Vierfachmord Rupperswil
100 000 Franken Belohnung ausgesetzt – «Jetzt fehlen noch die Namen und Gesichter zu den Spuren»

Der Vierfachmord von Rupperswil ist nach wie vor ungeklärt. Bisher ist noch niemand festgenommen worden, auch das Motiv des Gewaltverbrechens ist unklar. Zur Klärung des Falls wurde eine Belohnung von 100'000 Franken ausgesetzt.

Philipp Zimmermann, Jürg Krebs und Silvan Hartmann
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Medienkonferenz Rupperswil
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Philipp Umbricht: "Ich kann Ihnen versichern, dass wir allen Hinweisen nachgehen, um dieses Kapitalverbrechen aufklären zu können."
Der Chef der Kantonspolizei Markus Gisin und die leitende Staatsanwältin Barbara Loppacher.
Der Chef der Kriminalpolizei Markus Gisin.
Einzelinterviews mit der leitenden Staatsanwältin Barbara Loppacher finden statt.
Der Fahndungsaufruf der Kantonspolizei Aargau
In sieben ausländischen Sprachen Der Fahndungsaufruf der Kantonspolizei mit der Belohnung von 100'000 Franken.
Die Karte zum Tathergang.
5 Terrabyte Datenmaterial werden von Überwachungskamers und anderen Kameras von Tankstellen oder Dashcamsuntersucht. Diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen.
Die leitende Staatsanwältin Barbara Loppacher.
Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht.
Die Namensschilder stehen bereit, ebenso die Mikrofone zahlreicher Fernseh- und Radiostationen.

Medienkonferenz Rupperswil

Mario Heller

Das Wichtigste in Kürze:

- 250 Hinweise sind eingegangen.

- 110 Einvernahmen wurden bislang gemacht.

- 6 Dashcams wurden nach dem Aufruf ausgewertet.

- DNA-Spuren wurden sichergestellt, nach wie vor wurde aber niemand verhaftet.

- Das Motiv ist weiterhin (noch) nicht erkennbar. Weiterhin wird in alle Richtungen ermittelt.

- 100'000 Franken Belohnung setzt die Staatsanwaltschaft in Absprache mit dem Justizdepartement aus.

- Carla Schauer hat am Mordtag 9850 Franken am Schalter abgehoben, Stückelungen: 6 mal 1000 Franken, 11 mal 200 Franken, 11 mal 100 Franken, 11 mal 50 Franken sowie am Bankomaten 1000 Euro bezogen.

Der Vierfachmord von Rupperswil AG ist auch nach knapp zwei Monaten ungeklärt. Die Ermittlungsbehörden setzen nun eine Belohnung von 100'000 Franken für den entscheidenden Hinweis aus. Am Tatort wurden DNA-Spuren und Fingerabdrücke sichergestellt.

Die Ermittlungsbehörden informierten am Donnerstag in Schafisheim AG über den Stand der Ermittlungen des Vierfachmordes.

Opfer des Gewaltverbrechens vom 21. Dezember waren eine 48-jährige Frau, deren zwei Söhne im Alter von 13 und 19 Jahren sowie die 21-jährige Freundin des älteren Sohnes.

Philipp Umbricht, Leitender Oberstaatsanwalt des Kantons Aargau, sagte, das Gewaltverbrechen habe die Bevölkerung aufgeschreckt.

Es sei eine der schwersten Straftat, die in den letzten Jahrzehnten im Aargau verübt worden sei.

Die Staatsanwaltschaft stelle nach Rücksprache mit Justizdirektor Urs Hofmann eine Belohnung von 100'000 Franken für den entscheidenden Hinweis in Aussicht.

Die Hinweise würden anonym behandelt. Das Flugblatt in verschiedenen Sprachen mit dem Hinweis auf die Belohnung soll breit gestreut werden.

Es handle sich um die höchste je in der Schweiz von Behörden ausgesprochene Belohnung.

