11 Asylsuchende aufnehmen sollen, ab dem 1. Januar 2016 sind es 15. Und wie viele leben tatsächlich dort? Null. Das Spannende ist: Diese 15 sollen nun Platz haben, wo zuvor 11 keinen Platz hatten, ist Gemeindeammann Astrid Haller zuversichtlich. «Wir sind mit Vollgas dabei, eine Lösung zu finden. Freikaufen kommt nicht infrage, das wäre lediglich ein Weiterschieben des Balles, das wollen wir nicht.»

Doch warum nahmen sie bisher keine Asylsuchenden auf? Und warum soll es jetzt auf einmal klappen? Einen Denkanstoss liefert die neue Ersatzabgaberegelung des Kantons: Zuvor mussten die Gemeinden 10 Franken pro nicht aufgenommene, aber zugewiesene Person und Tag bezahlen. Ab Januar werden es 110 Franken sein (siehe Kasten). Auf Brittnau bezogen: Würde die Gemeinde weiterhin keine Asylsuchenden aufnehmen, müsste sie jährlich 602 250 Franken bezahlen. Ein Preis, der wehtut.

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Grafik: Elia Diehl

CartoDB: Wer 2016 wie viele zusätzliche Asylbewerber platzieren muss.

Lösung 1: Wohnungen

Viele Gemeinden müssen sich etwas einfallen lassen. Kaum eine Gemeindekasse lässt die Ersatzkosten problemlos zu. Die beste Lösung sind Wohnungen, gemeindeeigen oder angemietet. Doch dazu ist Glück nötig, wie Heinz Bürki, Ammann von Seon, aus Erfahrung weiss: «Gemeinden verfügen nicht einfach über freien Wohnraum. Als der Kanton Ende September die Liste herausgab, hatten wir vier Asylsuchende im Dorf.

Seither ist eine Wohnung frei geworden, wo eine siebenköpfige syrische Familie einziehen konnte. Ausserdem konnte ein Asylsuchender seine Familie nachziehen. Ab Februar wird noch eine Wohnung frei. So erfüllen wir unser Kontingent von 15 Aufzunehmenden.» Hätte das nicht geklappt, hätte Seon pro Jahr 481 800 Franken für die fehlenden 12 Plätze bezahlen müssen.

André Zoppi, Gemeindeammann von Würenlingen, kann noch nicht von so viel Glück reden, bevorzugt aber dieselbe Lösung. «Für uns kommt eine Einquartierung in der Zivilschutzanlage nicht infrage», hält er fest. Und das, obwohl auch seine Gemeinde dringend Unterkünfte braucht. Insgesamt muss die Gemeinde 14 Personen aufnehmen, und Zoppi ist zuversichtlich, dass ihr das gelingen wird. «Wir stellen uns der Aufgabe.»

Doch warum stand bisher eine Null in der Liste? «Die Flüchtlingsströme haben uns aufgerüttelt. Ausserdem hatten wir bisher schlicht keine Möglichkeiten.» Künftig sollen Asylsuchende in gemeindeeigenen und angemieteten Liegenschaften untergebracht werden. Eine Projektgruppe sei mit Nachdruck auf der Suche nach Räumen. Am 1. November ist eine sechsköpfige Asylbewerberfamilie in einer Mietwohnung eingezogen. «Wir schaffen es vermutlich nicht bis zum 1., aber im Laufe des Januar sollte es klappen.»

Lösung 2: Container

In Boswil klingt es ähnlich zuversichtlich, doch nicht ganz so solidarisch. Ammann Michael Weber spricht von einer Kantonsdiktatur: «Dass sie von 10 auf 110 Franken hochgehen, ohne dass wir mitreden können, ist brutal.» Boswil musste bisher sieben Asylsuchende aufnehmen, ab Januar sind es neun. Wie viele haben sie? Null. Das würde eine Ersatzzahlung von 316 350 Franken pro Jahr bedeuten. «Das mögen wir auf Dauer nicht stemmen», protestiert Weber. Umso mehr ist der Gemeinderat auf der Suche nach Unterkünften.

Kurz und knapp: Die Ikea-Häuser für Flüchtlinge im Aargau in 33,33 Sekunden erklärt.

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«Wir gehen von Containern aus.» Ein Standort sei noch nicht gefunden. Weber rechnet allein für die Baukosten mit 300 000 bis 400 000 Franken, «dazu kommen Bauland, Erschliessung, Unterhalt und mehr.» Dennoch komme es günstiger als die Ersatzzahlungen. Schafft das die Gemeinde bis Januar? «Wenn wir Glück haben, ja.»
Wie am Freitag bekannt wurde, baut auch Oberwil-Lieli auf diesen Weg. «Wir werden möglichst schnell Unterkünfte suchen. Das ist schwierig. Mir schwebt eine Containerlösung vor», sagte Ammann Andreas Glarner.

Glarner-Schlappe: Oberwil-Lieli will nun doch Asylbewerber

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Lösung 3: Zivilschutzanlage

Das anfangs erwähnte Brittnau hatte bisher kein Glück mit der Wohnungssuche. Und Containerstandorte wurden nicht bewilligt: «Wir haben den Einwohnern zwei Anträge für Wohncontainer vorgelegt», so Ammann Astrid Haller. Beide wurden abgelehnt: Der erste war zu nahe an der Schule, beim zweiten wehrten sich die Quartierbewohner. «Es bleibt nur die Zivilschutzanlage.» Dort sei genug Platz, jedoch war sie als Ausweichmöglichkeit gedacht. «Wir hoffen, dass wir bald etwas Besseres finden.» Schon einmal hat Brittnau Asylsuchende unterirdisch einquartiert. Doch nach einem Mordfall wurde versucht, dies künftig zu vermeiden und die Menschen dezentral in Wohnungen unterzubringen.

Wohnen im Keller: Ein Rundgang durch die Flüchtlingsunterkunft in der unterirdischen Operationsstelle des Spitals Muri.

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In Rothrist baut man auf dieselbe Lösung: die Zivilschutzanlage. «Wir versuchen, die Quote auf jeden Fall zu erfüllen», erklärt Gemeindeschreiber Stefan Jung. Die Gemeinde hat derzeit laut Kanton 10 Asylsuchende aufgenommen, das Kontingent umfasste bisher 23, künftig 29 Aufzunehmende. Also fehlen 19, was eine jährliche Ersatzzahlung von 762 850 Franken zur Folge hätte.

Und die grossen Gemeinden?

Warum trifft es nur die kleineren und mittleren Orte? Warum sind keine Beispiele von grossen Städten aufgeführt? Aarau müsste beispielsweise 69 statt wie bisher 56 Menschen aufnehmen. Baden 58 statt 51, Wettingen 63 statt 56. Und der Gemeindeverbund Neuenhof, Ober- und Niederrohrdorf, Ehrendingen, Würenlos und Stetten sogar 91 statt 80. Doch ihnen allen macht das nichts aus. In Aarau, Baden, Wettingen und Neuenhof stehen vom Kanton betriebene Asylunterkünfte. Diese werden den Gemeinden angerechnet und sorgen dafür, dass ihre Kontingente gedeckt sind.

Zuwenig Unterkünfte: Der Aargau stellte im Spätsommer Zelte auf