Regierungsratswahl AG
1. Wahlgang: Aus diesen Parteien erhielten Feri, Bally und Roth ihre Stimmen

Nur selten erfährt man, woher Kandidaten ihre Stimmen bekommen. Das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) wollte es beim ersten Wahlgang der Regierungswahlen genau wissen. Die Ergebnisse sind verblüffend.

Mathias Küng
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feri bally rothDie drei Regierungsratskandidatinnen für den zweiten Wahlgang.

feri bally rothDie drei Regierungsratskandidatinnen für den zweiten Wahlgang.

archiv

So wurden die Daten erhoben

Die obige Nachwahlbefragung im Auftrag des Zentrums für Demokratie Aarau (ZDA) lief vom 21. bis 24. Oktober 2016 auf der Website der az Aargauer Zeitung. Durchgeführt wurde sie vom Institut sotomo in Zürich. 1560 Personen beteiligten sich, davon waren rund 1500 auswertbar.

Bei dieser Umfrage rekrutierten sich die Teilnehmer selbst. Die Stichprobe wurde anschliessend von sotomo gewichtet, um einen repräsentativen Querschnitt der Aargauer Stimmberechtigten zu erhalten. Zu den Gewichtungsmerkmalen gehören das Alter, das Geschlecht, der Wahlkreis, das Bildungsniveau sowie das Entscheidungsverhalten bei vergangenen und den aktuellen Wahlen.

Das dabei angewendete Kalibrierungsverfahren ist das «Iterative Proportional Fitting». Das dabei verwendete R-Programm «anesrake» ist für die Kalibrierung der American National Election Studies entwickelt worden. Diese Gewichtung gewährleistet laut dem durchführenden Institut sotomo eine hohe soziodemografische und politische Repräsentativität der Stichprobe. (AZ)

Jede Partei ringt vor den Wahlen mit sich selbst: Wen soll sie nebst der eigenen Kandidatur empfehlen? Im ersten Wahlgang für den Regierungsrat konzentrierte sich beispielsweise die CVP auf ihren Kandidaten Markus Dieth. SVP-Präsident Thomas Burgherr warb für ein Zusammengehen der bürgerlichen Parteien.

Doch welche Bedeutung haben Empfehlungen für die Wählerschaft? Das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) wollte wissen, wer warum wen wählt, und gab dem Zürcher Institut sotomo den Auftrag für eine Nachbefragung zum ersten Regierungsrats-Wahlgang (vgl. Kästchen).

Eine erste Auswertung dieser Nachbefragung liegt der az exklusiv vor. Mit Blick auf den zweiten Wahlgang, an dem voraussichtlich noch Franziska Roth (SVP), Maya Bally (BDP) und Yvonne Feri (SP) teilnehmen, zeigen die obigen Grafiken, welche Kandidatin bei welcher Parteiwählerschaft wie angekommen ist.

Roth holte in der eigenen Partei 91, Feri in der SP 88 Prozent der Stimmen. Feri erhielt mit 80 Prozent auch enormen Zuspruch seitens der Grünen und viele Stimmen von Kleinparteien. Auch bei der CVP holte sie vier von zehn Stimmen. Wo die CVP-Stimmen im zweiten Wahlgang (da hat man nur noch eine Stimme) hingehen, ist offen.

Studienleiter Thomas Milic kommt zum Schluss, dass sowohl Feri als auch Roth Mühe hatten, ausserhalb des eigenen ideologischen Blocks Stimmen zu holen. Milic: «Bei Franziska Roth wurde das aufgrund der Erfahrungen der SVP bei zurückliegenden Majorzwahlen allenthalben erwartet – sie konnte eigentlich nur im eigenen Lager punkten. Da die SVP die mit Abstand wählerstärkste Partei im Aargau ist, kam sie aber komfortabel auf über 30 Prozent. Insgesamt waren es dann 36 Prozent.»

Yvonne Feri liegt ganz knapp hinter Roth. Sie hat aber auch die zahlenmässig viel kleinere «Stammwählerschaft. Das Resultat von Urs Hofmann (SP), der fast 10 Prozentpunkte mehr erzielte als Alex Hürzeler (SVP), zeigt aber, dass für «mittige» SP-Kandidaturen auch bei bürgerlichen Wählern mehr zu holen ist.

Unsere Grafiken zeigen denn auch, dass Feri bei FDP-Wählern kaum punkten konnte, Roth dort aber immerhin auf 25 Prozent kam. Die Wählerschaft von CVP und FDP zog im ersten Wahlgang aber laut Nachbefragung klar Maya Bally vor. Ob es dabei bleibt oder ob die FDP-Wählerschaft jetzt (teilweise) zu Roth schwenkt, wie es die Partei empfiehlt? Und zieht Bally jetzt unter Umständen jene CVP-Stimmen an, die im ersten Wahlgang an Feri gingen?

Auffallend bei den bisherigen Regierungsräten Urs Hofmann (SP), Stephan Attiger (FDP) und Alex Hürzeler (SVP ist ihre durchgängig sehr hohe Akzeptanz in den eigenen Reihen. Der am besten wiedergewählte Urs Hofmann bekam auch drei von vier FDP-Stimmen und vier von zehn SVP-Stimmen. Alex Hürzeler kommt bei FDP-Wählern auf 73, bei der CVP auf 67 Prozent. Diese Unterstützung gab die SVP-Basis – anders als diejenige der FDP – mit nur 35 Prozent für Markus Dieth (CVP) nicht zurück.

Persönlichkeit als Hauptgrund

In der Untersuchung wurde auch gefragt, aus welchen Gründen man jemanden wählt. Es heisst ja immer, Regierungs- seien Persönlichkeitswahlen. Stimmt das? Bei den drei Bisherigen, bei Markus Dieth, Yvonne Feri und Maya Bally gaben dies die Befragten tatsächlich als wichtigsten Grund an.

Bei Robert Obrist und Franziska Roth dagegen war die Parteizugehörigkeit deutlich der wichtigste Wahlgrund. Bei den anderen Kandidaten war dies nur der zweit- oder drittwichtigste Grund, bei Hofmann und Bally kam dieser Grund noch weiter hinten. Wahltaktik war kaum im Spiel. Lediglich bei Obrist und Bally gaben je 13 Prozent auch solche Gründe an.

Welchen Schluss kann man aus diesen Daten ziehen? Milic glaubt, dass im zweiten Wahlgang die Mobilisierung eine entscheidende Rolle spielen wird. CVP und FDP haben alles «in trockenen Tüchern». Es werde schwieriger, ihre Anhängerschaft für eine parteifremde Kandidatur zu mobilisieren. Milic: «Und die SVP-Anhängerschaft beteiligt sich generell stärker an Parlamentswahlen als an Personenwahlen, was der zweite Wahlgang zu den Aargauer Ständeratswahlen 2015 gezeigt hat.»