Schülerstudium
16-Jährige aus Aarau studieren an der Uni – ohne Matur

Ein Begabtenförderungsprojekt erlaubt es einigen Maturanden, sich schon vor ihrem Abschluss an einer Uni einzuschreiben. Zu ihnen gehören die 16-jährigen Audrey Meier und Nina Kathe von der Alten Kantonsschule Aarau. Sie befassen sich an der Uni mit dem Obligationenrechts respektive der Neurogenese.

Seraina Ummel
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Audrey Meier und Nina Kathe besuchen als Schülerstudentinnen wöchentlich eine Veranstaltung der Universität Basel.

Audrey Meier und Nina Kathe besuchen als Schülerstudentinnen wöchentlich eine Veranstaltung der Universität Basel.

Audrey Meier und Nina Kathe könnten verschiedener nicht sein. Während Audrey jedes Wort sehr überlegt in einem Satz platziert und Klavier spielt, sprudelt Nina vor Redseligkeit und macht Karate. Doch eines haben die beiden 16-jährigen Gymnasialschülerinnen der Alten Kantonsschule Aarau gemeinsam: Beide sind sie hochbegabt und wollen gefördert werden.

Und dies werden sie auch. Nina Kathe und Audrey Meier sind zwei von elf Bewerberinnen aus dem Aargau, welche im Rahmen eines Begabtenförderungsprojekts als Schülerstudenten an die Universität Bern oder Basel gehen. Mit momentan 58 Schülerstudenten verzeichnet letztere dieses Jahr Rekordzahlen. Besonders beliebt sind die Studienfächer Mathematik, Biologie und Rechtswissenschaften.

In der Nordwestschweiz besteht das Schülerstudium seit dem Jahr 2012 und soll besonders leistungsstarke und motivierte Schüler zusätzlich fördern. Audrey und Nina werden dazu für einen Halbtag vom regulären Unterricht dispensiert und besuchen in dieser Zeit eine von ihnen ausgewählte Veranstaltung an der Hochschule Basel.

Jus und Biologie

Während Audrey im riesigen Hörsaal der juristischen Fakultät sitzt und Vorlesungen zum Obligationenrecht besucht, ist Nina am Biozentrum eingeschrieben. Wöchentlich verfasst sie dort einen Aufsatz über Neurogenese oder die Plastizität des Gehirns. In einem Tutoriat werden die Themen dann mit einem Professor besprochen und ihre Texte verbessert.

Um am Schülerstudium teilnehmen zu können, müssen die Gymnasiasten ein Motivationsschreiben verfassen und der Bewerbung zwei Empfehlungsschreiben ihrer Lehrpersonen beilegen. Ansonsten sind keine Notendurchschnitte für die Teilnahme am Schülerstudium festgelegt.

Fachbücher zu Hause im Regal

Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme am Schülerstudium sind aber eine hohe Motivation sowie viel Organisationstalent: «Ich bin organisatorisch gesehen schon besser dran als die meisten meiner Klasse», sagt Nina. Auch sonst unterscheidet sie sich von Gleichaltrigen. Bei ihr zu Hause steht ein ganzes Spektrum an Fachbüchern im Regal: Literatur zur Organischen Chemie, Astronomie oder Psychologie hat sie aufmerksam Seite für Seite durchgelesen. «Schon in der Bezirksschule musste ich mich mit Schulstoff der Kantonsschule beschäftigen.»

Auch Audrey musste sich schon früh selber unterhalten. Mit dem Schülerstudium sei der Kanti-Alltag aber nicht mehr langweilig. Vor allem schätzt sie es, mit älteren Studenten ins Gespräch zu kommen: «Alle sind sehr interessiert und fragen mich, wie ich ohne die Matura schon an die Universität komme. Auch ist es toll, den Studentenalltag so hautnah mitzuerleben.»

Kreditpunkte für das Studium

Ausser dem tiefen Einblick ins Universitätsleben können die Schülerstudenten schon vor Abschluss der Kantonsschule Kreditpunkte sammeln, welche sie sich für weiterführende Studiengänge an ihr Kontingent anrechnen lassen können. Was die beiden nach der Kantonsschule machen werden, ist noch offen. Beide tendieren zu einem Medizinstudium. Bis zur definitiven Immatrikulation an einer Universität müssen aber auch sie sich noch bis zum Maturaabschluss gedulden.

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