«Es gibt kein schlechtes Wetter für eine Schifffahrt. Ob sonnig, neblig, wolkenverhangen oder regnerisch – der Hallwilersee ist immer ein tolles Erlebnis.» So wirbt die Schifffahrtsgesellschaft, die im Sommer die neue «MS Delphin» in Dienst stellte, auf ihrer Website um Passagiere. Das moderne Flaggschiff ist am Sonntag zum letzten Mal diese Saison im Kurseinsatz, nachher finden noch Gourmetfahrten statt. Der fast endlose Sommer dürfte der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee einen neuen Passagierrekord bescheren, wie Geschäftsführer Ueli Haller auf Anfrage sagt. «Die genauen Zahlen liegen noch nicht vor, ich gehe aber davon aus, dass wir zum ersten Mal mehr als 140'000 Fahrgäste befördert haben.»

Das schöne Wetter brachte für die Schifffahrt auf dem Hallwilersee aber auch Probleme mit sich. «In den 1940er-Jahren lag der Seepegel noch tiefer, aber für die neuere Zeit ist der Wasserstand sehr aussergewöhnlich», sagt Haller. Die Schiffe liegen im Verhältnis zum Ufer deutlich tiefer als üblich, der Einstieg ist für weniger trittsichere Passagiere heikel. Darum mussten bei Haltestellen provisorische Rampen installiert werden. «Wenn der See weiter jede Woche vier bis fünf Zentimeter verliert, wird es eng, sagte Haller Ende August. Damals gab es Befürchtungen, die Schifffahrt müsste eingestellt werden. Soweit kam es nicht, durch das erschwerte Ein- und Aussteigen gab es aber Verspätungen von bis zu 15 Minuten bei den Schiffskursen.

Gar nicht anlegen können die Passagierschiffe in Rheinfelden, der Pegelstand des Rheins ist zu niedrig. Deshalb wartet der «Rhystärn», das neue Flaggschiff der Basler Personenschifffahrt (BPG), auf seine Jungfernfahrt in den Aargau. «Es fehlen rund 30 Zentimeter Wassertiefe, damit Schiffe anlegen können», sagte Frédéric Petignat, Leiter Marketing der BPG, kürzlich.

Schifffahrt auf Hallwilersee wird zur Herausforderung

Tiefer Pegel: Schifffahrt auf Hallwilersee wird zur Herausforderung

Sogar die Einstellung des Betriebs war ein Thema. (Video vom August 2018)

Schonzeit für Äschen verlängert

Augenfällig sind die Folgen des scheinbar endlosen Sommers im Aargau auch an anderen Flüssen und Bächen. Vielerorts an Aare, Limmat, Reuss und Rhein sind Sand- und Kiesbänke sichtbar, die sonst unter Wasser liegen. Der tiefe Wasserstand hat Folgen für die Flusskraftwerke, bei mehreren Anlagen im Aargau laufen nicht alle Turbinen, die Stromproduktion ist deutlich geringer als sonst üblich.

Kritisch ist die Situation auch für die Fische. Ein grösseres Fischsterben ist im Aargau zwar ausgeblieben, nur vom Rhein und von der Reuss gab es Einzelmeldungen von toten Fischen. Die Wassertemperaturen von bis zu 26 Grad hätten die Tiere aber geschwächt. Deshalb empfahlen der Fischereiverband und der Kanton vor einem Monat, die Schonzeit für Äschen auszudehnen. Statt wie üblich von Februar bis Ende April, soll die Fischart vom 1. Oktober bis Ende April geschont werden.

Freude bei Obst- und Rebbauern

Gleich mehrere Bäche, vorab im Freiamt und im Fricktal, führen wegen der anhaltenden Trockenheit überhaupt kein Wasser mehr. Schon früh im Sommer verbot der Kanton den Bauern, Wasser aus Bächen für ihre Kulturen zu entnehmen. Später untersagten auch die Gemeinden die Bewässerung, für Gemüsebauern brachten diese Verbote beträchtliche Ernteausfällen.

Mit einem guten Ertrag und hoher Qualität rechnen hingegen die Obstbauern und Winzer, die 2017 unter Frostnächten gelitten hatten. Bei den Tafeläpfeln wird eine Ernte von über 5000 Tonnen erwartet – deutlich mehr als im vergangenen Jahr. 2018 wird im Aargau auch ein gutes Weinjahr, wie Fachspezialist Urs Podzorski vom Kanton sagt. Der Jahrgang dürfte mit 2003 und 2015 vergleichbar sein, der Ertrag deutlich über dem langjährigen Schnitt liegen.

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