Zu den Eingriffen, die künftig nur noch ambulant vorgenommen werden sollen, gehören Behandlungen und Untersuchungen an Herz, Blutgefässen, Händen und Füssen, Leisten und Knien. Konkret betroffen sind etwa Kniearthroskopien, die Entfernung von Nierensteinen, Operationen des grauen Stars oder Herzkatheteruntersuchungen.

Ambulant durchgeführt, sind diese Eingriffe zweckmässiger und wirtschaftlicher als stationäre Aufenthalte in den Spitälern. Mit der neuen Spitalverordnung, die am 1. Januar 2018 in Kraft tritt, will der Regierungsrat sowohl die Effektivität als auch die Effizienz der Gesundheitsversorgung verbessern. Das Departement Gesundheit und Soziales hat zusammen mit dem Branchenverband die Kriterien und Grundlagen dazu erarbeitet.

Einsparungen von 5 Millionen

Günstiger werden diese Behandlungen, weil sie unnötige stationäre Spitalaufenthalte vermeiden. Dieser volkswirtschaftliche Effizienzgewinn führt nach Ansicht des Regierungsrates für den Kanton zu Einsparungen von rund 3 Millionen Franken im Jahr 2018. Bis 2020 soll dieser Betrag gar auf rund 5 Millionen Franken ansteigen.

An stationären Eingriffen beteiligt sich der Kanton zu 55 Prozent, die Krankenkassen übernehmen 45 Prozent. Ambulante Eingriffe hingegen bezahlen ausschliesslich die Kassen.

Mit dieser Massnahme setze der Kanton um, was das Krankenversicherungsgesetz verlange, erklärt Barbara Hürlimann, Leiterin Abteilung Gesundheit beim Kanton. Zudem werde damit auch einem wirtschaftlichen Fehlanreiz entgegengewirkt: Viele Spitäler bemühten sich, möglichst viele Übernachtungen von Patienten zu generieren. Das verursache unnötige Kosten. Obschon bei den ambulanten Behandlungen künftig die Krankenkassen die ganzen Kosten übernehmen müssen, sagt Barbara Hürlimann: «Es handelt sich nicht um eine blosse Kostenverschiebung. Auch die Krankenkassen profitieren von der neuen Regelung.» So seien ambulante Behandlungen wesentlich günstiger als stationäre, der Aufenthalt im Spital beschränkt sich auf wenige Stunden, Übernachtungen entfallen.

Sofort umsetzen werden die neuen Behandlungs- und Untersuchungsvorgaben die Kantonsspitäler Aarau und Baden sowie die Hirslanden Klinik Aarau. Die Regionalspitäler folgen schrittweise bis 2020. Künftig erhalten die einzelnen Spitäler eine festgelegte Mindestquote für die definierten ambulanten Eingriffe, an der sie jährlich gemessen werden.

Ausnahmen sind möglich

Die neue Spitalverordnung sieht aber auch Ausnahmesituationen vor. Dann können die grundsätzlich vorzunehmenden ambulanten Behandlungen auch stationär durchgeführt werden. Ausnahmen sind beispielsweise, wenn Patientinnen und Patienten besonders schwer erkrankt sind, schwere Begleiterkrankungen haben, postoperativ eine intensive Behandlung oder Betreuung nötig ist oder soziale Faktoren vorliegen, die eine ambulante Behandlung verunmöglichen.

Der Kanton Luzern hat die Förderung der ambulanten Behandlung bereits per 1. Juli 2017 eingeführt. Allerdings deckt sich die Luzerner Behandlungsliste nicht völlig mit der aargauischen. So werden im Kanton Luzern Mandeloperationen in der Regel nur noch ambulant ausgeführt; im Aargau sollen sie weiterhin stationär möglich sein.

Ebenfalls vorgesehen ist die Einführung in den Kantonen Zürich, Wallis und Zug auf den 1. Januar 2018. Das Bundesamt für Gesundheit plant eine nationale Lösung auf das Jahr 2019.