Asylwesen

154 Flüchtlinge pro Monat – Nicht nur im Aargau herrscht Platznot

Täglich teilt der Bund dem Aargau mehrere Asylbewerber zu: Reto Pfister empfängt im Erstaufnahmezentrum Casa Torfeld in Buchs ein Flüchtlingspaar.

Täglich teilt der Bund dem Aargau mehrere Asylbewerber zu: Reto Pfister empfängt im Erstaufnahmezentrum Casa Torfeld in Buchs ein Flüchtlingspaar.

Auch die umliegenden Kantone suchen nach Unterkünften für Flüchtlinge. Am prekärsten ist die Lage in Luzern, wo die kantonalen Asylzentren mit 135 Prozent massiv überbelegt sind.

154 Flüchtlinge wurden dem Kanton Aargau in den letzten vier Wochen laut der «Schweiz am Sonntag» zugewiesen, die Asylunterkünfte sind zu 100 Prozent belegt. In den Nachbarkantonen sieht die Situation nicht besser aus, wie eine Umfrage der Aargauer Zeitung zeigt.

Jris Bischof, Leiterin Sozialamt des Kantons Zug, hält fest: «Wir stellen derzeit in rund 50 Unterkünften ungefähr 700 Plätze zur Verfügung, die ausgelastet sind.»

Nun werde einerseits verdichtet und andererseits die Suche nach neuen Kapazitäten verstärkt. Verdichten heisst im Klartext, dass zusätzliche Klappbetten oder Matratzen in den Asylunterkünften aufgestellt werden.

So lässt sich erklären, wie Überbelegungen zustande kommen, wie sie die Kantone Luzern (135%), Basel-Stadt (über 100%) und Solothurn (114%) aufweisen.

Silvia Bolliger, Leiterin Kommunikation im Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern, sagt dazu: «Momentan haben wir zwei kantonale Asylzentren, beide sind überbelegt.»

Weil auch die Wohnungskapazitäten an den Grenzen angelangt sind, plant der Kanton Luzern neue Zentren, die Mitte 2015 eröffnet werden sollen.

«Allerdings sind bei zwei Projekten mit zusammen 155 Plätzen Beschwerden gegen die Baubewilligung hängig», hält Bolliger fest. Deshalb laufe die Suche nach Mietwohnungen und die Vorbereitung von Notunterkünften in Zivilschutzanlagen.

Der Kanton Solothurn verfügt laut David Kummer, Abteilungsleiter beim Amt für soziale Sicherheit, über drei Durchgangszentren mit einer Kapazität von 214 Personen. Diese sind überbelegt: «Insgesamt sind in den kantonalen Strukturen 300 Asylsuchende untergebracht: 247 Personen halten sich in den Durchgangszentren auf, 53 Personen sind auf kleinere dezentrale Wohneinheiten verteilt», rechnet Kummer vor.

Nur knapp unter 100 Prozent liegt die Belegungsquote im Kanton Bern, wie Iris Rivas, Leiterin des Migrationsdienstes, erläutert. «Die Platzkapazitäten sind am Anschlag, deshalb stehen wir mit verschiedenen Gemeindebehörden in Kontakt, um kurzfristig weitere Unterkünfte zu eröffnen.»

Etwas besser sieht die Lage im Kanton Baselland aus, wie Asylkoordinator Rolf Rossi sagt. «Bei uns gibt es keine kantonalen Zentren, die Asylbewerber werden vom ersten Tag an den Gemeinden zugeteilt.»

Dies klappe relativ gut, dennoch wünsche sich der Kanton ein Erstaufnahmezentrum, um Schwankungen bei zugewiesenen Flüchtlingen aufzufangen. Die zwei bisherigen Anläufe für ein solches Zentrum sind aber in Gemeindeversammlungen und Abstimmungen gescheitert», bedauert Rossi.

Zürich mit Sonderregelung

Speziell ist die Situation in Zürich, wie Urs Grob, Kommunikationsbeauftragter der Sicherheitsdirektion, erklärt. Eigentlich müsste der Kanton 17 Prozent aller Asylbewerber der Schweiz aufnehmen.

«Diese Quote wird um jährlich mehrere hundert Personen reduziert, weil der Kanton Zürich für das Asylsystem zentrale Leistungen erbringt.»

Konkret sind dies die Ausschaffungen ab dem Flughafen Kloten und das Testzentrum für schnellere Verfahren in der Stadt. Grob gibt auch auf Nachfrage nicht bekannt, wie viele freie Asylplätze in Zürich noch verfügbar sind.

Er hält aber fest: «Es ist nicht vorgesehen, die Kapazität der kantonalen Einrichtungen von 1700 Personen zu erweitern oder den Aufnahmequotienten für Gemeinden von 0,5 Prozent auf einen höheren Wert anzuheben.»

Meistgesehen

Artboard 1