In allen Aargauer Kantonsteilen gibt es Mittelschulen. Ausser im Fricktal. Das hat zur Folge, dass von den insgesamt 660 Fricktaler Mittelschülerinnen und -schüler 500 die Mittelschulen in den beiden Basler Halbkantonen besuchen. Die interkantonale Zusammenarbeit habe sich bewährt und funktioniere in der Praxis gut, versicherte Bildungsdirektor Alex Hürzeler an der Medienkonferenz des Bildungsdepartements zum Schuljahresbeginn.

Trotzdem will nun die Regierung die Situation im Fricktal überdenken. Denn in den nächsten Jahren werden die Schülerzahlen weiterhin stark steigen. Die Mittelschulen im Kanton Aargau werden deshalb schon bald zusätzlichen Schulraum brauchen.

Kanti Fricktal ist gesetzt

Bereits 1981 wurde im Schulgesetz festgelegt, dass auch das Fricktal eine Mittelschule erhalten soll. Als Standort war damals Stein vorgesehen; es war ein Kompromiss, da sich Rheinfelden und Frick nicht einigen konnten. Doch lange war das Schülerinnen- und Schülerpotenzial für eine Fricktaler Mittelschule nicht gegeben.

Zudem konnte mit den Basler Halbkantonen eine gute Lösung gefunden werden. Doch nun ist das Potenzial vorhanden, das Versprechen könnte nun endlich eingelöst werden und die Fricktaler Schüler müssten nicht mehr in den Nachbarkantonen zur Schule gehen. Mit den aktuell 660 Mittelschülern wäre die Fricktaler Kanti schon jetzt grösser als die Schule in Zofingen.

Wohin Kanti-Schüler verschoben werden könnten

Wohin Kanti-Schüler verschoben werden könnten

Auch die beiden Basler Kantone wären nicht unglücklich, wenn die Fricktaler künftig im Fricktal zur Schule gingen. So strebt der Kanton Basel-Landschaft im Zeitraum von zehn Jahren eine erhöhte Konzentration der Bildungsangebote an; das Wegbleiben der rund 350 Schülerinnen und Schüler aus dem Fricktal ergäbe ganz neue Möglichkeiten bei der Planung, denn auch in den Nachbarkantonen steigen die Schülerzahlen.

Gegenwärtig besuchen knapp 150 Schülerinnen und Schüler aus dem Fricktal Mittelschulen im Kanton Basel-Stadt. Mit einem Mittelschulstandort im Fricktal ist davon auszugehen, dass diese Jugendlichen zukünftig nicht mehr in Basel zur Schule gehen werden. Aber auch in Basel-Stadt würden keine Überkapazitäten entstehen, auch in Basel steigen die Schülerzahlen und der Platz wird knapp. Der Wegfall der Fricktaler wäre allenfalls sogar willkommen. Deshalb ist für Hürzeler klar: «Eine bedarfsgerechte und langfristige Planung ist nur möglich, in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Partnerkantonen.»

Zusätzliche Kanti notwendig

«Mit einer Fricktaler Mittelschule kann zwar die Fricktaler Situation gelöst, aber nicht die Raumnot an der andern Mittelschule behoben werden», erklärte Bildungsdirektor Hürzeler, der selber Fricktaler ist.

In den letzten zehn Jahren ist die Schülerzahl an den Mittelschulen insgesamt um 20 Prozent gewachsen. Die Folge waren Zumietungen von Schulräumen in Wettingen und Aarau sowie der Bau von Schulprovisorien in Baden und Wohlen. Einzig die Kantonsschule in Zofingen ist nicht voll ausgelastet, da ihr Einzugsgebiet kleiner ist. In den nächsten Jahren verstärkten sich die Engpässe im Aargauer Mittelschulsystem, sagte Hürzeler. Die Prognosedaten lassen weiter einen stetigen Anstieg der Abteilungszahlen erwarten. So ist zu erwarten, dass bis ins Jahr 2040 74 zusätzliche Abteilungen notwendig sind, für die aber erst noch Platz geschaffen werden muss.

Damit gibt es unabhängig von der Entwicklung im Fricktal auch im Aargauer Mittelland weiteren Raumbedarf. Wo denn die zweite neue Kantonschule gebaut werden könnte, ist noch offen, Bildungsdirektor Hürzeler sprach von einem Standort «im Gebiet Aargau, Brugg, Baden, Lenzburg.» Letztmals wurden Mitte der Siebzigerjahre in Wohlen, Wettingen, Aarau und Zofingen neue Kantonsschulen gegründet.

In einem Planungsbericht wird nun der Regierungsrat die Entwicklungsabsichten für die Mittelschullandschaft im Kanton Aargau für die nächsten 25 Jahre aufzeigen. Der Bericht soll bis Mitte 2019 vorliegen und dem Grossen Rat zu Beratung und Beschlussfassung unterbreitet werden. Der Bericht wird auch Auskunft über die finanziellen Konsequenzen für den Kanton geben.

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