Hausärtze
Jürg Lareida: «Die Hausärzte leben vom Eingemachten»

Tarifsuisse und Ärzte blitzen bei der Regierung ab – die Parteien treten im Tarmed-Streit auch nach über einem Jahr weiter an Ort. Jetzt wirft der Ärzteverband dem Departement eine «Verzögerungstaktik» vor.

Mathias Küng
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Der Aargauische Ärzteverband hat den Taxpunktwert gegenüber den Krankenkassen per 31.Dezember 2011 gekündigt, um in Verhandlungen einen besseren Wert zu erreichen. Die Ärzte bräuchten mindestens 10 Prozent mehr, sagte damals Vizepräsident Jürg Lareida. Ende Dezember 2011 forderte die Regierung die Tarifparteien auf, «unverzüglich ernsthafte Verhandlungen miteinander aufzunehmen».

Wert bleibt vorläufig bestehen

Jetzt, ein Jahr später, ist man keinen Schritt weiter. Im jüngsten Amtsblatt gab der Regierungsrat bekannt, dass er per 1. Januar 2013 bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids den Tarmed-Taxpunktwert auf 89 Rappen festgesetzt hat. Zugleich wies er einen Antrag von Tarifsuisse für eine Senkung auf einen provisorischen Wert von 80 Rappen ab.

Der Ärzteverband kritisiert empört «Verzögerungstaktik» des Departements. Laut Vizepräsident Lareida legt der Verband gegen den Regierungsbeschluss keine Rechtsmittel ein, erwartet aber einen definitiven Entscheid der Regierung bis Ende März 2013. Der Tarif sei 1989 letztmals angepasst worden, seither habe man 40 Prozent Inflation erlebt. Lareida: «Mit dem heutigen Tarif können Hausärzte ihre Praxen nicht mehr amortisieren. Der Geräteunterhalt steigt, Neuinvestitionen können nicht mehr gemacht werden. Sie leben vom Eingemachten.» Zu weiteren Verhandlungen mit Tarifsuisse sei man nicht bereit, man habe genug Daten auf den Tisch gelegt.

Kanton gibt Ball zurück

Den Vorwurf der «Verzögerungstaktik» weist Gesundheitsdepartements-Sprecher Balz Bruder in aller Form zurück. Auf Antrag der Tarifpartner, auch des Aargauischen Ärzteverbandes, seien mehrfach Fristen verlängert worden. Bis August 2012 hätten die Tarifpartner selbst eine Lösung finden sollen – ohne Erfolg. Das Tariffestsetzungsverfahren läuft daher laut Sprecher Balz Bruder erst seit September 2012. Weil es aufwendig ist, sei ein Entscheid «vor dem zweiten Quartal 2013 nicht möglich».

Tarifsuisse: Aargau im Durchschnitt

Die Forderungen der Aargauer Hausärzte seien unbegründet, sagt dazu Silvia Schütz, Mediensprecherin von Tarifsuisse. Der Aargauer Taxpunktwert liege im Schweizer Durchschnitt. Im Vergleich mit Deutschschweizer Kantonen stehe der Aargau gut da. In der Ostschweiz haben die Kantone laut Schütz 82 Rappen, in Luzern auch 82, in Schwyz habe Santésuisse den Wert auf 82 angehoben, Zug habe 80 Rappen. Schweizer Ärzteverband und Santésuisse seien im Rahmen der Tarmed-Revision daran, die Grundversorger besserzustellen, «indem man die intellektuelle Leistung, die der Arzt erbringt, besser honoriert». Diese Revision habe aber nichts mit dem Taxpunktwert zu tun, denn dieser gilt für Hausärzte und Spezialisten gleichermassen, so Schütz. Die Tarmed-Revision sei «der richtige Weg, um die Hausärzte besserzustellen».

Ärzteverband reagiert verstimmt

Den Tarifsuisse-Hinweis, der Aargauer Wert sei im Schweizer Schnitt, akzeptiert Lareida nicht: «Mit diesem Argument gibt es bis 2050 keine Erhöhung. Dann gibt es auch keine privaten Praxen mehr!»