Regionale Unternehmen
170 Aargauer Firmen vom Brexit betroffen – «eine gewisse Unsicherheit»

Die Aargauer Handelskammer rechnet mit einer Frankenaufwertung und Problemen für Exportunternehmen. Im Kanton pflegen 170 Firmen Handelsbeziehungen zu Grossbritannien.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Eine weitere Frankenaufwertung nach dem Brexit stellt die grösste Gefahr für den Werkplatz Schweiz dar.

Eine weitere Frankenaufwertung nach dem Brexit stellt die grösste Gefahr für den Werkplatz Schweiz dar.

KEYSTONE/URS FLUEELER

Peter Lüscher hat persönlich eher damit gerechnet, dass Grossbritannien in der EU bleibt. «Ich habe am Donnerstag noch mit Kollegen über das Thema diskutiert und wir gingen alle davon aus – wie es auch die letzten Umfragen zeigten – dass es ein knappes Nein zum Brexit gibt», sagt der Geschäftsführer der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK). In Gesprächen mit Vorstandsmitgliedern der Handelskammer sei ein möglicher Brexit ein Thema gewesen, sagt Lüscher. «Wir waren uns einig, dass dies sicher keine Vorteile für die Schweizer Wirtschaft bringen würde.»

AIHK-Geschäftsleiter Peter Lüscher.

AIHK-Geschäftsleiter Peter Lüscher.

Zur Verfügung gestellt

"Schweizer Franken schon heute überbewertet"

Heute und morgen werde sich für die Unternehmen nichts ändern, hält er fest, zuerst stünden nun die Austrittsverhandlungen von Grossbritannien mit der EU an. «Sicher ist aber, dass die EU mit sich selber beschäftigt sein wird und der Druck auf den Franken steigt», prognostiziert Lüscher. Dies nicht nur im Verhältnis zum Pfund, das schwächer werden dürfte, sondern auch zum Euro, der ebenfalls an Wert verliere.

Lüscher macht klar: «Aus unserer Sicht ist der Schweizer Franken heute schon überbewertet, wird er noch stärker, bringt das insbesondere für die Exportfirmen eine weitere Belastung.» Im Oktober veranstaltet die AIHK ein Export-Seminar für ihre Mitglieder – sind die Folgen des Brexit dort ein Thema? Nein, sagt Lüscher, und erklärt: «Weil die genauen Auswirkungen heute noch unklar sind, können wir auch noch keine Empfehlungen für unsere Mitgliedfirmen herausgeben.»

Doch wie wichtig ist Grossbritannien überhaupt als Markt für die Aargauer Wirtschaft? Lüscher sagt, gesamtschweizerisch liege der Anteil der Exporte auf die Insel bei rund fünf Prozent. Für den Aargau dürfte diese Quote in einem ähnlichen Rahmen liegen, vermutet er. Weiter erläutert Peter Lüscher: «Von den insgesamt 1700 Firmen, die der AIHK angehören, pflegen etwa 170 Handelsbeziehungen mit Grossbritannien oder haben Interesse daran bekundet.»

Eine dieser Firmen ist die Schoop & Co. AG in Dättwil. Vor gut zehn Tagen gab sich Geschäftsführer Adrian Schoop in der Tagesschau von SRF besorgt. Ein Austritt von Grossbritannien aus der EU könnte negative Auswirkungen auf jene Firmen haben, die ihre Produkte auf die Insel exportieren. Dies gelte auch für sein Unternehmen, das unter anderem Bänder zur Fugenabdichtung bei Gebäuden nach Grossbritannien liefert.

Schoop: «Gewisse Unsicherheit»

Persönlich ging der junge Unternehmer, der auch in der Geschäftsleitung der FDP Aargau sitzt, davon aus, dass Grossbritannien in der EU bleiben würde. Noch am Donnerstagabend habe ihm ein Vertriebspartner aus England per Mail geschrieben, er gehe von einem knappen Resultat aus, glaube aber an einen Verbleib. «Offenbar war die Unzufriedenheit der Bevölkerung doch grösser als erwartet», sagt Schoop am Freitag nach der Abstimmung, als der Brexit feststand.

Kurzfristig werde dieser Entscheid die Situation für sein Unternehmen schwieriger machen, vermutet Schoop. «Es wird eine gewisse Unsicherheit geben, einerseits im Verhältnis von Grossbritannien zur EU, andererseits auf den Finanzmärkten und bei den Währungen.» Schoop geht von einer Phase der Unruhe aus - für seine Firma sei es wichtig, dass dann möglichst bald wieder Stabilität einkehre.

Emil Frey: «Zu früh für Aussagen»

Genau umgekehrt wie bei Schoop ist die Situation bei der Emil Frey AG. Der Importeur aus Safenwil führt Autos mehrerer britischer Marken in die Schweiz ein, unter anderem Aston Martin, Bentley, Jaguar und Land Rover. Es scheint durchaus möglich, dass die Emil Frey AG künftig von einem tieferen Kurs des britischen Pfundes gegenüber dem Franken profitieren könnte. Dürfen dann auch Kunden im Aargau mit niedrigeren Preisen bei Autos englischer Marken rechnen? Immerhin hatten diverse Autohändler in der Schweiz nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses letztes Jahr die Preise zum Teil massiv gesenkt. Man verfolge die weitere Entwicklung nach dem Brexit-Entscheid genau, für eine solche Aussage sei es heute aber noch zu früh, heisst es bei Emil Frey auf Anfrage.