«Das kann der Brogli nicht mit uns machen», sagte der Mann verzweifelt. Er habe 1350 Quadratmeter Garten, aber das sei alles Rasen – dafür zahle er keine Steuer für Eigenesswert (EEW). Seine Beschwerde platzierte er direkt bei der EEW-Hotline, bedient von AZ-Autor Jörg Meier – denn er hatte sich den EEW ausgedacht.

Rund dreissig Anrufer wählten die von der az eigens dafür eingerichtete Hotline. Die meisten hatten es durchschaut. Oder sie wollten ihre Ahnung bestätigt wissen: Der Kanton Aargau führt heute keine neue Steuer ein. Der «Praktikantenfurz», die Versteuerung der Gartenfläche, ist ein 1.-Aprilscherz der Aargauer Zeitung.

Erleichtertes Steueramt

Einige spielten das Spiel in der EEW-Hotline mit und stellten absurde und lustige Fragen. Wie es sich mit Geranienkisten vor dem Fenstersims verhalte?, wollte einer wissen. Er beabsichtige heute welche pflanzen, aber nur, wenn er sie nicht versteuern müsse. Ein anderer fragte: "Gilt der Eigenesswert auch, wenn ich Hanf anbaue?»

Mehrheitlich kam der Scherz gut an, wie Online-Kommentare und Anrufe zeigen. Sogar das Finanzdepartement von Roland Brogli zeigte sein Freude daran und gratulierte zum 1.-April-Scherz.

Allerdings gab es, wie das Einstiegsbeispiel zeigt, auch eine Hand voll empörter und verunsicherter Anrufer. Derart echauffiert über die neue Steuer, liess sich einer den Jux gar nicht erklären und hängte nach einer Wut-Rede wieder auf. Ein anderer Skeptiker sagte nach der Aufklärung erleichtert: «Dann sind wir froh, dass wir auf dem Steueramt davor verschont bleiben.» Es gäbe schon genug zu tun.

«Überhaupt nicht lustig»

Radio Argovia vermeldete indes, dass sich Verkehrsdirektor Stephan Attiger den überlasteten Strassen annehme. So dürften ab heute jeweils täglich abwechselnd nur Autos mit ungeraden oder geraden Autonummern auf die Strasse – ein Modell, wie es in Peking seit 2008 besteht und Mitte März wegen des Smogs in Paris für einen Tag eingeführt wurde.

Eine Zuhörerin reagierte regelrecht schockiert darauf. Wie sie als Aussendienst-Mitarbeiterin so noch arbeiten könne, wollte sie von der Polizei wissen. Diese konnte ihr keine Auskunft geben, so dass sie stutzig wurde und sich bei Radio Argovia beschwerte: «Wenn das ein Scherz ist, dann ist das überhaupt nicht lustig!»

Kein Aprilscherz ohne Regierungsräte. Die «Neue Fricktaler Zeitung» machte Bildungsdirektor Alex Hürzeler gleich zum Hauptprotagonisten: Der wegen seines deutschen Holzhauses in Oeschgen in die Kritik geratene Regierungsrat lade heute Abend die lokale Bevölkerung zu einer Hausbesichtigung mit Apéro ein. Um den neuen Boden zu schonen, werde gebeten Hausschuhe mitzubringen. Ob Alex Hürzeler zu Scherzen aufgelegt ist und diese charmante Idee lustig findet, oder gar gleich aufnimmt? Der Bildungsdirektor war bisher nicht zu erreichen.

Enttäuschte Aviatikfans

Nicht zu Scherzen aufgelegt war das Regionaljournal von Radio SRF, dass sich keinen Jux erlaubte. Oder ziemt es sich nicht für einen Staatssender?

Dafür kündigte der Regionalfernsehsender Tele M1 umso glaubwürdiger eine Gripen-Werbekampagne an. Das neue Kampfflugzeug lande heute auf dem Flugplatz Birrfeld. Eine interessierte Gesundheits- und Militärdirektorin Susanne Hochuli versicherte einen Besuch, ein SP-Nationalrat Cédric Wermuth echauffierte sich und SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner applaudierte dem Anlass.

Die rund zwanzig Schaulustigen – auch einige Aviatikfans mit Fotokameras – kamen am Vormittag allerdings vergebens. So landete weder der Gripen, noch war Susanne Hochuli vor Ort. Eine Mutter mit Sohn gestand indes ein, schlichtweg den 1. April vergessen zu haben. Die Flugzeugliebhaber aber gingen unerfreut und humorlos sofort von dannen.

Ohne Scherz: Hochuli zum Gripen

Nun interessiert mit Blick auf die Volksabstimmung vom 18. Mai gewiss, wie Militärdirektorin Susanne Hochuli wirklich zur Flugzeugbeschaffung steht. In der letzten militärpolitischen Abstimmung hatte sie sich gegen die Aufhebung der Wehrpflicht engagiert. Die Grünen hatten sich dafür eingesetzt.

Diesmal aber kommt die Militärdirektorin zum selben Schluss wie ihre Partei. Sie stehe hinter der Armee, betont sie. Die Armee brauche die zur Aufgabenerfüllung nötigen Instrumente. Hochuli: «Die Gripenbeschaffung ist aber unnötig, da die Aufgaben, die diese Flugzeuge erfüllen können, in keiner Weise mit der heutigen Bedrohungslage korrespondieren.»