete Geldstrafe.

An einem Dienstag im Mai dieses Jahres war Branko (Name geändert) unterwegs von Bad Zurzach in Richtung Laufenburg.

In Leibstadt wurde er ausserorts am Steuer seines Mercedes geblitzt. Branko hatte 134 km/h auf dem Tacho – fuhr nach dem Toleranz-Abzug also mit 50 km/h zu schnell. Zudem stellte die Polizei 0,24 Promille Alkohol in seinem Blut fest.

Sechs Wochen später war Branko ein Einschreiben der Staatsanwaltschaft ins Haus geflattert. Happiges stand darin zu lesen: Nicht die Anklage wegen einer «groben Verkehrsregelverletzung» liess Branko leer schlucken – das hatte er ja unumwunden zugegeben.

Doch die Tatsache, dass die Staatsanwältin ihn zu einer teilbedingten Geldstrafe von 36 000 Franken (300 Tagessätze zu 120 Franken, davon 14 400 Franken unbedingt) verurteilt sehen wollte, verschlug dem 56-Jährigen den Atem.

Billett für 14 Monate weg

Seit 33 Jahren lebt der Kroate in der Schweiz, wohnt im Tessin, arbeitet seit 25 Jahren als Lastwagenchauffeur und hatte sich bis dato nur eines Vergehens schuldig gemacht:

Ein einziges Mal war er zu schnell gefahren, allerdings weit weniger schnell, als im Mai in Leibstadt. Als Folge eines schweren Arbeitsunfalls ist Branko seit drei Jahren arbeitsunfähig, erhält monatlich 3000 Franken Taggelder. Ebenso viel verdient seine Frau.

Sie chauffierte ihn nach Bad Zurzach, wo er sich vor Einzelrichter Cyrill Kramer verantworten musste. Das unauffällige Ehepaar war spürbar nervös.

Den Führerausweis sei Branko wohl vorübergehend los, stellte der Richter fest. Ja, für 14 Monate, hätten die Tessiner Behörden ihm mitgeteilt, liess Branko übersetzen. Warum er denn damals so schnell gefahren sei und obendrein mit Alkohol im Blut?

70 Franken sind angemessen

Eigentlich trinke er nicht, wenn er fahre, aber an jenem Dienstag im Mai habe er drei Caffè Grappa getrunken, um ruhiger zu werden. Er sei nervös und aufgewühlt gewesen, «wie immer, wenn ich unseren Sohn im Gefängnis besucht habe».

Dort sitzt der heute 25-jährige Sohn seit mehreren Jahren. Den Strafantrag der Anklägerin fand Branko «viel zu hoch». Auch, weil er doch ab nächsten Monat nur noch 20 Prozent arbeitsunfähig sei und deshalb von der Suva bloss noch 800 Franken im Monat bekomme.

Für Richter Kramer war zwar die Anzahl von 300 Tagessätzen – was 10 Monaten Freiheitsstrafe entspricht – angemessen, nicht aber der Betrag von je 120 Franken: «Offenbar hat die Staatsanwältin bei der Berechnung die Einkommen von Branko und von seiner Frau zusammengenommen, was aber so nicht geht. Das Gesetz kennt hier keine Solidarhaftung.»

Branko wurde verurteilt zu einer Geldstrafe von 21 000 Franken (300 mal 70 Franken) bedingt mit der langen Probezeit von vier Jahren und zu 1500 Franken Busse. Sichtlich erleichtert verliess das Ehepaar den Gerichtssaal.

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