Auf einem Autoanhänger, inmitten von Moos und Holz, liegen die Unterschriften in A4-Ordnern – und natürlich in Holzkisten – bereit.

Darüber wacht Sämi mit seinen aufmerksamen Augen: Sämi, das Eichhörnchen, das von Website und Initiativbögen ruft: «Ja, für euse Wald!», wurde von einem Aargauer Profi aus dem Holz eines Stamms geschnitzt.

Sämi wird nun die Menschen, die hinter der Waldinitiative stehen, auf dem Weg zur Volksabstimmung begleiten. Denn: 3000 hätte man benötigt, 10 521 beglaubigte Unterschriften waren es effektiv, die das Komitee heute vor dem Regierungsgebäude in Aarau dem stellvertretenden Staatsschreiber Urs Meier übergeben konnte.

Das Zustandekommen der Volksinitiative steht damit ausser Frage, einzig über einen möglichen Abstimmungstermin ist noch nichts bekannt.

Staatsschreiber-Stellvertreter Meier nahm die Ordner, umgepackt in eine leichtere Kartonschachtel, freundlich entgegen, lächelte in die Kameras und verschwand wieder in der Staatskanzlei.

Förster, Forstwarte, Waldbesitzer und Gemeindevertreter bekräftigen die 10 000 Unterschriften vor dem Regierungsgebäude durch ihre persönliche Anwesenheit. Viele kommen in ihren Arbeitskleidern direkt aus dem Wald oder dem Depot.

Holzpreis deckt Aufwand nicht mehr

Was wollen die Initianten? Die kurze Antwort: Geld vom Kanton. Weil die Förster spätestens seit dem Frankenschock 2015 mit dem Gewinn aus dem Holzverkauf ihre Kosten nicht mehr decken können, fordern sie für Aufgaben zum Wohle der Allgemeinheit mehr Unterstützung des Kantons.

Beteiligte sich dieser bislang mit rund 5 Millionen Franken im Jahr, sollen es neu 16 Millionen Franken sein. Verteilt würde das Geld nicht im Giesskannenprinzip, sondern nach konkreten Leistungsvereinbarungen, die bereits bestehen und bei Annahme der Initiative erweitert würden.

Und die längere Antwort: Natürlich könnten die Aargauer Förster entweder mit dem Verkaufen und Nutzen des heimischen Holzes aufhören, günstigeres aus dem Ausland gäbe es genug. Oder sie könnten mehr Profit aus ihren Wäldern holen, indem sie mit schwereren Maschinen effizienter Holz schlügen.

Doch beides wollen sie nicht. Es widerspricht ihrer Philosophie – und hätte vor allem längerfristig seinen Preis: schlecht für die Umwelt, schlecht für den Waldboden.

Urs Gsell, seit 40 Jahren im Wald tätig, seit 30 Jahren als Förster, ist Präsident des Initiativkomitees. Er sagt: «Es geht um das Wohl und die nachhaltige Zukunft des Waldes. Wir wollen schonvoll umgehen mit unserem Wald, nicht Raubbau betreiben wie im Ostblock.»

Das Anliegen sei uneigennützig: «Keiner von uns würde einen Franken mehr verdienen. Es geht uns nur um den Wald.» Die 10 000 Unterschriften seien «ein starkes Zeichen». Was ihn noch mehr freue: Jede Person, die er angesprochen habe, habe unterzeichnet.

Gsell sagt es so: «Wir tragen ein Stück Wald in uns». Deshalb sei es so wichtig, ihn für unsere Kinder und Enkel zu erhalten. Sind die Unterschriften bereits ein positives Signal für die Volksabstimmung? Da will sich Gsell nicht zu weit auf die Äste rauslassen: «Es wird ein schwerer Weg. Aber wir sind guten Mutes.»

Ein Drittel der Kantonsfläche

Woher nähme der Kanton das geforderte Geld? Die Initianten betonen, man wolle «keine zusätzliche Steuern», keine «Eintrittsgebühr» für den Wald. Urs Gsell sagt,  200 Jahre lang sei der Wald «das Kässeli für alle» gewesen – «jetzt braucht auch er einmal Unterstützung.»

Laut Oliver Frey, Präsident des Försterverbands, machen die geforderten 16 Millionen Franken 0,3 Prozent des Kantonsbudgets aus, der Wald aber einen Drittel der Kantonsfläche. Frey: «Das ist also ein absolut realistischer und verantwortbarer Betrag. Auch in Zeiten des Sparens.»

Auch Frey will die 10 000 Unterschriften aber nicht überbewerten: «Es braucht noch viel Arbeit.» Doch das Verständnis in der Bevölkerung sei sehr hoch, wie man beim Sammeln gemerkt habe.

Jetzt werden Unterschriften und Initiativtext von der Staatskanzlei geprüft, danach wird der Grosse Rat über das das Zustandekommen befinden, was eine Formsache sein dürfte.