Beznau

100 Greenpeace-Aktivisten stürmen das Atomkraftwerk Beznau

Rund 100 Greenpeace-Aktivisten stürmten am Mittwochmorgen das Gelände des Atomkraftwerks Beznau und forderten einmal mehr die sofortige Stilllegung des ältesten AKW der Welt. Die Polizei steht im Einsatz und kontrolliert die Aktivisten.

Greenpeace stürmt das Atomkraftwerk

Greenpeace stürmt das Atomkraftwerk

«Das AKW Beznau ist zu alt, um sicher zu sein!» So eröffnet Greenpeace ihre Medienmitteilung vom Mittwochmorgen, während in Beznau vor Ort 100 Greenpeace-Aktivisten das Gelände stürmen und die sofortige Stilllegung des Atomkraftwerks fordern.

Das Atomkraftwerk habe «Sicherheitsdefizite», die schlicht nicht mehr zumutbar seien und würden eine Gefahr für die Bevölkerung in weiten Teilen Europas darstellen, so Greenpeace.

Die rund 100 Aktivisten haben zahlreiche Banner mit der Aufschrift «The End» an verschiedenen Stellen der Anlage entrollt.

Sie seien in Beznau, «um friedlich zu verhindern, dass drei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima auch die Schweiz ein ähnliches Drama widerfährt», so Greenpeace-Aktivist Florian Kasser und ergänzt:

«Die Schweiz betreibt drei der ältesten Reaktoren der Welt. Wir müssen diesem Atomexperiment ein Ende setzen und die Bevölkerung in Schutz nehmen. Das Risiko eines Atomunfalls steigt von Tag zu Tag!»

«Parlament ist gefordert»

Weiter fordert Greenpeace das Parlament dazu auf, zu handeln. «Die AKW-Betreiber und die Aufsichtsbehörde ENSI wollen weiterhin nichts wissen von fixen Abschaltdaten. Der Bundesrat hat es versäumt, verbindliche Laufzeitbeschränkungen zu beschliessen. Das Parlament ist gefordert, dringend die Betriebsdauer aller AKW auf 40 Jahre zu beschränken», so Kasser weiter.

Kantonspolizei im Einsatz

Die Betreiber, Axpo Schweiz, haben nach der Stürmung des Geländes die Polizei alarmiert, die wenig später vor Ort eintraf.

Die Situation sei stets sehr ruhig, sagte Polizeisprecher Roland Pfister auf Anfrage der Aargauer Zeitung.

Ein grosses Aufgebot der Kantonspolizei mit mehreren Dutzend Einsatzkräften stehe den Greenpeace-Aktivisten gegenüber.

Ein Teil davon werde gegenwärtig von der Polizei kontrolliert. Nach der Identitätsüberprüfung würden die Aktivisten von der Polizei wieder entlassen.

Andere Aktivisten seien an den Gebäuden hochgeklettert. Die Kantonspolizei suche deshalb nun das Gespräch mit den Greenpeace-Verantwortlichen.

Räumung unverhältnismässig

Eine Räumung wäre unverhältnismässig, erklärte Pfister. Sie könnte auch für die Leute gefährlich werden. Auch die Betreiberin Axpo Schweiz verlange keine Räumung.

Die Polizei stehe mit der Betreiberfirma in engem Kontakt. Die Polizei und alle anderen Beteiligten wünschten sich einen ruhigen Ablauf. Man verfüge ja auch über eine gewisse Erfahrung mit Greenpeace-Aktionen in Beznau.

Noch offen ist, wie die Greenpeace-Leute auf das Gelände gelangen konnten. Die Polizei kann die Frage noch nicht beantworten, wie Pfister erklärte. Das Wort Schlamperei mache die Runde.

Die gegen 100 Aktivisten stammen mehrheitlich aus der Schweiz, aber auch aus den Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Liechtenstein, Polen, Slowenien und Ungarn. Unter ihnen soll sich auch der bekannte Greenpeace-Aktivist Marco Weber befinden, der in Russland vorübergehend festgenommen wurde.

Beznau ist mit 45 Jahren Betriebsdauer das älteste Atomkraftwerk der Welt. (nch)

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