Wakkerpreis

1 Million Werbeeffekt? Zwei Wakker-Gemeinden spüren nur noch wenig davon

Laufenburg gewann 1985 den Wakkerpreis. Der damalige und der aktuelle Gemeindeschreiber schätzen die Nachhaltigkeit gering ein.

Laufenburg gewann 1985 den Wakkerpreis. Der damalige und der aktuelle Gemeindeschreiber schätzen die Nachhaltigkeit gering ein.

Auf über 1 Million Franken wird laut einer Studie der Werbeeffekt des Wakkerpreises geschätzt. Die beiden Aargauer Gemeinden Laufenburg und Turgi, die den Preis 1985 respektive 2002 erhielten, können das aber nicht bestätigen.

Der Wakkerpreis kann der ausgezeichneten Gemeinde jeweils über eine Million Franken in die Kasse spülen. Dank des Werbeeffekts, den der Preis mit sich bringt. Das zeigte eine Studie, die Grenchen in Auftrag gab, als die solothurnische Industriestadt 2008 den Wakkerpreis erhielt.

«Medienpräsenz ist unbezahlbar»

In Grenchen sprach man gar von 1,5 Millionen Franken. So viel würde es laut der Studie kosten, wenn die Gemeinde mit Werbung die gleiche Publizität erreichen möchte, wie mit dem Gewinn des Wakkerpreises. «Die Medienpräsenz, die man als Wakker-Gemeinde erhält, ist fast unbezahlbar», sagte der Grenchner Stadtbaumeister Claude Barbey einmal gegenüber dem «Bieler Tagblatt».

Gemeinden sind verantwortlich

Dasselbe findet auch der Präsident des Schweizer Heimatschutzes, Adrian Schmid: «Dank der Auszeichnung erhalten die Gemeinden jeweils eine sehr hohe Publizität in der ganzen Schweiz.»

Schmid macht aber auch die Gemeinden dafür verantwortlich, den Preis zu nutzen. «Es kommt auch immer darauf an, was die Gemeinden daraus machen», sagt er. «Wakker-Führungen bieten sich besonders an.»

Dafür brauche es aber gute Fachleute. Diesen Tipp habe er auch dem Aarauer Stadtbaumeister Felix Fuchs und Stadtpräsidentin Jolanda Urech gegeben. Der Schweizer Heimatschutz selber wird eine Publikation der Aarauer Wakker-Gebäude an alle Aarauer Haushalte versenden.

Wenig Euphorie aus Laufenburg und Turgi

Trotz der Studie aus Grenchen: Die beiden Aargauer Gemeinden Laufenburg und Turgi, die den Preis 1985 respektive 2002 entgegennehmen durften, sehen das etwas anders. «Ich glaube kaum, dass wir über eine Million generieren konnten», sagt der Laufenburger Gemeindeschreiber Walter Marbot. Es sei allerdings schwierig festzumachen, wann und wie Laufenburg mit dem Wakkerpreis Geld hereinholen konnte.

Bemerkenswert war, dass die Stadtführungen in Laufenburg sprunghaft anstiegen. Es sei der Startschuss für den Tourismus in der Stadt am Rhein gewesen, sagt auch Bildhauer Erwin Rehmann.

Der ehemalige Gemeindeschreiber Alois Leu und auch der aktuelle Gemeindeschreiber Walter Marbot sind aber beide der Meinung, dass die Nachhaltigkeit des Wakkerpreises als relativ gering einzuschätzen ist. Selbst auf der Website der Gemeinde Laufenburg spielt der Wakkerpreis heute keine Rolle mehr.

«Heute merkt man kaum noch etwas davon», sagt Marbot. «Deswegen kommen die jungen Menschen heute nicht mehr nach Laufenburg.» Aber als der Wakkerpreis noch aktuell war, habe er sicher eine positive Auswirkung auf Laufenburg gehabt.

Aarau erhält den Wakkerpreis 2014: Impressionen

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Ähnlich tönt es aus Turgi. Gemeindeschreiberin Michaela Egloff kann langfristig wenige Auswirkungen für die Gemeinde am Limmatknie erkennen. Ausser den Führungen für Schulen und Vereine sowie ein Eintrag auf der Website zeugt nur noch wenig von der Auszeichnung. Doch das soll sich wieder ändern: Im Mai 2014 soll ein Buch über die Wakker-Gebäude in Turgi erscheinen.

Andere Gemeinden, die in der Vergangenheit den Wakkerpreis erhalten haben, steckten bis zu 100’000 Franken in die Vermarktung. Die meisten äusserten sich nach dem Wakkerjahr positiv.

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