Jubiläums-Porträtserie
Frauenstimmen aus dem Aargau: «Wir Frauen sollten Schwesternschaften bilden»

Heuer werden 50 Jahre Frauenstimmrecht und 100 Jahre Frauenzentrale Aargau gefeiert. Jede Woche kommt aus diesem Anlass eine Frau zu Wort. Heute Katharina Könitzer, Gynäkologin aus Aarau.

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Katharina Könitzer

Katharina Könitzer

Iris Krebs

Wer sind Sie?

Ich bin Frau, Mutter, Tochter, Freundin, Geliebte, Frauenärztin, Forscherin und Unterstützerin der Weiblichkeit.

Wofür erheben Sie Ihre Stimme?

Erstens für Gerechtigkeit: gleiche Rechte für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Reichtum. Und ich erhebe meine Stimme für Frauengesundheit: Ich stärke Frauen in ihrem Sein, in ihrem Wohlbefinden und in ihrer Gesundheit.

Bei der Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts 1971 waren Sie noch gar nicht auf der Welt …

Nein, vermutlich habe ich von meinem Stern aus beobachtet, welche Energien auf der Erde frei werden, und mich entschieden, mich auf den Weg zu machen, um mitzuhelfen.

Was braucht es für Chancengleichheit?

Zugrunde liegt ein ureigenes Selbstverständnis in jeder und jedem von uns, dass Erfolg und Zufriedenheit von Interessen und Passionen getragen werden. Alle Menschen sollen die Möglichkeit und den Mut haben, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Bildung, Mentoring, Schutz, Respekt und gleiche Bedingungen in der Arbeitswelt sowie im Privatleben sind für alle zugänglich und frei verhandel- und wählbar.

Wovon träumen Sie?

Von einer friedlichen Welt, in der wir achtsam mit Menschen, Tieren und Umwelt umgehen.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich bin stolz darauf, dass ich mich in meiner hierarchisch geführten Berufswelt ausbilden lassen durfte und dabei mich und mein Frausein, beruflich und privat, nicht verloren habe.

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass alle Menschen die gleichen politischen und gesellschaftlichen Rechte und Möglichkeiten haben. In der Schweiz haben wir in den letzten fünfzig Jahren viel erreicht, dafür bin ich allen dankbar, die gekämpft und ein Bewusstsein dafür entwickelt haben. Dieser Gedanke darf sich auf der ganzen Welt verbreiten und manifestieren. Ich wünsche mir, dass wir Frauen einander solidarisch, wertschätzend und mit offenen Herzen begegnen und Schwesternschaften bilden. Ich bin überzeugt, dass wir damit auch die Männer unterstützen, sich in der neuen Gesellschaft und in den Partnerschaften wohler und sicherer zu fühlen. Ich wünsche mir eine Welt, in der Frauen und Männer befreit von gesellschaftlichen Glaubenssätzen ihren Weg in Frieden und Liebe gehen können. Eine Welt, in der neue Strukturen mutig ausprobiert und gelebt werden dürfen.

Ihr persönlicher Leitsatz?

«Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar», von Antoine de Saint-Exupéry.