Pilzsaison
1290 Kilo ungeniessbare und giftige Pilze, aber Kanton will Pilzkontrolle streichen

Die Pilzkontrollen im Aargau sind auf der Abschussliste. Sie sollen ab 2015 einer Sparmassnahme des Kantons zum Opfer fallen. Wenn die Gemeinden die Kontrollen danach weiterführen wollen, sollen sie diese auch selber berappen.

Hans Lüthi
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Andere Speisepilze sind auch sehr gut, aber viele Sammler fahren auf Steinpilze ab. Finden sie nach langer Suche ein perfektes Exemplar mit dunklem Hut und dickem Stamm, löst das Glücksgefühle aus. Sofort wird die Umgebung noch intensiver abgesucht, denn ein Steinpilz kommt selten allein. «Wo es Fliegenpilze hat, hat es auch Steinpilze», lautet ein wertvoller Tipp unter Pilzsammlern. Seine guten Plätze aber verrät keiner, da gilt höchste Geheimhaltung.

«Im Juli gab es Sommer-Steinpilze, aber nichts anderes», sagt Thomas Graber, der im Zurzibiet für acht Gemeinden als Pilzkontrolleur amtet. Damit schien die Saison gelaufen, weil es lange viel zu trocken war.

Guter September und Oktober

Einhellig betonen alle Pilzfreunde, erst gegen Mitte September – nach viel Regen und Wärme – sei die Welt in Ordnung gewesen. «Da gab es plötzlich genügend Pilze, auch Steinpilze, nur Eierschwämme waren keine zu finden», erklärt Graber. Jetzt sei die Saison vorbei. Allfällige Pilze wären nach den starken Herbststürmen unter dem Laub verschwunden.

«Für eine Bilanz 2013 ist es zu früh, erst Ende Jahr liefern uns die Pilzkontrolleure ihre Zahlen», sagt Lebensmittelinspektor Erich Sager vom Amt für Verbraucherschutz. 2012 gab es im Kanton 4852 Kontrollen, 7133 Kilo waren essbare Pilze und 1290 Kilo ungeniessbar oder giftig. Es gibt Hunderte von Pilzarten; die meisten Speisepilze haben einen giftigen Verwandten – der oftmals zum Verwechseln ähnlich aussieht.

Pilzkontrolle auf Abschussliste

Seit bald hundert Jahren gibt es im Aargau deshalb Pilzkontrollen, gestützt auf das Gesundheitsgesetz. Jetzt sind sie auf der Abschussliste, als winzig kleine Massnahme im Sparpaket der Regierung sollen sie 2015 wegfallen. Heute bildet das Amt für Verbraucherschutz die rund 50 Aargauer Kontrolleurinnen und Kontrolleure aus und sorgt für stete Weiterbildung. Der Vollzug obliegt den Gemeinden. Ob diese die Kontrollstellen in Zukunft freiwillig finanzieren, ist heute offen.

«Eine Abschaffung der kostenlosen Kontrollen wäre nicht gut», betont der Aarauer Kontrolleur Ruedi Jean-Richard. Schon heute müsse er jeweils einen Viertel oder mehr ungeniessbare oder giftige Pilze ausscheiden. Wenn die Leute dafür zahlen müssten, kämen viele nicht mehr zur Kontrolle.

Thomas Grabers Kontrollstelle befindet sich im Restaurant Buurestübli in Böttstein. «Viele Kunden kennen sich gut aus», betont er. Aber es gebe auch völlig ahnungslose Leute, die einfach einen Korb füllten und ihm die Arbeit überlassen wollten. Bei ihm sind sie da an der falschen Adresse: «In den struben Fällen können diese Sammler alle Pilze fortwerfen, da bin ich konsequent», meint er an die Adresse von gedankenlosen Versuchspilzlern.