Trockenheit

Kanton Aargau stellt Bauern das Wasser ab

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Kommt bald der Regen? Und wenn ja: reicht er aus? Der Kanton Aargau hat derweil vorgesorgt. Ohne starken Regen dürfen ab Freitag Bäche nicht mehr zum Bewässern genutzt werden.

Obwohl es seit Wochen nur wenig geregnet hat, bewässern die meisten Bauern ihre Felder nicht. Dies aus Kostengründen, da die Bauern teures Trinkwasser einsetzen müssten. Rund 130 Bauern und Gärtner bewässern ihre Felder hingegen ohne finanzielle Sorgen. Sie haben die Bewilligung, um eine Wasserpumpe an einem Bach zu installieren. Doch damit ist jetzt Schluss. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit plant der Kanton den Bauern Ende Woche zu verbieten, weiterhin den Bächen Wasser zu entnehmen.

Zwei Tage Landregen wären nötig

Norbert Kräuchi, Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer ist der Mann, der den Bauern den Hahn zudreht. «Das Verbot wird erlassen, wenn die Mindestwassermenge unterschritten wird», erklärt Kräuchi die Gesetzesgrundlage. In den nächsten Tagen wird zwar noch Regen erwartet, doch Kräuchi glaubt nicht an eine Entschärfung der Situation: «Was wir brauchen, ist ein Landregen, der ein oder zwei Tage andauert.» Falls dieser Landregen wider Erwarten doch noch eintrifft, gäbe es kein Verbot. Andernfalls ist der Kanton gewillt, das Verbot so lange aufrecht zu erhalten, bis sich der Wasserstand in den Bächen normalisiert.

Für die betroffenen Landwirte bedeutet der kantonale Entscheid einen grossen Einschnitt in ihre Arbeit. Wollen sie ihre Kulturen nicht der Sonne aussetzen, müssen sie auf Trinkwasser ausweichen. Dies würde jedoch viel höhere Kosten verursachen. Bezahlen die Landwirte für das Wasser aus dem Bach jährlich 500 Franken, kostet der Kubikmeter Trinkwasser ein bis zwei Franken. Bei einem täglichen Verbrauch von mehr als 800 Kubikmetern müssten die Bauern bereits nach einem Tag draufzahlen.

Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau, ist wenig erfreut über das drohende Verbot: «Entweder liegen die Prioritäten bei den Fischen in den Bächen oder bei den Nahrungsmitteln auf den Feldern.» Er will deshalb die Kostenexplosion für die Bauern nicht einfach hinnehmen: «Wir wollen, dass die Gemeinden das Trinkwasser den betroffenen Bauern günstiger abgeben. Der Preis sollte nur noch die Selbstkosten der Gemeinden decken.» Für den Unmut der Bauern kann Norbert Kräuchi Verständnis aufbringen. Er betont aber auch, dass Wasser ein knappes Gut sei und deshalb seinen Preis habe.

Wurzeln sind zu wenig tief

Die Bewässerung zu stoppen kommt für die Bauern laut Bucher nicht infrage. Wenn die Kulturen von Beginn an bewässert werden, würden die Wurzeln in die Breite statt in die Tiefe wachsen. Werde die Bewässerung eingestellt, seien die Wurzeln zu wenig tief, um sich mit dem Grundwasser zu ernähren. Da die Gemeinden für das Trinkwasser zuständig sind, will der Bauernverband Aargau auch keine Preisverhandlungen führen. «Die betroffenen Bauern werden alle direkt den Dialog mit den Behörden suchen», sagt Bucher. Die Chancen für eine Preisreduktion stehen dabei nicht allzu schlecht. Als der Kanton im Hitzesommer 2003 das letzte totale Verbot verhängte, lenkten einige Gemeinden ein und haben den Landwirten einen Rabatt gewährt.

Mehr Wasserpumpen in Flüssen

Der Bauernverband Aargau befürchtet, dass in Zukunft das Bewässerungsverbot häufiger ausgesprochen wird. Bucher plädiert deshalb für mehr Wasserpumpen in den Flüssen. «In den Flüssen hat es immer genug Wasser. Damit könnten ganze Gebiete bewässert werden.» Bucher will nun den Kanton für das Anliegen sensibilisieren. Er weiss aber, dass dieses Unterfangen nicht ganz einfach ist: «Für solche Projekte braucht es Investitionen von den Bauern und vom Kanton.»

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