Vor sechs Jahren wurde die Anlaufstelle Integration Aargau (AIA) gegründet. Vieles hat sich seither verändert, eines aber blieb immer gleich: Flüchtlinge geben viel zu reden. Am Stammtisch und im Parlament, objektiv und subjektiv, emotional und sachlich. Wer als Flüchtling anerkannt oder vorläufig aufgenommen wird, soll integriert werden. So die Theorie. Und die Anlaufstelle soll im Aargau dafür sorgen, dass aus der Theorie Praxis wird. Sie berät Einzelpersonen und Gemeinden (2016: 1500), informiert Fachstellen und Vereine, vernetzt Experten und Freiwillige. Das Team ist stabil und eingespielt, die Abläufe sind klar. «Man kann sagen, der Laden läuft», sagt Leiterin Lelia Hunziker.

Inzwischen sind die Aargauer gar zu einer Marke im Bereich der Integrationsarbeit geworden: Sie werden in der Schweiz und auch auf europäischer Ebene regelmässig für Workshops und Podien angefragt.

Zu wenig Geld für alles

Doch Lelia Hunziker hat nicht nur ein zufriedenes Lächeln im Gesicht, sondern auch ein paar Sorgenfalten. Denn: 2017 steht einiges an, was für die Zukunft der «AIA» entscheidend sein wird. Allem voran das KIP, das kantonale Integrationsprogramm. Das vierjährige Programm, finanziert von Bund und Kanton, startete erstmals 2014 und läuft Ende Jahr aus. Dann soll es abgelöst werden vom KIP 2, das im eidgenössischen Parlament in Bern noch durch die Einigungskonferenz und danach in Aarau im Grossen Rat beraten werden muss.

Laut Lelia Hunziker wäre das bisherige KIP eine gute Basis, um darauf aufzubauen. Doch weil die Finanzen im Aargau knapp sind, konnte die Regierung im Entwurf des Nachfolgeprogramms nicht mehr Geld vorsehen. Möglicherweise wird auch bereits in Bern der Kredit um 10 Prozent gekürzt, was direkt durchschlagen würde. Kommt hinzu: Im Aargau wird sich die finanzielle Situation ohnehin verändern. Hatte die Anlaufstelle bislang ein jährliches Budget von 430'000 Franken zur Verfügung, wird sich der Kanton im KIP 2 neu auf den Grundauftrag von 390'000 Franken beschränken. Zusatz- und Mandatsaufträge im Rahmen von rund 40'000 Franken fallen weg. Zudem läuft das Projekt Integrationscoaching, welches massgeblich durch die Landeskirchen finanziert wurde, aus. Die AIA rechnet deshalb zurzeit mit rund 60'000 Franken weniger ab 2018.

Nur: Dabei handelt es sich um nachweislich bereits sehr gut etablierte und genutzte Angebote wie das Integrationscoaching, Weiterbildung für Freiwillige, Vermittlung von Integrationsthemen in Schulen oder die Durchführung der Rassismuswoche. «Wir möchten diese Aufträge weiterführen, da wir sie für den ganzen Kanton als wichtig erachten», sagt Lelia Hunziker. Deshalb habe man die Aufgaben jetzt als Projekte ausgearbeitet und vorausschauend verschiedenen Stiftungen zur Prüfung unterbreitet.

Müslüm mit Hofmann auf der Bühne

Eine andere grosse, wenn nicht die grösste Herausforderung ist die Trennung zwischen Asylsuchenden und Flüchtlingen. Asylsuchende im Verfahren dürfen nicht integriert werden, da nicht klar ist, ob sie wieder in die Heimat zurückkehren. Schwierig kann die Unterstützung auch bei anerkannten Flüchtlingen sein, die eine höhere Vorbildung mitbringen und etwa in einem Deutsch-Anfängerkurs unterfordert sind: Will die AIA ihnen helfen, kann sie dies nur über individuelle Gesuche an private Stiftungen. «Es muss uns noch gelingen, alles sinnvoll zu verzahnen», sagt Lelia Hunziker.

Zum Schluss des Gesprächs kommt das Lächeln zurück. Am 11. Mai findet das nächste «Forum Integration» statt, diesmal zum Thema «Der Schweizer Pass – vom Bürgerrecht in einer mobilen Gesellschaft». Vielversprechend tönt auch das Programm des Interkulturfests, das am 31. Juni/1. Juli in der Alten Reithalle Aarau über die Bühne gehen wird. Erwartet werden etwa Urs Hofmann und Müslüm – beide am Rednerpult – sowie die Musiker vom Argovia Philharmonic.