Zum Neujahrswechsel dürfen sie ebenso wenig fehlen wie die guten Vorsätze: Kaminfeger als Symbol des Glücks. Eine, die vom guten Image dieser Fachleute seit Kindheit fasziniert ist, ist Vanessa Jenni. Ihre Begeisterung reichte so weit, dass sich die Vordemwalderin entschied, selber Kaminfegerin zu werden. Im August dieses Jahres startete sie die Lehre bei der Firma Hochuli in Aarburg. «Der Beruf ist sehr vielseitig. Mir gefällt es, mit Leuten in Kontakt zu sein und gleichzeitig ein Handwerk auszuüben.» Dass sie ab und zu aufs Glück angesprochen werde, sei ein schöner Nebeneffekt. «Ich habe keine Mühe damit, wenn mich die Leute berühren wollen, um ein wenig Glück zu erlangen», sagt Jenni, die am 31. Dezember ihren 17. Geburtstag feiert. «Ich bin gerne Glücksbringerin.»

Moderne Geräte im Gepäck

Doch das Bild des Kaminfegers mit Zylinder, Leiter, Rute und Besen sei längst passé. «Wir sind topmodern ausgerüstet, verschiedene Maschinen und Geräte erleichtern uns die Arbeit», erklärt Jenni. Mit Hilfe von speziellen Ruten könne man beispielsweise einen Kamin reinigen, ohne hineinzusteigen.

Nebst den klassischen Aufgaben wie dem Reinigen von Kaminen und Heizungen ist der Kaminfeger immer mehr auch Fachperson für Fragen rund ums Heizen und den CO-Ausstoss. «Der Beruf ist sehr anspruchsvoll, das Tätigkeitsgebiet wird zudem immer technischer», sagt Vanessa Jenni. Das hänge auch damit zusammen, dass moderne Heizanlagen inzwischen mit viel Elektronik ausgestattet seien und grosses Fachwissen erfordern würden.

Fehlender Nachwuchs

«Kaminfeger wird es immer brauchen, man kann sie nicht einfach durch Maschinen ersetzen», ist Vanessa Jenni überzeugt. Sie wünsche sich im kommenden Jahr einen zweiten Lernenden im Betrieb. Doch trotz gutem Image werde es je länger je schwieriger junge Männer und Frauen für den Beruf zu begeistern. Gründe sieht Jenni vor allem darin, dass viele Leute ein falsches Bild vom Beruf des Kaminfegers hätten. Man werde heute nicht mehr so schmutzig wie früher. Ein Aspekt, der Vanessa Jenni nie abgeschreckt hat. «Mir macht Schmutz nichts aus, ich hätte mir auch gut vorstellen können, auf dem Bau zu arbeiten», sagt die Vordemwalderin und erzählt, dass sie in der Oberstufe den Beruf der Kernbohrerin sowie des Metzgers näher angeschaut habe. Doch nichts habe sie so begeistert wie die Tätigkeiten des Kaminfegers.

«Vielleicht liegt es auch daran, dass wir in Vordemwald in einem ‹Kaminfegerhaus› wohnen.» Im Jahre 1923 sei das Gebäude an der Sagigass durch den Kaminfeger Schulthess erbaut worden, zahlreiche seiner Berufskollegen bewohnten in den darauffolgenden Jahren das Haus, bis es die Eltern von Vanessa Jenni erwerben konnten. Sie habe sich immer gefreut, wenn der Kaminfeger zur jährlichen Kontrolle und Wartung gekommen sei. «Es hat mir Spass gemacht, ihm bei der Arbeit zuzuschauen, manchmal habe ich für ihn sogar Musik gemacht», erinnert sich Vanessa Jenni, die in ihrer Freizeit dem Schwingsport frönt und in der Trachtengruppe Rothrist das Tanzbein schwingt. Einmal im Leben Schwingerkönigin zu werden, sei ihr grosser Traum. Vorsätze fürs neue Jahr nimmt sich die Vordemwalderin deswegen aber keine. «Ich nehme Tag für Tag und ich erfreue mich daran, wenn ich im Schwingen vorwärtskomme und in der Berufsschule weiterhin gute Noten schreibe.» Damit mache sie nicht nur sich, sondern auch gleich noch ihren Chef glücklich.

Einzige Frau im Geschäft

Dass Vanessa Jenni in einer Männerdomäne tätig ist, stört die angehende Kaminfegerin nicht. Sie werde deswegen – in Betrieb und Berufsschule ist sie derzeit die einzige Frau – nicht anders behandelt. «Ich arbeite sowieso lieber mit Männern zusammen, auf Zickenkrieg kann ich gerne verzichten», sagt die Lernende, die es schätzt, dass ihr die Kunden Vertrauen schenken. Ein- bis zweimal im Jahr gewähren die Leute den Kaminfegern Zutritt in die eigenen vier Wände. Noch heute würden sich die Menschen dankbar zeigen für die geleistete Arbeit.

«Früher konnten dank dem Einsatz des Kaminfegers, der das Haus von Pechrückständen befreite, Brände verhindert werden. Auch deshalb hat der schwarze Mann als Glücksbringer gegolten», erklärt Vanessa Jenni. Heute komme es aufgrund der regelmässigen Kontrollen nicht mehr so schnell vor, dass ein Haus wegen Kaminbrand in Flammen aufgehe. Eines ist bei den Kaminfegern aber über all die Jahre gleich geblieben: Sie sind das Symbol des Glücks.