Der Betrag stehe auch für die Absicht der Strafverfolgungsbehörden, den Vierfachmord aufzuklären, hiess es. "Wir sind optimistisch, die Täter zu finden", sagte der Aargauer Kriminalpolizeichef Markus Gisin.

Barbara Loppacher, leitende Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, führte aus, man habe sich bislang mit Informationen bewusst zurückgehalten. Es sei auch darum gegangen, weitere Spuren zu sichern.

DNA-Spuren und Fingerabdrücke im Haus

Die Spuren am Tatort seien wegen des vorsätzlich gelegten Feuers und der damit verbundenen Brand- und Russbelastung im Haus stark in Mitleidenschaft gezogen, sagte Gisin.

Es seien jedoch DNA-Spuren und Fingerabdrücke sichergestellt worden. Diese sollen höchstwahrscheinlich von der Täterschaft stammen.

Der Abgleich der Daten mit den entsprechenden Datenbanken im In- und Ausland ergaben noch keinen Treffer.

Die Abfragen in internationalen Datenbanken laufen noch. Ein Massen-DNA-Test sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich, hiess es. Für einen solchen Test müsse die Personengruppe eingegrenzt werden können.

Die vier Opfer waren gemäss Angaben der Ermittlungsbehörden mit Kabelbindern und Klebeband gefesselt gewesen.

Alle Opfer wiesen Stich- oder Schnittverletzungen auf. Ein vorsätzlich gelegter Brand im Haus sollte die Spuren verwischen.

Kurz vor der Ermordung viel Geld abgehoben

Kurz vor ihrer Ermordung hatte die Frau zwei Mal Geldbeträge bezogen, und zwar um 9.51 Uhr bei einem Geldautomaten in Rupperswil und um 10.10 Uhr bei einer Bankfiliale in Wildegg. Danach fuhr die Frau wieder zurück in ihr Haus in Rupperswil.

Erstmals machte die Staatsanwaltschaft Angaben zur Höhe der Geldsumme. Insgesamt wurden 9850 Franken bezogen.

Diese Summe setzte sich aus sechs Mal 1000 Franken und je elf Mal 200, 100 sowie 50 Franken zusammen. Hinzu kamen 1000 Euro (zehn Mal 100 Euro).

Um 11.20 Uhr alarmierte ein Anwohner die Feuerwehr, weil aus dem Wohnhaus in einem Rupperswiler Quartier dichter Rauch drang.

Als die Atemschutztrupps der Feuerwehr das Haus durchsuchten, stiessen sie auf die vier Toten.

Die Kantonspolizei schloss bald ein Verbrechen nicht aus. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Verfahren wegen mehrfacher vorsätzlicher Tötung.

Bisher 110 Einvernahmen

Bislang gingen 250 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Sechs Personen stellten die Aufnahmen ihrer Dashcams zur Verfügung.

Aus dem weiteren Umfeld von Rupperswil sicherten die Ermittlungsbehörden rund fünf Terabyte Videomaterial aus Überwachungskameras. Die Auswertungen der Aufnahmen dauern an.

Rund 110 Personen aus dem näheren und weiteren Umfeld der Opfer wurden einvernommen. All diese Bemühungen brachten die Ermittlungen nicht entscheidend weiter.

Es seien bislang keine tatverdächtigen Personen in Haft, hiess es. Auch ein klares Motiv sei derzeit nicht erkennbar. Die Ermittlungen würden weiterhin in alle Richtungen geführt.

40-köpfige Sonderkommission im Einsatz

Der Kriminalpolizeichef Gisin sagte, man habe noch nie so viele Mitarbeitende für die Aufklärung eines Falls von ihren üblichen Aufgaben abgezogen.

Man arbeite rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche. Die Sonderkommission zähle 40 Mitarbeitende, hinzu kämen weitere Fachleute aus der Schweiz und dem Ausland. (SDA)

Zum Nachlesen: Unser Liveticker zur Medienkonferenz: