Finanzen
134 Aargauer Gemeinden sitzen auf einem Schuldenberg

134 der insgesamt 216 Aargauer Gemeinden waren im Jahr 2013 höher verschuldet als 2012. Diese Gemeinden wiesen Schulden von 584 Mio. Franken aus. Pro Einwohner betragen die Schulden 1467 Franken.

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134 der Aargauer Gemeinden stehen in der Kreide. (Symbolbild)

134 der Aargauer Gemeinden stehen in der Kreide. (Symbolbild)

AZ

Laut neuster Gemeindefinanzstatistik betrug die Nettoschuld aller Aargauer Gemeinden per Ende 2013 zusammen 144 Millionen Franken. Im Jahr davor hatte noch eine Nettoschuld von 27 Millionen Franken resultiert. Und nochmals ein Jahr zuvor, also 2011, hatten die Gemeinden netto sogar erstmals seit Jahrzehnten ein kleines Nettovermögen vorweisen können.

Längerfristig betrachtet, konnten die Gemeinden allerdings über eine Milliarde Franken Schulden abzahlen. Noch 1996 hatte jeder Aargauer und jede Aargauerin auf Stufe Gemeinde durchschnittlich 2037 Franken Schulden. Laut Statistik 2013 sind es nun pro Kopf der Bevölkerung noch 226 Franken.

Doch nun ist eine Trendwende festzustellen: So wie die Schulden jetzt wieder steigen, klettern auch die Steuerfüsse wieder nach oben, nachdem sie zuvor jahrelang gesenkt werden konnten. 2012 betrug der durchschnittliche Steuerfuss 103,2 Prozent, 2013 waren es bereits wieder 103,6 Prozent. Aber auch dieser Anstieg ist relativ. Ein Blick weiter zurück zeigt: Die Steuerfüsse waren früher höher. Noch 1995 betrug der durchschnittliche Steuerfuss der Aargauer Gemeinden 112,8 Prozent.

134 Gemeinden mit Schulden

Von den damals noch 216 Gemeinden (aktuell sind es 213) hatten 82 keine Nettoschulden. Die übrigen 134 Gemeinden wiesen indessen eine Nettoschuld von insgesamt 584 Millionen Franken beziehungsweise 1 467 Franken pro Einwohner auf. Aus der Verzinsung der Vermögen und Schulden resultierten für die Gemeinden Einnahmen von netto 9,6 Millionen Franken.

Verschuldung steigt weiter

Obwohl die Nettoverschuldung der Aargauer Gemeinden 2013 also wieder auf 226 Franken pro Einwohner gestiegen ist, kann deren finanzielle Lage laut Einschätzung von Markus Urech, Leiter des Gemeindeinspektorats im Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI), «nach wie vor als gut beurteilt werden».

Aber ist die Kluft zwischen den vermögenden und den verschuldeten Gemeinden grösser geworden? Wenn man die Situation rein rechnerisch betrachte, sei sie grösser, so Urech. Man könne aber nicht sagen, dass der Schuldenzuwachs bei den ohnehin Schwachen stattgefunden habe.

Er sei vorab darauf zurückzuführen, dass die Nettoinvestitionen deutlich höher waren als die Selbstfinanzierung. Urech: «Viele Gemeinden haben einen Investitions-Nachholbedarf, besonders bei Schulbauten. Man muss deshalb davon ausgehen, dass sich die Nettoverschuldung in den nächsten zwei, drei Jahren nochmals erhöhen wird.»

Die Steuereinnahmen und der Anstieg der Gesamtaufwendungen der Gemeinden von durchschnittlich 2,2 Prozent lägen etwa im Bereich der Erwartungen. Die Leistungsfähigkeit bleibe also etwa gleich hoch, so Urech weiter.

Gesamtaufwand: 2,6 Milliarden

Der Nettoaufwand aller Gemeinden erhöhte sich gegenüber 2012 um 2,2 Prozent auf rund 1,486 Milliarden Franken. Mit Berücksichtigung von Passivzinsen, Abschreibungen und Finanzausgleich erreichte der Gesamtaufwand laut neuster Statistik 2,6 Milliarden Franken (4 100 Franken pro Einwohner) und stieg damit um 0,2 Prozent. Wegen der um 1,3 Prozent anwachsenden Bevölkerung sank der Gesamtaufwand pro Einwohner aber im Vergleich zum Vorjahr um 42 Franken.

Der Steuerertrag aller Aargauer Gemeinden (inklusive Finanzausgleich) erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken (Vorjahr 1,676 Milliarden). Das Investitionsvolumen (Nettoinvestition) der Gemeinden betrug 363 Millionen Franken und liegt damit 71,4 Millionen Franken über dem Vorjahreswert. Der Selbstfinanzierungsgrad betrug noch 61,6 Prozent (Vorjahr 79,1 Prozent).

87 Gemeinden mit Überschuss

Unter dem Strich bleibt ein Cashflow von 214,5 Millionen Franken. Abzüglich der Nettoinvestitionen der Investitionsrechnung von 363,5 Millionen Franken resultiert ein Finanzierungsfehlbetrag von 149 Millionen Franken. Von den 216 Gemeinden wiesen im Jahr 2013 deren 87 einen Finanzierungsüberschuss von zusammen 70,9 Millionen Franken aus, die übrigen 129 Gemeinden verzeichneten einen Fehlbetrag von 220 Millionen Franken.

Firmensteuern schwanken

Die Statistik zeigt weiter, dass die Steuererträge von natürlichen Personen seit dem Jahr 2000 kontinuierlich und verlässlich angestiegen sind. Derweil gibt es bei den Steuern juristischer Personen (Firmen) grosse Schwankungen. Im Jahr 2002 betrugen sie 96 Millionen Franken, um bis 2008 auf 199 Millionen anzusteigen. In der Finanzkrise sackten sie 2009 auf 161 Millionen Franken ab. Bis 2013 kletterten sie wieder auf knapp 177 Millionen Franken.

Die Gemeindefinanzstatistik kann bei Statistik Aargau (Telefon: 062 835 13 00) oder via www.ag.ch/statistik › Publikationen › Bestellungen bezogen werden.