IG Aargauer Altstädte

Massnahmenpaket für Aargauer Altstädte: «Einmal gründlich denken, dann dreizehn Mal umsetzen»

Nicht Abbey Road, sondern Vordere Vorstadt: die Vorstandsmitglieder Marcel Suter und Oliver Bachmann sowie Peter C. Beyeler, Präsident der IG Aargauer Altstädte (von links), unterwegs in Aarau.

Die Interessengemeinschaft Aargauer Altstädte präsentiert ein Massnahmenpaket, das die Aargauer Altstädte unterstützen soll. Was beinhaltet das Massnahmenpaket? Und braucht es den Verein nach getaner Arbeit dann noch?

Die Aargauer Altstädte haben alle ähnliche Probleme: Läden müssen schliessen, der Branchenmix stimmt nicht mehr, Beizen verschwinden, die sozialen Strukturen verändern sich, das pulsierende Leben in den Gassen gibt es kaum mehr. Liegenschaften werden nicht renoviert. Die Liste lässt sich problemlos verlängern.

Auch die Ursachen der Krise sind ähnlich. Die Trends in Gesellschaft und Wirtschaft treffen alle Aargauer Kleinstädte gleichermassen: So bringt die Digitalisierung grosse Veränderungen, aber auch die demografischen Entwicklungen; Globalisierung und Individualisierung haben die Aargauer Altstädte erreicht. Die Altstädte müssen sich diesen Veränderungen stellen und die Entwicklung darauf ausrichten, wollen sie nicht nach und nach ihre Bedeutung verlieren. Doch wie soll das geschehen?

Handeln statt Dauerplanen

Die IG Aargauer Altstädte erhielt 2015 von den 12 Altstädten und dem Flecken Bad Zurzach den Auftrag, Massnahmen zu erarbeiten, die dazu beitragen sollen, die Aargauer Altstädte zu stärken, zu fördern und weiterzuentwickeln.

Wenig überraschend zeigte sich bald, dass es nicht darum gehen konnte, für jede Altstadt massgeschneiderte Massnahmen zu entwickeln. «Uns ging es vielmehr darum, ein Planungsinstrument zu entwickeln, das für alle Altstädte anwendbar ist», erklärte Peter C. Beyeler, Präsident der Interessengemeinschaft Aargauer Altstädte.

Dieses Planungsinstrument liegt nun vor. Es listet eine Vielzahl von Massnahmen auf, die in den Altstädten wirksam sein können. Es kann aber auch die Eigenheiten und Unterschiede der Altstädte aufnehmen. «Wir liefern nicht fertige Massnahmenpakete», sagte Beyeler, «die würden nicht funktionieren. Sondern was die IG Aargauer Altstädte nun vorlegt, ist ein konfektionierter Prozess, der schnell, kompakt und effizient zu altstadtspezifischen Entwicklungsstrategien und Massnahmen führt.

Oliver Bachmann, Stadtplaner und Vorstandsmitglied der IG Aargauer Altstädte, half sich mit einem Vergleich: «Wir liefern den Städten verschiedene Rezepte, machen Menuvorschläge. Aber kochen müssen und sollen sie selber.» Wichtig sei auch, dass schnell Resultate sichtbar seien, sagte Beyeler. Denn man habe festgestellt, dass Stadtentwicklungsprojekte immer wieder bei null beginnen. «Man sitzt stundenlang an runden Tischen, notiert, klebt Zettel und wertet aus. Das dauert Jahre, bis wirklich etwas passiert», konstatiert Beyeler. Handeln statt Dauerplanen laute die Stossrichtung des Massnahmenpakets, das man den Städten vorschlägt.

Kleine Schritte sind wichtig

Das Massnahmenpaket nimmt den Städten auch wesentliche Grundlagenarbeit ab, ganz nach dem Prinzip «einmal gründlich denken, dann aber dreizehn Mal umsetzen». So können die Altstädte einem genau definierten Prozess folgen, den sie eigenen Bedürfnissen und den örtlichen Gegebenheiten anpassen können.

Das Massnahmenpaket, mit dem sofort gearbeitet werden kann, besteht aus vier Teilen. Der Hauptbericht beschreibt die Herausforderungen an die Altstädte und erklärt, wie ein Entwicklungsprozess ablaufen könnte. Ein Nachschlagewerk beschreibt konkrete Massnahmen, wie sie umgesetzt werden können und wie sie wirken. Das «Vademekum» gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen und eine Grafik sorgt dafür, dass man im Prozess die Übersicht nicht verliert.

Wichtig sei, dass in den Städten laufend Teilprojekte realisiert würden, sagte Beyeler, so wie es im Sinne der IG Aargauer Altstädte bereits in verschiedenen Städten geschieht: Brugg hat ein Farbkonzept für die Altstadt entwickelt, in Zofingen wurden die Stadtführenden gründlich geschult, in Baden entstand der Stammtisch «Einkaufsstadt».

«Wir möchten mit diesen Instrumenten, die wir entwickelt haben, den Städten Mut machen, die Weiterentwicklung der Altstädte als permanenten Prozess aktiv anzugehen», sagte Beyeler. Und er wünscht sich, dass die Politik auch die Ressourcen spricht, damit die Massnahmen für die Entwicklung der Altstädte auch umgesetzt werden können.

Nachdem nun die Instrumente vorliegen, wird im November 2019 entschieden, ob es den Verein weiterhin braucht.

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Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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