Brugg

18 Monate bedingt und 4000 Franken Busse: Urteil für Raser milder als gefordert

Am Dienstagmittag wurde der erste Raser in der Schweiz nach den neuen Richtlinien von „Via sicura“ verurteilt. (Symbolbild)

Am Dienstagmittag wurde der erste Raser in der Schweiz nach den neuen Richtlinien von „Via sicura“ verurteilt. (Symbolbild)

Am Dienstagmittag wurde das erste Raser-Urteil nach neuem Gesetz verhängt. Das Bezirksgericht Brugg verurteilte einen 23-jährigen Mann zu 18 Monaten Freiheitsstrafe bedingt und einer Geldbusse von 4000 Franken.

Das Urteil ist vergleichsweise mild ausgefallen. Das Gericht auferlegte dem jungen Raser 18 Monate Freiheitsstrafe bedingt mit drei Jahren Probezeit und 4000 Franken Bussgeld.

Ursprünglich forderte der Staatsanwalt eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten und eine Busse von 6000 Franken. Die Verteidigerin des 23-jährigen Schweizers forderte eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 80 Franken, sowie eine Busse von 2400 Franken und eine Probezeit von zwei Jahren.

Gerichtspräsidentin Franziska Roth wollte vom jungen Mann wissen, weshalb er am 5. Januar auf dem Bötzberg auf 146 Stundenkilometer beschleunigte. Die Antwort: „Ich wollte mein Auto einmal spüren, testen wie viel Kraft es hat." Sein Auto, ein SEAT Leon 2.0 Cupra R, besass er seit gut einem Jahr. Es war geleast und 265 PS stark.

Der junge Raser sagte weiter, dass er zuvor noch nie so schnell gefahren sei, das Auto sowieso wieder abstossen wollte, weil ihm klar wurde, dass er kein solch leistungsstarkes Fahrzeug brauchte.

Gerichtspräsidentin Roth meinte daraufhin, dass sie ihm schlicht und einfach nicht glaube, dass er seit einem Jahr brav herumfahre, das Auto verkaufen wollte, weil es zu viel Leistung habe und dann nur ein einziges Mal zu schnell gefahren sei - genau an diesem Tag.

Verhalten soll nicht schöngeredet werden

Die Verteidigerin plädierte darauf, dass der junge Mann die Strecke kannte, die Situation eingeschätzt habe. Sein Verhalten solle nicht schöngeredet werden. Aber es sei von grober Fahrlässigkeit auszugehen.

Der Staatsanwalt hingegen sagte, dass sowohl der Beschuldigte wie auch die Verteidigerin die Tat verharmlosen würden. Gar als Kavaliersdelikt beurteilten. Er hielt daran fest, dass der junge Mann mit seinem Verhalten das Leben anderer Menschen wissentlich und willentlich gefährdet habe.


Sowohl Verteidiger wie auch Staatsanwalt erinnerten, dass das Brugger Bezirksgericht eine hohe Verantwortung hätte, weil sie heute als erste nach den Richtlinien von „Via sicura" ein Urteil fällen würden. „Lassen Sie sich nicht beirren" mahnte der Staatsanwalt.

Einwandfreier Leumund als Begründung

Das es letztlich doch zu einem milderen Urteil kam Begründet das Gericht mit dem «einwandfreien Leumund» des beschuldigten und seinen «sozial geordneten Verhältnissen».

«Allerdings zeigt der Beschuldigte wenig Einsicht und wenig ehrliche Reue», sagte Gerichtspräsidentin Roth.

Weiter begründete das Gericht sein Urteil mit der Gefährdung, die vom 23-Jährigen ausgegangen war: «Der Beschuldigte hat nicht nur sich, sondern auch Dritte durch elementare Verletzung der Verkehrsregeln gefährdet.»

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