Arbeitsgesetz

2-Schichten-Modell auf Baustellen: Ist das überhaupt legal?

Weniger Leute am Arbeitsplatz bedeutet automatisch mehr Abstand und ein geringeres Ansteckungsrisiko.

Weniger Leute am Arbeitsplatz bedeutet automatisch mehr Abstand und ein geringeres Ansteckungsrisiko.

Bauzulieferer Wacker Neuson hat einen Zwei-Schicht-Betrieb eingeführt. Die Gewerkschaft Unia stellt sich nicht kategorisch dagegen, legt aber den Finger auf wunde Punkte.

Die Pandemiekrise stellt die Wirtschaft vor Herausfor­derungen, die wir bisher höchstens aus düsteren Science-Fiction-Filmen kannten. Distanz halten liegt uns nicht im Blut, das merkt man im Arbeitsalltag immer wieder. Angefangen beim Händeschütteln zur Begrüssung über die Sitzungen bis hin zum kurzen Schwatz in der Pause und dem geteilten Znüni auf dem Bau – wir sind uns nah, wir kommen uns nah. Normalerweise.

Ausserordentliche Zeiten erfordern ausserordentliche Massnahmen. Nach diesem Motto ging Benjamin Wasinger, Geschäftsführer des Bauzulieferers Wacker Neuson, vor, als er einen Zwei-Schicht-Betrieb einführte. Weniger Leute auf einmal am Arbeitsplatz bedeutet automatisch mehr Abstand und eine geringere Gefahr der Ansteckung. Aber darf er das überhaupt?

«Alles vor 6 Uhr morgens gilt als Nachtarbeit. Allerdings kann der Arbeitsbeginn mit Zustimmung der Arbeitnehmer auf 5 Uhr vorverlegt werden», sagt Nico Lutz, Sektorleiter Bau bei der Gewerkschaft Unia. So sieht es das Arbeitsgesetz vor. Aber: Für die Zeit vor 6 Uhr ist ein Zuschlag geschuldet. Bei weniger als 25-mal im Jahr von 25 Prozent, bei mehr als 25 Früheinsätzen jährlich von 10 Prozent. Die Zustimmung der Mitarbeiter muss dokumentiert sein. Eigentlich hätte Wasinger also zuerst das Okay der Belegschaft gebraucht. «Er hätte erst Überzeugungsarbeit leisten müssen», sagt Lutz.

Sollte Wacker Neuson den Schichtbetrieb dauerhaft installieren sollen, hätte man laut Wasinger kaum ein Problem, diese Zustimmung zu bekommen. Aber wäre das Modell nicht auch eine Lösung für den Bau? Lutz zeigt sich offen: «In ausserordentlichen Situationen sind wir auch bereit, ausserordentliche Lösungen zu diskutieren.» Eine Vorverlegung der Arbeit könne unter Umständen Sinn machen. So zum Beispiel auch im Sommer.

Ein ähnliches Modell ist im Baugewerbe noch nicht Usus

Allerdings sieht der Gewerkschafter bei der Übertragung des Zwei-Schicht-Modells zwei zentrale Probleme: Zum einen hinsichtlich der Arbeitssicherheit. Lutz: «Um 5 Uhr ist zum Teil noch Dämmerung und auf den Baustellen ist dann die Arbeit gefährlich.» Zum anderen gäbe es durch die Ruhezeitverordnung der Gemeinden Einschränkungen. Lutz: «Vor 6Uhr ist in der Regel kein Lärm möglich. Bauen ohne Lärm geht praktisch nicht.»

Wie am Morgen braucht es übrigens auch für Arbeitseinsätze nach 20 Uhr die Einwilligung der Mitarbeiter. Was man nicht vergessen dürfe, so Lutz: Will man die Schichten so strikt trennen wie Wacker Neuson, dürfe man auch die Pausen nicht vergessen. Spätestens nach sechs Stunden Arbeit, so sieht es das Gesetz vor, muss man eine Pause einlegen.

Noch ist dem Gewerkschafter Nico Lutz übrigens kein ähnliches Modell aus dem Baugewerbe bekannt. Aber der Unia-Mann zeigt sich offen, falls das Modell auch im Bau zum Thema würde.

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