Bahn
163 Millionen Franken: Die S-Bahn wird im Aargau massiv ausgebaut

Im Aargau fehlt es an Gleisen, Bahnhöfen und Perrons, um Züge noch schneller, in noch kürzerer Zeit durch den Kanton rollen zu lassen. Mit dem soll Schluss sein: Die Infrastruktur wird mit 163 Millionen Franken bis ins Jahr 2021 erneuert.

Hans Lüthi
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Für längere S-Bahn-Züge muss der Mittelperron des Bahnhofs Boswil-Bünzen ausgebaut werden.

Für längere S-Bahn-Züge muss der Mittelperron des Bahnhofs Boswil-Bünzen ausgebaut werden.

Es klingt verrückt, ist aber tägliche oder stündliche Wirklichkeit: Von Zofingen ist man heute mit dem Zug schneller in Bern als in Aarau. Die Reise in die Bundeshauptstadt dauert 28 Minuten, jene in die Kantonshauptstadt 29 oder 30 Minuten.

Ein typisches Beispiel. Aber es fehlt an Gleisen, Bahnhöfen und Perrons, um die Züge durchgehend rollen zu lassen.

Das nationale Nadelöhr Aarau-Olten muss zuerst durch den Eppenbergtunnel ausgeweitet werden, um den nötigen Platz auf den Schienen zu schaffen. Der Vierspur-Ausbau für 890 Millionen Franken soll im Jahr 2020 fertig sein.

Dank der Inbetriebnahme erster Bauwerke und einem temporären Wendegleis nach dem Aarauer Stadttunnel «kommt es bei verschiedenen S-Bahnen schon früher zu einem Quantensprung», sagt Reto Kobi, öV-Projektleiter in der Abteilung Verkehr.

Konkret geht die Fahrzeit von Zofingen nach Aarau von 30 auf 18 und 20 Minuten zurück, nach Brugg von 45 auf 37 und 39 Minuten.

Fahrplan 2021 ist schon bereit

«Der Fahrplan 2021 steht schon, wir müssen immer weit voraus und vernetzt denken», betont Kobi zur ebenso komplexen wie langfristigen Planung. «Unser Ziel ist es, überall auf den S-Bahn-Strecken im Aargau den Halbstundentakt einzuführen», fügt Verkehrsplaner Jürg Bitterli bei.

Vielerorts sind heute und morgen Ausbauten der Bahnhöfe nötig, wobei tiefe Millionensummen als eher kleine Fische gelten.

Das verdeutlichen die Zahlen im Angebotskonzept 2016 bis 2021. Weil Bund und SBB in den nächsten zehn Jahren über 1,1 Milliarden Franken (inklusiv Eppenberg) investieren, springt der Aargau auf den Bauzug auf.

Die einmalige Chance soll genutzt werden, mit dem Ausbau der Bahnhöfe auch gleich die Weichen für die Zukunft der S-Bahnen richtig zu stellen.

Planung 162 Millionen Franken

Ohne die 71 Millionen Franken für die im Bau stehende Erneuerung der Bahnhöfe im unteren Aaretal (bis Bad Zurzach) fallen bis 2021 nochmals 162 Millionen Franken an.

Mehr als die Hälfte ist jedoch nötiger Substanzerhalt und geht auf die Kappe der SBB. Für den Aargau verbleiben rund 42 Prozent oder 40 Millionen Franken.

Genau 7,3 Millionen Franken müssen die Gemeinden insgesamt beisteuern – was kaum zu Reklamationen führt.

Die Kommunen sind eher dankbar für modernere Bahnhöfe und können den ganzen öV-Ausbau kaum erwarten. So sind die meisten Kredite schon bewilligt, nur Othmarsingen und Wohlen entscheiden erst im Spätherbst.

Ende 2013 im Grossen Rat

Auch für den noch nötigen Entscheid der hohen Politik sind die Projektleiter zuversichtlich. Erstens hat das Parlament bisher die nötige öV-Finanzierung grosszügig unterstützt, zweitens sind die Ausbauten schon im Mehrjahres-Programm enthalten.

Die Absichten darin hat der Rat schon im Frühjahr 2013 zur Kenntnis genommen. Gemäss dem politischen Fahrplan läuft die öffentliche Anhörung noch bis zum 27. September, im Oktober kommt das Paket vor die Regierung. Gegen Ende Jahr folgt die Behandlung im Grossen Rat.

Der Ausbau des S-Bahn-Netzes im Kanton berücksichtigt auch neue Entwicklungen. So entsteht ab Fahrplan 2017 eine neue Bahnverbindung von Muri nach Brugg, um den vielen Dozenten und Studierenden der Fachhochschule ein attraktives Angebot zu bieten.

Das gilt auch für jene aus dem Westaargau, die auf den Schienen statt auf den immer stärker verstopften Strassen ins neue Bildungszentrum Brugg-Windisch fahren wollen.

Prognosen der SBB bis 2030

Beim starken Wachstum der Bevölkerung steigt die Nachfrage laufend, zu Pendlerspitzen sind viele Züge prallvoll.

Eindrücklich sind die Prognosen 2030 der SBB für den Regionalverkehr: Plus 41 Prozent von Schinznach-Bad bis Brugg, +51 Prozent von Zofingen bis Oftringen, +62 Prozent von Mellingen-Heitersberg ins Limmattal und +83 Prozent von Neuenhof bis Killwangen-Spreitenbach.

Natürlich hören die Fahrplan-Spezialisten auch die Forderungen der Stadt und Region Aarau nach weiteren Schnellzughalten.

Aber «die Netzkapazitäten für den Fernverkehr sind bis zur Realisierung der Neubaustrecke Chestenberg erschöpft». Die SBB müssen auch den nötigen Platz für die Güterzüge freihalten.

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