«Horizont 2003»
10 Jahre nach der Polizeireform ist der Kanton Aargau sicherer geworden

Das duale System mit Kantons- und Regionalpolizei wurde vor zehn Jahren eingeführt. Mit der Zentralisierung hat sich auch die Sicherheit verbessert. Trotzdem gibt es Stimmen, welche im Aargau eine Einheitspolizei fordern.

Fabian Hägler
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Irene Schönbächler, hier im Einsatz als Abteilungschefin der Aargauer Kapo Nord.

Irene Schönbächler, hier im Einsatz als Abteilungschefin der Aargauer Kapo Nord.

Aargauer Zeitung

2003 sah die Aargauer Polizeilandschaft völlig anders aus als heute: Es gab 46 Posten der Kantonspolizei, jeder Bezirk hatte seinen eigenen Polizeichef, dazu kamen die Gemeindepolizeien.

Mit dem Projekt «Horizont» änderte sich dies markant: Die Kantonspolizei (Kapo) ist heute in drei Regionen (Nord, Ost und West) mit je sechs Posten organisiert, dazu kommen die Mobile Einsatzpolizei und die Kriminalpolizei. Für die lokale Sicherheit sorgen 17 Regionalpolizeikorps (Repol) – die zweite Ebene der dualen Polizeiorganisation.

«Das System funktioniert»

Am 15. Oktober 2003 begann die Umsetzung des Projekts «Horizont»: Die Kantonspolizei bezog die Büros der neuen Region Nord in Brugg. Gestern blickte SP-Regierungsrat Urs Hofmann im gleichen Gebäude zurück. «Das System funktioniert, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ist besser, die Kostenschätzungen für die Umsetzung wurden unterschritten.» Eine externe Evaluation habe im letzten Jahr aufgezeigt, «dass wir auf einem vernünftigen, gangbaren und erfolgreichen Weg sind».

Struktur darf nicht statisch sein

Dennoch ist die duale Organisation für Hofmann nicht in Stein gemeisselt. «Es gab sechs Vorstösse im Grossen Rat, die eine Einheitspolizei forderten», gab er zu bedenken. Das heutige System dürfe nicht statisch sein, «es ist erlaubt, die Strukturen zu hinterfragen», hielt Hofmann fest. Andererseits brauche die Kapo die Gewissheit, dass keine Hüst-und-Hott-Politik betrieben werde. «Wir müssen die Organisation gut weiterentwickeln, offen sein für Innovationen und auf Herausforderungen im Sicherheitsbereich reagieren.»

Polizeikommandant Michael Leupold sagte, die Beharrlichkeit bei der Umsetzung von «Horizont» habe sich gelohnt. «Der Start war nicht einfach, es gab Hindernisse auf dem Weg, aber die Reform war überfällig.»

Militärpolizei Unterstützung bei Wühlmaus-Kontrollen

In den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn gehen WK-Soldaten der Militärpolizei mit der Kantonspolizei auf Verbrecherjagd: Sie kontrollieren dort beispielsweise Auto- und Tramfahrer. Im Aargau seien
Militärpolizeieinsätze kein Thema
, hält ein Sprecher von Regierungsrat Urs Hofmann im «Tages-Anzeiger» fest. Benötige ein Korps zusätzliche Kräfte, müsse es erst die anderen Kantone des Polizeikonkordats anfragen. Reiche das nicht, komme die Organisation für die interkantonalen Polizeieinsätze zum Zug. Ein Kanton dürfe erst auf Polizeiorgane des Bundes zurückgreifen, wenn alle Polizeikräfte ausgeschöpft seien.
Roland Pfister, Medienchef der Aargauer Kantonspolizei, präzisiert auf Anfrage: «Es stimmt, dass im Aargau nicht flächendeckend WK-Soldaten der Militärpolizei zum Einsatz kommen.» Allerdings greife die Kantonspolizei bei speziellen Einsätzen durchaus auf militärische Unterstützung zurück. «Bei WühlmausKontrollen auf der Autobahn ist auch die Militärpolizei dabei», sagt Pfister. Dabei handle es sich aber nicht um WK-Soldaten, sondern um fertig ausgebildete Militärpolizisten. Die Kantonspolizei Aargau hat seit 1986 mehr als 1000 sogenannte Wühlmaus-Kontrollen durchgeführt. Diese Grosskontrollen wurden auf Autobahnen und an wichtigen Verkehrsknotenpunkten vorgenommen. Zudem pflegt die Polizei eine enge Zusammenarbeit mit anderen Organisationen im Sicherheitsbereich. «Insbesondere das Grenzwachtkorps ist ein wichtiger Partner», so Pfister. (FH)

«Ruck in der Zusammenarbeit»

André Zumsteg, heute Abteilungschef der Kapo West, hat die Neuorganisation selber erlebt. «Es hat einen Ruck in der Polizei-Zusammenarbeit gegeben», nannte er einen positiven Aspekt. Zumsteg wies aber auch darauf hin, dass es bei jeder Reorganisation Verlierer gebe. «Es sind Leute auf der Strecke geblieben», hielt er fest.

Rolf Glanzmann, pensionierter Chef der Kapo West und ehemaliger Bezirkschef, beurteilt «Horizont» positiver: «Die Sicherheit hat sich markant verbessert.» Er wies auf die bessere Zusammenarbeit mit der Bahnpolizei und dem Grenzwachtkorps hin und betonte: «Die Polizei hat heute grössere Einheiten, die Führung ist schlanker geworden.»

Gärtchendenken überwunden

Iwan Bieri, heute stellvertretender Postenchef in Bad Zurzach, sagte im Rückblick: «Früher gab es ein Kleingartendenken, die Bezirksgrenzen waren fast wie Landesgrenzen – mit ‹Horizont› haben wir gelernt, in grossen Strukturen zu denken.»

Irene Schönbächler, als Abteilungschefin Kapo Nord die Gastgeberin der Feier, sah die Entwicklung ebenfalls positiv. «Heute fühlen sich 96 Prozent der Bevölkerung sehr oder eher sicher.» Sie führte dies auf die kurze Interventionszeit der Polizei zurück: «In 80 Prozent der Fälle sind wir in einer Viertelstunde vor Ort.»