Parteienlandschaft

20 Parteien kamen und gingen über die Jahre in den Aargauer Grossen Rat

Der Grosse Rat tagt im Grossratsgebäude in Aarau.

Die Parteienlandschaft im Aargau veränderte sich mehrfach in den letzten Jahrzehnten, aber die Grossen blieben.

Die BDP hält sich seit neun Jahren im Aargauer Grossen Rat, doch sie ist am Kränkeln, Politologen geben der Partei keine guten Prognosen. Sie könnte sich in eine lange Reihe von aufgetauchten und wieder verschwundenen Parteien einreihen.

Im Aargau prägen laut Website des Kantons derzeit 23 Parteien die politische Landschaft, Jungparteien mitgezählt. Im Grossen Rat sind neun davon vertreten, die BDP ist die jüngste. Laut einer Arbeit in der Zeitschrift «Beiträge zur Aargauer Geschichte» von 2006 bildet die aargauische Parteienlandschaft weitgehend die schweizerische ab, spezifisch aargauische Bewegungen hielten sich auf Dauer nicht.

Vier Grosse dominieren

Die vier grossen Parteien FDP, CVP (zu Beginn KK), SP und SVP (von 1920 bis 1971 «aargauische Bauern- und Bürgerpartei) halten seit Einführung des Proporzwahlrechts 1921 zusammen eine unangefochtene Mehrheit im Grossen Rat. Ihr Wähleranteil betrug bis 1989 über 80 Prozent, oft auch über 90 Prozent. Ebenfalls ohne Unterbruch im Parlament vertreten ist die EVP, derzeit hält sie sechs Sitze. Die SVP stellt die grösste Fraktion im Aargauer Parlament, sie hält 45 Sitze, die kleinste ist die EDU mit zwei Sitzen. Die grösste der Kleinen (BDP, GLP, EVP, EDU und Grüne) sind die Grünen, seit 1985 dabei, in der laufenden Legislatur mit zehn Sitzen. Als einzige der jüngeren Parteien schaffen sie es seit 30 Jahren, sich zu halten, national und kantonal. Sie sind aus der Umweltschutzbewegung hervorgegangen.

Rechte und linke Bewegungen

Rund 20 verschiedene Gruppierungen kamen und gingen über die Jahre in den Aargauer Grossen Rat. Prominentestes Beispiel dafür, schweizweit, ist der von Gottlieb Duttweiler gegründete Landesring der Unabhängigen (LdU), der sich bis Anfang der Nullerjahre hielt. Er war von 1969 bis 1973 die grösste der kleinen Parteien im Aargauer Grossen Rat. Diesen Platz musste er 1973 an die «Aargauische Republikanische Bewegung» und die «Nationale Aktion gegen Überfremdung» (NA) abtreten: Die zwei rechten Bewegungen, entstanden aus der zu Beginn der 1970er-Jahre viel diskutierten Frage der «Überfremdung», schafften auf Anhieb zehn Sitze.

Doch auch das war keine Garantie für ein langes Leben. Die Nachfolger dieser beiden Parteien sind die Schweizer Demokraten (SD), die bis 2012 im Grossen Rat, zuletzt mit zwei Sitzen, vertreten waren. Eine weitere Partei am rechten Rand ist die Autopartei, deren Aargauer Sektion 1987 gegründet wurde und die seit 1994 Freiheitspartei heisst. Sie war in den 1990er-Jahren auf ihrem Höhepunkt und hielt einst 19 Sitze im Aargauer Grossen Rat, hatte 2002 aber nur noch einen Vertreter im Parlament und verschwand danach ganz.

Im Verlauf der 1960er-Jahre hatten sich kleinere Protestgruppierungen formiert, die sich kurz im Grossen Rat halten konnten. Die «Freien Stimmberechtigten und parteilosen Wähler» hatten 1969 sechs Vertreter im Grossen Rat. Das «Team 67» hatte drei Mandate. Die Jugendorganisation näherte sich immer mehr den Sozialdemokraten an, zu der auch zwei ihrer Grossräte schliesslich wechselten.

Geschichte wenig dokumentiert

Insgesamt sei die Geschichte der politischen Parteien im Aargau wenig erforscht und dokumentiert, schreibt die Zeitschrift «Beiträge zur Aargauer Geschichte» in «Der Grosser Rat in den Jahren 1920/21». Darauf sei bereits 1978 hingewiesen worden. Dass sich an dem Umstand nichts verändert habe, sei «als beklagenswert zu bezeichnen», schreiben die Autoren.

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