Fluglärmstreit
Jetzt bleibt den Aargauern nur noch eins: Die Hoffnung

Das öffentliche Mitwirkungsverfahren zur Zukunftsplanung für den Flughafen Kloten ist abgeschlossen. Jetzt bleibt den fluglärmgeplagten Aargauern nicht mehr viel mehr, als auf ihre Bundesrätin zu hoffen.

Urs Moser
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Keystone

Anfänglich sah es so aus, dass trotz lauthalsen Protesten vor der eigenen Haustür die Aargauer die Gelegenheit verschlafen würden, dem Bundesamt für Zivilluftfahrt in Bern die Meinung zu geigen. Bis zum Ablauf des Mitwirkungsverfahrens zum sogenannten SIL-Prozess, der Zukunfstplanung für das Betriebsregime des Flughafens Kloten, gingen dann doch noch um die 300 Stellungnahmen ein. Jetzt hat die Regierung noch bis Ende November Zeit, ihren Standpunkt in Bern zu deponieren. Bis 2012 will der Bundesrat dann entscheiden, nun unter Federführung der Aargauer Bundesrätin Doris Leuthard, die das Dossier von Moritz Leuenberger übernimmt.

Bazl-Chef in der Höhle des Löwen
Am Freitag wagte sich Peter Müller, der Chef des Bundesamts für Zivilluftfahrt, in die Höhle des Löwen. Die Flughafenkonferenz, die vereinigten Aargauer Interessengruppen, tagten just am Tag des Ablaufs der Eingabefrist in Würenlingen. Allzu grosse Hoffnungen machte Müller den Aargauern nicht. Wie auch immer der Bundesrat entscheiden werde, allen könne man es nun einmal nicht recht machen. Und dann sei das heiss umstrittene Objektblatt Zürich ja nur eine Art raumplanerisches Reservationssystem. Nicht alles, was darin enthalten ist, müsse auch tatsächlich realisiert werden. Weniger als ein schwacher Trost für die Aargauer, denn angesprochen ist damit das Schreckgespenst namens gekröpfter Nordanflug.

Der SIL-Prozess

Sachplan Infrastruktur Zivilluftfahrt, kurz SIL, heisst das Streitobjekt. Es geht darum festzulegen, wie der Verkehr am Flughafen Zürich-Kloten in Zukunft abgewickelt werden soll. Die Begehrlichkeiten reichen bis zu einer Erweiterung der Kapazitäten auf 450000 Flugbewegungen im Jahr. Die meisten der geplanten Varianten bringen dem Aargau eine deutliche Mehrbelastung mit Fluglärm

Konfrontationsscheu
Kooperation statt Konfrontation lautete bisher die Verhandlungsdevise des Aargaus, denn die Rechtsmittellage, um sich gegen einen Entscheid aus Bern zu wehren, ist nicht gerade komfortabel. Das brachte Landammann Peter C. Beyeler bei Zusammenkünften mit den Fluglärmgegnern auch schon die Kritik ein, er würde die Aargauer Interessen nicht vehement genug vertreten. Jetzt aber erntet er Applaus. Er wolle nicht von Wortbruch reden, aber man sei nah dran, beschied er am Freitag Bazl-Chef Müller und bekräftigte: jede Variante für den Flughafenbetrieb, die neben der Surbtalroute auch den gekröpften Nordanflug enthält, ist für den Aargau absolut inakzeptabel.

Beyeler kritisert Swiss
Harte Kritik übte Beyeler auch an der Fluggesellschaft Swiss, die stur auf einen Kapazitätsausbau auf 450000 Flugbewegungen in Kloten pocht. Man müsse einfach zur Kenntnis nehmen, dass in der kleinräumigen Schweiz nicht alles möglich ist und man mit gewissen Einschränkungen der Mobilität leben muss, sei es nun auf der Strasse, der Schiene oder im Luftverkehr. «Die Swiss muss aus einem vorgegebenen Rahmen das Maximum herausholen, das ist die Kunst», so Beyeler. «Vom Saulus zum Paulus geworden», sei er, wurde dem Baudirektor am Freitag aus der Versammlungsmitte der Fluglärmgegner attestiert. Das hat weniger damit zu tun, dass Beyeler nun grundsätzlich gegen ein Wachstum des Flugverkehrs votiert hätte (10 Prozent der einheimischen Passagiere in Kloten sind im übrigen Aargauer), nur fordert er von den Flughafenbetreibern eine gesamtheitlichere Betrachtungsweise: um das Wachstumspotenzial in der Region ausschöpfen zu können, gehöre auch die Erhaltung der Attraktivität des Lebensraums dazu. Gänzlich verhindert wird aber eine Fortentwicklung am Boden, wenn zunehmender Verkehr in den Lüften plötzlich dazu führt, dass Lärmbelastungsvorschriften Einzonungen verbieten. Hier wurde vom Bund signalisiert, dass man wegen ein paar wenigen Flugzeugen, die zu einer Planwertüberschreitung führen, auch Sonderregelungen treffen könnte. Für die betroffene Bevölkerung wohl kaum ein akzeptabler Ausweg.