Strassenbau

190 Millionen für eine freie Fahrt – doch diese sechs Projekte im Aargau sind blockiert

Der Kanton investiert dieses Jahr gut 190 Millionen in Aargauer Verkehrs-Grossprojekte – doch viele andere Bauvorhaben sind durch Einsprachen blockiert, obwohl sie vor Jahren vom Parlament oder der Bevölkerung gutgeheissen wurden.

Baustellentafeln stehen im ganzen Kanton: Die Neugestaltung des Schulhausplatzes und die Sanierung des Schlossbergtunnels in Baden, die Arbeiten für die zweite Etappe der Wiggertalstrasse im Raum Zofingen, der Ersatz der Reussbrücke Gnadenthal-Stetten, der Umbau des Knotens Chrüz in Birmenstorf sowie die Sanierung mit Ausbau der Kantonsstrassen in Künten-Eggenwil sind nur einige Beispiele für Grossbaustellen.

64 Projekte in der Pipeline

Im laufenden Jahr ist der Start für weitere 64 Projekte vorgesehen, wie der Kanton im aktuellen Strassenbauprogramm schreibt.

So beginnen 2016 unter anderem die Arbeiten für den Neubau der Brücke über die SBB-Gleise in Oftringen, die Neugestaltung der Landstrasse in Kaiseraugst, die Sanierung der Bünztalstrasse zwischen Kreisel Schwimmbad und Bullenberg-Kreuzung in Wohlen oder der Abschnitt Süd der Seetalstrasse in Boniswil.

Weiter laufen die Planungen für den Umbau der Kreuzungen beim Hotel Kreuz in Suhr und im Zentrum von Teufenthal, das eigene Trassee der Wynental-Suhrental-Bahn in Unterkulm und den Umbau der Nutzenbachstrasse in Wohlen.

Mit insgesamt 191 Millionen Franken liegen die Investitionen im Bauprogramm 2016 auf dem Niveau des Vorjahrs. Neubauten und Umgestaltung von Kantonsstrassen kosten 119 Millionen Franken, für Belagserneuerungen und Brückensanierungen werden 44 Millionen, für Lärmschutzmassnahmen 19 Millionen ausgegeben. In die Erweiterung des kantonalen Radroutennetzes werden 9 Millionen investiert.

Einsprachen bremsen Projekte

Auf sich warten lassen hingegen mehrere Grossprojekte, die zum Teil vor Jahren vom Grossen Rat oder vom Volk gutgeheissen wurden. Grund dafür sind Einsprachen von Privatpersonen oder Verbänden, wie Kantonsingenieur Rolf H. Meier erklärt. «Vielleicht waren wir früher etwas zu euphorisch, wenn es um die Realisierungszeit von solchen Projekten ging», sagt Meier.

Hier wird gebaut

Heute gebe es kaum ein grösseres Vorhaben, das nicht angefochten werde. Kann eine Einsprache nicht gütlich geregelt werden, haben Projektkritiker die Möglichkeit, an den Regierungsrat, ans Verwaltungsgericht und schliesslich ans Bundesgericht zu gelangen. «Für jede Instanz, die angerufen wird, rechnen wir mit einer Verzögerung von rund einem Jahr», sagt der Kantonsingenieur.

Und auch wenn eine rechtskräftige Baubewilligung für ein Projekt vorliegt, fahren nicht sofort die Bagger auf. «Zuerst müssen der Landerwerb, die Ausschreibung und Vergabe der Bauarbeiten durchgeführt werden», zählt Meier auf.

So weit ist der Kanton bei der Umfahrung Mellingen noch lange nicht. Nachdem das Verwaltungsgericht im Dezember eine Beschwerde von VCS und WWF teilweise gutgeheissen hat, liegt derzeit eine Projektänderung für den ersten Abschnitt der Umfahrung öffentlich auf.

Ob die Umweltverbände die Anpassungen akzeptieren und ihren Widerstand aufgeben, ist offen. «Wir sind momentan daran, die Unterlagen zu sichten und zu beurteilen», sagt WWF-Geschäftsführerin Tonja Zürch. «Wir werden bis Ende Januar entscheiden, ob wir eine Einwendung machen müssen.» Dies scheint nach der Reaktion der Verbände auf das Urteil des Verwaltungsgerichts relativ wahrscheinlich.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass eine Tunnellösung oder der Verzicht auf die Umfahrung nicht geprüft werden sollten, hielt Zürcher damals fest. Sie verwies auf Bad Zurzach, wo für die Ostumfahrung mit einem Kilometer Länge 75 Millionen Franken ausgegeben werden, obwohl keine geschützte Naturlandschaft betroffen sei. «Die Verbände werden sich bei in Mellingen weiterhin für eine solche Lösung einsetzen», kündigte Zürcher damals an.

downloadDownloadpdf - 27 kB

Meistgesehen

Artboard 1