Interaktive Karte

13'200 Polizeimeldungen seit 2000: In diesen Aargauer Gemeinden war die Polizei am häufigsten gefordert

Polizisten am Aarauer Bahnhof: In der Kantonshauptstadt steht die Kapo am häufigsten im Einsatz.

Polizisten am Aarauer Bahnhof: In der Kantonshauptstadt steht die Kapo am häufigsten im Einsatz.

Wir haben sämtliche 13'200 Mitteilungen der Kantonspolizei Aargau zwischen Juni 2000 und Mai 2018 ausgewertet. In einer Serie präsentieren wir die Ergebnisse. Teil 1: Aus diesen Gemeinden berichtete die Polizei am häufigsten.

In Aarau überfällt ein bewaffneter Mann eine Edelmetallhandlung. Auf der A1 in Oftringen erwischt die Polizei einen Falschfahrer mit über 1,7 Promille Alkohol im Blut. In einer Reinacher Bar brennt es und in Untersiggenthal greifen Einbrecher eine 69-jährige Frau in ihrem Haus an. Der 13. November 2013 war ein strenger Tag für die Medienabteilung der Kantonspolizei Aargau. Elf Meldungen verschickte sie an diesem Mittwoch, so viele wie an keinem anderen Tag seit Juni 2000. So weit reicht das Online-Archiv der Polizei zurück. Über 13'200 Meldungen haben sich in den vergangenen 18 Jahren darin angesammelt. Die AZ hat sie nach Delikten und Orten ausgewertet.

Daten: Kapo AG, Auswertung und Visualisierung: Mark Walther

Was zeigt die Karte?

Rot markiert ist die Gesamtzahl der Medienmitteilungen, die die Aargauer Kantonspolizei für Vorfälle in dieser Gemeinde von Juni 2000 bis Mai 2018 verschickt hat. Bei Gemeinden, auf deren Gebiet ein Autobahnabschnitt liegt, ist angegeben, wie viele Mitteilungen einen Vorfall auf der Autobahn betreffen.

Was zeigt die Karte nicht?

Die Kapo informiert die Medien nicht über jedes Delikt, verschickt hingegen zu gewissen – etwa dem Vierfachmord Rupperswil – mehrere Meldungen. Die Karte bildet also nicht die ganze Kriminalität im Kanton ab. Das tut die Kriminalstatistik. Diese liefert aber nur zu grösseren Gemeinden Daten (eine Karte zur aktuellen Kriminalstatistik finden Sie hier).

Welche Gemeinden kommen am häufigsten vor?

Es sind alles Gemeinden mit mehr als 10'000 Einwohnern:

  1. Aarau: 865 Meldungen
  2. Baden: 641
  3. Wohlen: 427
  4. Lenzburg: 388
  5. Wettingen: 317
  6. Oftringen: 317
  7. Brugg: 307
  8. Spreitenbach: 285
  9. Suhr: 274
  10. Rheinfelden: 255

Welche Gemeinden kommen am seltensten vor?

Zwei Gemeinden kommen überhaupt nie vor:

  • Kallern, Böbikon: 0
  • Uezwil: 1
  • Effingen, Wislikofen: 2
  • Wegenstetten, Wiliberg: 3
  • Islisberg, Baldingen: 4
  • Geltwil, Olsberg, Attelwil, Kaiserstuhl: 5

Über welche Delikte informiert die Polizei öffentlich?

  • Unfälle, Brände und Naturereignisse von öffentlichem Interesse.
  • Einbrüche – aber längst nicht über jeden, wie Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, sagt.
  • Schwere Straftaten wie Tötungsdelikte und Raubüberfälle.
  • Die Kapo informiert auch präventiv, etwa wenn sie vor Enkeltrickbetrug, Skimming am Bankomat oder Spoofing (zB. Manipulation der E-Mail-Adresse) warnt.

"Hinter jeder Meldung muss eine Botschaft stecken", sagt Graser. Bei einem Junglenker-Unfall gehe es nicht darum, Junglenker zu diskreditieren, sondern andere zu sensibilisieren. Graser nennt den tödlichen Unfall in Bünzen als Beispiel: Ein 15-jähriger Töfflifahrer starb nach einer Kollision mit einem Traktor. Der gleichaltrige Fahrer hatte den Vortritt missachtet. Ein Feld mit hochstehendem Mais hatte ihm die Sicht erschwert. "Wer das liest, erinnert sich hoffentlich daran und ist vorsichtig, wenn er an einem Maisfeld vorbeifährt", sagt Graser.

Bünzen trauert um Mofa-Lenker (†15)

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Wann informiert die Polizei nicht?

Suizide kommuniziert die Kapo in der Regel nicht. Bei Sexualdelikten geht sie nur an die Öffentlichkeit, wenn es der Aufklärung der Straftat dient, sprich: Wenn sie sich Informationen von Zeugen erhofft.

Wie hält es die Polizei mit Täternationalitäten?

Ein Kommunikationsschwerpunkt der Kapo liegt auf der Bekämpfung serieller, grenzüberschreitender Kriminalität. Sie nennt auch die Täternationalität. Es gehe darum, ein Phänomen aufzuzeigen, erklärt Graser. Gemeint ist die Tatsache, dass nahe der Grenze zu Deutschland häufig Kriminelle aus Osteuropa aktiv sind. Die Landeszugehörigkeit der Täter nicht zu nennen, wie das die Zürcher Stadtpolizei seit November 2017 macht, ist laut Graser kein Thema. Üblicherweise teile man Alter, Nationalität und Wohnregion mit – eine allfällig vom Pass abweichende Herkunft hingegen nicht. Bürger fragen deshalb ab und zu per Mail, ob der Täter ein eingebürgerter Schweizer sei. Darauf geht die Polizei nicht ein: "Wir wollen keine Polemik betreiben", sagt Graser.

Wie erfolgreich sind Zeugenaufrufe?

Wie die Grafik der häufigsten Wörter in den Polizeimeldungen zeigt, arbeitet die Kapo oft mit Zeugenaufrufen.

In jeder vierten Meldung sucht die Polizei Zeugen. Eine Erfolgsquote erhebt die Kapo nicht. Graser schätzt sie aber nicht besonders hoch: "Über den Daumen gepeilt sind es etwa zehn Prozent." Bei Einbrüchen sei sie praktisch gleich null. Weil Einbrecher oft nachts im Gewerbe einbrechen, seien kaum Augenzeugen vorhanden.

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