Pensionskassengelder
140-Millionen-Betrug: Aargauer ist mitverdächtig

Ein Mann aus Oftringen ist in ein laufendes Strafverfahren wegen veruntreuter Pensionskassengelder verwickelt.Es geht um hohe Millionenbeträge.

Michael Flückiger
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Der Aargauer wird beschuldigt, 5,5 Millionen abgezweigt zu haben. (Symbolbild).

Der Aargauer wird beschuldigt, 5,5 Millionen abgezweigt zu haben. (Symbolbild).

Keystone

Im letzten Jahr hat das Bezirksgericht Zofingen im Rahmen eines Zivilverfahrens darauf erkannt, dass ein Oftringer Geschäftsmann mindestens 5,5 Millionen Franken ertrogen hat.

Der seit 20 Jahren im Immobilienwesen tätige Oftringer hatte in Brittnau, Oensingen und Widen drei Immobilien zu einem Kaufpreis von total 22,65 Millionen Franken erworben. Zur Finanzierung und Sanierung dieser drei Objekte gelang es ihm, ein Hypothekardarlehen über 29,8 Millionen Franken zu erhalten. 5,5 Millionen Franken aus dem Delta zwischen Kaufpreis und Hypothekarkredit strich er selber ein, ohne die Renovationen auszuführen.

Sein Betrug flog auf, als er die Firma, die er zu diesem Zweck gegründet hatte, an einen Dritten verkaufte. Und zwar zu 29,8 Millionen Franken. Den Käufer liess er glauben, das für Renovationen gedachte Geld liege noch bei einem Notar.

Im Zivilverfahren vom letzten Frühjahr hatte sich die Käuferin die fehlenden 5,5 Millionen Franken erfolgreich erstritten. Doch woher hatte der Oftringer Geschäftsmann diese 29,8 Millionen Franken Hypothekarkredit für Liegenschaften, die 22,65 Millionen wert waren, erhalten? Sie stammen offenbar aus dem Vermögen der Genfer Pensionskassenstiftung Hypotheka. Geflossen sind sie via die Fondation Hypotheka, die die Gelder der Stiftung verwaltet.

Das Gesetz sagt klar: Pensionskassen dürfen keine Hypotheken sprechen, die über 80 Prozent des Liegenschaftspreises hinausgehen. Die Fondation Hypotheka hätte via Oftringer Mittelsmann folglich lediglich 18 Millionen in die 22,65 Millionen Franken teuren Immobilien stecken dürfen. Dass die Fondation so leichtsinnig Kredite gegeben hat, ohne den eingekauften Gegenwert zu prüfen, hat offenbar System.

Bereits Ende 2013 hat die Staatsanwaltschaft Genf auf Klage der Hypotheka-Stiftung ein Strafverfahren aufgenommen. Im Visier stehen der Geschäftsführer der Fondation Hypotheka und neben anderen Beteiligten auch der Oftringer Geschäftsmann. Es besteht konkreter Verdacht auf Dokumentenfälschung, Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung.

Die Betrugssumme soll, so war es im Frühjahr 2014 im Tagesanzeiger nachzulesen, bei 140 Millionen Franken liegen. Die Höhe dieses Betrags soll die Stiftung ihren beteiligten Pensionskassen an der GV vom 25. März 2014 selbst mitgeteilt haben. Zum Vergleich: Die gesamthaft in der Stiftung vereinten Pensionskassengelder beziffern sich auf rund 1,3 Milliarden Franken. In den letzten zwei Jahren hat die Genfer Staatsanwaltschaft zugearbeitet. Zur Anlage ist es noch nicht gekommen.

Eine konkrete Anfrage bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau ergibt folgendes aktuelles Bild: Der Oftringer Geschäftsmann ist tatsächlich beschuldigt. Vorgeworfen wird ihm aber lediglich der Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Zusammenhang mit der Verwendung der erhaltenen Gelder. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau bestätigt weiter, dass sie im November 2013 den Genfer Kollegen Rechtshilfe geleistet habe. Im Gegenzug habe sie selber Unterlagen erhalten, könne aber wegen des laufenden Verfahrens keine Auskunft geben. Sie teilt aber auch mit: In einem separat geführten Strafverfahren im erweiterten Zusammenhang mit dem Hypotheka-Fall sei der Oftringer Geschäftsmann per Strafbefehl wegen Urkundenfälschung verurteilt. Affaire à suivre ...