Zofingen und Strengelbach sind zu wenig geschützt vor einem Hochwasser der Wigger. Das hat der Kanton Aargau schon vor Jahren festgestellt und deshalb ein Hochwasserschutzprojekt ausgearbeitet. Dieses wurde zwar im kantonalen Richtplan fest-, doch bis heute noch nicht umgesetzt. Das soll sich nun ändern. Der Regierungsrat unterbreitet dem Grossen Rat die Botschaft zum Verpflichtungskredit von 12,6 Millionen Franken. «Endlich macht der Kanton vorwärts», sagt der Zofinger Grossrat Herbert H. Scholl. Er war es, der im Mai 2016 mit einer Interpellation die Beschleunigung bei der Planung und der Umsetzung des Projekts forderte.

«Wenn ein ähnliches Unwetter, wie jenes vom 8. Juli das grenznahe Gebiet erfasst, überschwemmt die Wigger grosse Teile des Industrie- und Wohngebiets in Zofingen und Strengelbach», ist Scholl überzeugt. «In Brittnau wurde der Hochwasserschutz bereits umgesetzt, jetzt muss es auch in Zofingen und Strengelbach vorangehen.»

30 Hektaren und 180 Gebäude betroffen

Die Hochwasserereignisse der Jahre 2005 und 2007 zeigten, dass die Abflusskapazität des bestehenden Wigger-Gerinnes in dieser Region zu gering ist und den heutigen Schutzanforderungen nicht mehr genügt. «Besonders die Bereiche um die Brücke Henzmannstrasse und das Bleicheareal in der Industriezone von Zofingen und Strengelbach sind am stärksten gefährdet», sagt Markus Zumsteg, Leiter Sektion Wasserbau, Abteilung Landschaft und Gewässer beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

«Wir sprechen beim zu wenig geschützten Gebiet von einer Fläche von mehr als 30 Hektar mit über 180 betroffenen Gebäuden.» Mit der Erstellung der Gefahrenkarte im Jahr 2007 wurden die vorhandenen Schwachstellen und Schutzdefizite aufgezeigt und das Projekt Hochwasserschutz Wigger erarbeitet. Darin ist vorgesehen, dass das Ufer der Wigger erhöht und wo möglich verbreitert wird. Weiter soll auch die Sohle des Flusses abgesenkt werden. Dadurch erhält der Fluss wenigstens abschnittsweise wieder die Möglichkeit, seinen Lauf und die Ufer selbst zu gestalten, was in der Folge zu einer verbesserten Struktur- und Strömungsvielfalt mit neuen Lebensräumen für Fische und andere Wasserlebewesen führt.

Im Bereich der ehemaligen Trinkwasserfassung beim Bleicheareal, im Brüel und oberhalb des Aeschwuhrs sind bei weiteren Abschnitten Revitalisierungen vorgesehen. Im verhältnismässig langen Abschnitt, in dem die Wigger zwischen Autobahn und Siedlungsgebiet eingeklemmt ist, sind nur technische Massnahmen zur Erhöhung der Uferlinie vorgesehen. Je nach Situation werden in diesem Gebiet der Uferweg angehoben oder kleine Dämme respektive Schutzmauern erstellt.

Neubau des Aeschwuhrs nötig

Eine Besonderheit ist das inzwischen über 90-jährige Aeschwuhr, welches Wasser seit Jahrhunderten in den Aarburger Mühletych leitet. Die Wässermattenbesitzer und die Kraftwerkseigentümer sind in der Aeschwuhrgenossenschaft zusammengeschlossen und die Eigentümer von Wehr und Kanal. Um die Hochwassersicherheit der Industriezone zu gewährleisten, muss die bestehende Wehrschwelle um mindestens 1 Meter abgesenkt werden. Bei der durchgeführten Zustandsanalyse des Wehrs wurde festgestellt, dass ein Neubau nötig ist. Eigentümer, Gemeinden und Kanton vereinbaren für den Neubau einen separaten Kostenteiler. Entsprechende Zusicherungen sind gemacht worden.

"Man hilft einander über die Kantonsgrenze hinweg"

"Man hilft einander über die Kantonsgrenze hinweg"

Grosse Freude zeigte der Feuerwehr-Kommandant von Zofingen über die Hilfe, die er für die Bewältigung der Schäden nach dem Unwetter vom 8. Juli erhalten hat. Nur so konnten die Hunderten von Schadensmeldungen gemeistert werden.